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	<title>Endlosrekursion &#187; Philosophie</title>
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		<title>Gottesbeweise*</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Mar 2009 19:38:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Raphael</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich stehe gerade vor dem motivationstechnischen Scherbenhaufen eine Hausarbeit &#252;ber Gottesbeweise schreiben zu m&#252;ssen und habe da ebenso viel Lust drauf, wie mach ein Kicker &#252;ber einen solchen zu latschen, um den Teamgeist zu st&#228;rken. Sicher ist mir bewusst, dass solche Argumentations&#252;bungen sein m&#252;ssen, will man irgendwann professionell die Eulen der Minerva nach Athen tragen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich stehe gerade vor dem motivationstechnischen Scherbenhaufen eine Hausarbeit &#252;ber Gottesbeweise schreiben zu m&#252;ssen und habe da ebenso viel Lust drauf, wie mach ein Kicker &#252;ber einen solchen zu latschen, um den Teamgeist zu st&#228;rken. Sicher ist mir bewusst, dass solche Argumentations&#252;bungen sein m&#252;ssen, will man irgendwann professionell die Eulen der Minerva nach Athen tragen, und doch, der Unwille bleibt. Denn so viel zu Gottesbeweisen geschrieben wurde, so gro&#223;e Namen sich auch damit befasst haben, der Sinn, diese Frage nach der Beweisbarkeit Gottes &#252;berhaupt zu stellen, leuchtet mir einfach nicht ein. Denn was w&#252;rden denn alle diese Gl&#228;ubigen tun, wenn einer dieser vielz&#228;hligen Beweise denn wirklich Mal hinhauen w&#252;rde? Nicht mehr glauben? Dann h&#228;tten sie doch das Spiel des Lebens verloren, sieht das doch vor, dass man ganz lange und ganz doll an Gott glaubt und dann noch viel l&#228;nger und doller daf&#252;r belohnt wird. Mit frei zu erfindenden Paradiesen, dem unendlichen Leben und vor allem der Ruhe vor den ganzen Ungl&#228;ubigen, die den Gl&#228;ubigen das Leben erst vermiesen, indem sie ihnen in die Ursuppe spucken.</p>
<p>Aus diesem Grund ist mir auch allein die Pascalsche Wette irgendwie sympathisch, so falsch sie auch sein mag. Aber hier wird vieles offenbar, was sonst hinter gro&#223;en Worten und noch gr&#246;&#223;eren Riten versteckt wird. Dass man glaubt, so irgendwie mehr von der eigenen Existenz zu haben und wenn man auch damit bis nach dem leben warten muss. Dabei soll gar nicht bestritten werden, dass der Glauben an irgendeinen Gott, der immer hilft, an den man alle seine Probleme heften kann und der auch sonst noch so manchen Trick parat hat, nicht zu einem besseren Leben f&#252;hren kann, als dem nackten Dasein ohne Sinn und Ziel in seinen vermoderten Rachen schauen zu m&#252;ssen. Alles eine Frage der Perspektive. Aber manche m&#246;gen&#8217;s hei&#223;t, ihr wisst schon.</p>
<p>Aber die H&#246;lle ist nunmal abgeschafft und da bleibt uns Glaubensversagern nur noch das unendliche Nichts. Es wird also offiziell nicht mehr die Angst der Menschen im Sinne Pascals berufen, sondern an das moderne Ego appelliert. Wer w&#228;re heute im Zeitalter der Superhelden nicht gerne unsterblich. Jesus Christ Superstar also als moderne Actionfigur, die singend und h&#252;pfend das Dogma seiner Herrlichkeit den Kids wieder n&#228;her bringen soll.</p>
<p>Aber eigentlich sollte es darum gar nicht gehen. Stringenz ist also meine St&#228;rke auch nicht. Vielleicht sollte ich die Seite wechseln und flammende Pamphlete f&#252;r die Existenz der Herren halten, denn f&#252;r einen entscheiden k&#246;nnte ich mich nicht. Fr&#252;her konnte ich mich an Fasching auch nie entscheiden, als welcher Held ich denn gehen sollte.</p>
<p>Gottesbeweise also. Im Grunde laufen die doch alle den selben langweiligen Weg und begehen den einen groben Schnitzer. Da werden ellenlange Beweisskizzen erstellt, zigfach die Evidenz angerufen, um am Ende dann doch nur etwas vorzufinden, dass man nicht erkl&#228;ren kann und deshalb Gott nennt, weil Gott unerkl&#228;rlich ist. Bibelzitate werden da ebenso wie Aminos&#228;uren aufgetischt und das ganze riesen Tamtam soll nur verschleiern, dass <em>das Etwas</em>, was entweder Ursache, das H&#246;chste, das Gute oder sonstwas Unbeschreibliches ist, eben nicht damit automatisch ihr Gott ist, um den sie sich so bem&#252;hen, sondern <em>Etwas</em> bleibt.</p>
<p>Denn mit der Existenz von Etwas, das man dann nat&#252;rlich benennen kann wie man m&#246;chte und somit gerne auch Gott preisen kann, ist erstens genau nichts bewiesen, au&#223;er, dass irgendwo genau vor diesem Etwas die Grenze unserer Erkenntnism&#246;glichkeit und somit Beweisbarkeit, Erkennbarkeit und Aussagbarkeit endet und zweitens jede &#220;bereinstimmung mit real existierenden B&#252;chern rein zuf&#228;llig ist. Und dann kann mir die Evidenz dieser Flaschengeister noch so derma&#223;en etwas anderes sagen. Nur weil einige hier aufgef&#252;hrten Eigenschaften auch in diesem veralteten B&#252;chern stehen, ist nichts &#252;ber den Gehalt dieser ausgesagt, sondern nur, dass man allein mit S&#228;ufern&#8230;&#228;h&#8230;T&#228;ufern eben kein Weltreich errichten kann.</p>
<p>Den Beweis allein ins Metaphysische zu dr&#252;cken und etwas von Beweger, Verursacher und immer wieder Liebe zu faseln reicht nicht, wenn Butter bei die Fische Not tut. Und die Fischer f&#252;hren uns immer hinter den brennenden Dornenbusch zur Offenbarung. Denn die allein macht gl&#252;cklich und in dem Fall stimmt das auf mich bezogen sogar, wenn all diese, die vom Lichte des Granatapfels genascht habe bei ihrer Offenbarung auch blieben und ihren Glauben eben nicht mit Wissen verwechseln w&#252;rden. Und ich somit diese Hausarbeit nicht schreiben m&#252;sste. Amen.</p>
<p>Dann w&#252;rde ich gem&#252;tlich an diesem Freitagabend auf der Couch liegen, mit meinem imagin&#228;ren Freund zusammen das Spiel Schalke gegen K&#246;ln kommentieren und sie bei der selben Besch&#228;ftigung ihrem imagin&#228;ren Freund ehrf&#252;rchtig nach jedem Tor f&#252;r die richtige Mannschaft danken, wie g&#252;tig er doch ist und wie sehr sie ihn lieben.</p>
<p>*Wer nach der &#220;berschrift auf eine ausgewogene Abw&#228;gung aller Argumente und eine differenziertere Betrachtung gehofft hat, der sei darauf verwiesen, dass Ironie und bellender Sarkasmus schon immer ein Mittel der Ebenbilder Gottes gewesen ist, um ihrer tristen Umwelt auch ohne Drogen etwas abzugewinnen. Und da ich meine, dass Thomas von Aquin aus einem &#228;hnlichen Anreiz heraus diese plumpen f&#252;nf Wege zur Existenz Gottes aufgeschrieben hat, werde ich wohl mit dem Unverst&#228;ndnis der Leser ebenso wie der gute alte Thomas leben und sterben m&#252;ssen.</p>
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		<title>Die S&#228;uberung; oder: Blutschuld I (Die Jagd)</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Feb 2009 19:19:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wowik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Unertr&#228;glich ist es, wie psychisch Degenerierte und auch sonst verd&#228;chtige Subjekte, anhand ihrer durchaus belanglosen Alltagserfahrung, zeigen, wie das moralisch Beliebige und tats&#228;chlich Zuf&#228;llige mit pers&#246;nlicher Einfalt harmoniert. Wenn die ewig gleichen &#8220;Menschheitsverbrechen&#8221; und &#8220;moralischen Verfehlungen&#8221; herhalten m&#252;ssen, damit intellektuelle Popel-Esser sich selbst und der Welt beweisen k&#246;nnen, wie &#8220;aufgekl&#228;rt&#8221;, wie fortschrittlich und fort-geschritten sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unertr&#228;glich ist es, wie psychisch Degenerierte und auch sonst verd&#228;chtige Subjekte, anhand ihrer durchaus belanglosen Alltagserfahrung, zeigen, wie das moralisch Beliebige und tats&#228;chlich Zuf&#228;llige mit pers&#246;nlicher Einfalt harmoniert. Wenn die ewig gleichen &#8220;Menschheitsverbrechen&#8221; und &#8220;moralischen Verfehlungen&#8221; herhalten m&#252;ssen, damit intellektuelle Popel-Esser sich selbst und der Welt beweisen k&#246;nnen, wie &#8220;aufgekl&#228;rt&#8221;, wie fortschrittlich und fort-geschritten sie sind, dann ist es Zeit f&#252;r einen gr&#252;ndlichen Fr&#252;hjahrsputz.</p>
<p>Nun ist Putzen allerdings weiblich. Das Weib aber ist schwach, weil das Fleisch schwach ist und das Weib nichts als Fleisch ist. (Das sage nicht ich, sondern das sagt Gott, deshalb l&#228;sst es sich von &#8220;Menschen&#8221; auch nicht widerlegen; 1. Mose 2,22: <strong> Und Gott der HERR baute ein Weib aus der Rippe, die er vom Menschen nahm,&#8230;</strong>) Um anst&#228;ndig aufzur&#228;umen braucht man Kraft und St&#228;rke. Jedenfalls ist der Zweck des folgenden Textes eher als S&#228;uberung, denn als Putz zu verstehen &#8211; eine &#228;sthetische S&#228;uberung. Das &#8220;Wovon&#8221; der S&#228;uberung sind jene Bazillen die vor allem in der winterlichen Jahreszeit das Denken &#8220;einfacher&#8221; Gem&#252;ter verunreinigen und verschmutzen. Schmutz, besonders wenn er den Gedanken anhaftet, macht krank. Man muss nicht verzweifeln, auch wenn man in letzter Zeit sehr viel Kot gedacht hat, denn ich bin ein Mediziner des Geistes, ein Priester des Lichts, der euch verderbte Seelen auf den Pfad der Wahrheit zur&#252;ckf&#252;hren wird. Medizin ist zuweilen bitter und je bitterer sie ist, desto besser hilft sie. Erh&#246;rt nun also die Worte der Heilung:</p>
<p><strong>Blutschuld I – Die Jagd</strong></p>
<p>Nur das Knacken brechender &#196;ste, sowie das Rascheln zu Boden gefallenen Laubes, verriet den Fuchs, der in der Abendd&#228;mmerung durch das Gestr&#252;pp eines Waldrandes schlich, ansonsten seiner Umgebung jedoch wenig Beachtung schenkte, weshalb er nicht bemerkte, dass zwei menschliche Augen ihn bereits seit einiger Zeit fixiert hatten und all seine Bewegungen in aufmerksamer Spannung verfolgten.</p>
<p>Das Augenpaar geh&#246;rte einem J&#228;ger, der sich hinter einem Baumstumpf versteckt hielt und darauf wartete, bis der Fuchs sich auf eine g&#252;nstige Schussentfernung gen&#228;hert h&#228;tte, denn schon mehrmals hatte der J&#228;ger, den roten, sich geduckt und eilig bewegenden K&#246;rper, den buschigen Schwanz, dessen Spitze ein wei&#223;er Fleck zierte, im Visier seines Gewehres gesehen, war stets unentschlossen ob er schie&#223;en sollte oder nicht, hatte sich aber bisher daf&#252;r entschieden, dass der Winkel zu ung&#252;nstig, die Distanz zu gro&#223; sei, um einen Schuss zu wagen. Aus diesem Grunde hatte sich sein schon halb gekr&#252;mmter Zeigefinger immer wieder strecken m&#252;ssen, schlie&#223;lich h&#228;tte ein Fehlschuss dazu gef&#252;hrt, dass der Fuchs – aufgeschreckt durch den Knall – mit einigen schnellen S&#228;tzen tief in den Wald gefl&#252;chtet w&#228;re.</p>
<p>Als der Fuchs nun aus der hohen Wiese hinaus trat, welche mit ihren Gew&#228;chsen und Halmen sanft seine Unterseite gestreichelt hatte, geschwind &#252;ber einen Feldweg huschte und in eine Mauer aus allerlei Str&#228;uchern und B&#228;umen drang, erh&#246;hte sich der Puls des J&#228;gers, der jetzt – in Erwartung des Fuchses, welcher sogleich auf der anderen Seite des Gestr&#252;pps zum Vorschein kommen m&#252;sste – noch aufmerksamer als zuvor durch seine Zieloptik blickte.</p>
<p>Anhand der Zweige des Gestr&#228;uchs, die – vermutlich weil der Fuchs sie gestreift hatte – in unruhige Schwingung versetzt wurden, konnte der J&#228;ger, obgleich er den Blickkontakt verloren hatte, die ungef&#228;hre Position des Fuchses ausmachen, nachdem allerdings auch dieses Lebenszeichen allm&#228;hlich verschwand und der Fuchs ebenso wenig am anderen Ende des Gestr&#228;uchs erschien, war dem J&#228;ger die Entt&#228;uschung ins Gesicht geschrieben – der Fuchs musste innerhalb des Geb&#252;schs eine scharfe Kurve eingeschlagen haben und auf derjenigen Seite aus dem Dickicht getreten sein, die weder im Sicht-, noch im Schussfeld des J&#228;gers lag.</p>
<p>Er &#252;bte diesen Beruf eigentlich lange genug aus, um zu wissen, dass sich eine solche Gelegenheit, wie er sie soeben verpasst hatte, an einem einzigen Tag kein zweites Mal erg&#228;be und trotzdem blieb er, in der Hoffnung, die unwahrscheinliche M&#246;glichkeit w&#252;rde sich in der Unmittelbarkeit einer Tatsache verwirklichen, ruhig in seinem Versteck sitzen – vergebens, er wartete f&#252;nf, er wartete zehn, er wartete f&#252;nfzehn Minuten, ohne dass sich etwas Erw&#228;hnenswertes ereignete und er h&#228;tte wohl noch eine oder zwei ganze Stunden gewartet, wenn ihm nicht sein Verstand und seine Berufserfahrung gesagt h&#228;tten, dass die Jagd f&#252;r heute zu ende sei; zudem hatte sich die abendliche Frische, als eine unangenehme K&#228;lte in des J&#228;gers Gliedern bemerkbar gemacht.</p>
<p>Unzufrieden mit den Ergebnissen des heutigen Tages und sichtlich ersch&#246;pft, gab der J&#228;ger seine Tarnung auf, hing das Gewehr &#252;ber seine Schulter, stapfte &#252;ber den weichen Waldboden auf den Waldrand zu, trat mit den dicken Stiefeln schlie&#223;lich auf den steinig-sandigen Untergrund des Feldweges und ging gem&#228;chlich in Richtung seines Heimatdorfes.</p>
<p>Der J&#228;ger war kaum hundert Meter gelaufen, da sprang pl&#246;tzlich, aus dem Dunkel des Waldes, das bekannte, diebische, rot-braune Raubtier hervor, das seinen Fehler schon kurz vor dem Absprung bemerkte, die schwungvolle Bewegung aber nicht mehr r&#252;ckg&#228;ngig machen konnte und wie angewurzelt mitten auf dem Feldweg zum stehen kam, indessen hatte der J&#228;ger geistesgegenw&#228;rtig das Gewehr von seiner Schulter gerissen und den Fuchs der sich ihm als lohnendes und leicht zu treffendes Ziel pr&#228;sentierte, anvisiert.</p>
<p>Zwei &#228;ngstlich-entschlossene Blicke trafen sich in der feuchten Herbstluft, wobei im Auge des J&#228;gers die Entschlossenheit &#252;berwog, im Auge des Gejagten die &#196;ngstlichkeit, die sich allerdings – als dem Fuchs zu Bewusstsein gelangte, dass eine Flucht unm&#246;glich w&#228;re und er in Anbetracht dieser aussichtslosen Situation, nicht mehr lange zu leben h&#228;tte – in eine derart feste Entschlossenheit wandelte, dass sie die des J&#228;gers fast z&#246;gerlich erscheinen lie&#223;.</p>
<p>Langsam, eben so, dass es vom J&#228;ger nicht als ein Angriff, als eine verzweifelte Flucht nach vorne gedeutet werden konnte, ging der Fuchs auf den J&#228;ger zu.</p>
<p>Mehr zu sich selbst, aber  – da er sich allein glaubte – doch lauter als man gew&#246;hnlich zu sich selbst zu sprechen pflegt, sagte der J&#228;ger: <em>„Jetzt erwische ich dich, du elender M&#246;rder.“</em></p>
<p><em>„Du nennst mich einen M&#246;rder?“</em>, erwiderte der Fuchs.</p>
<p><em>„Nun, und? Bis du es nicht? Bist du kein M&#246;rder? Hast du nicht den Bauern ihre H&#252;hner geraubt und diese kaltbl&#252;tig umgebracht?“</em></p>
<p><em>„Wahrlich, rotes, angsterhitztes Blut habe ich aus durchbissenen Kehlen und zerrissenen Adern getrunken; jeden Schluck vom Wein des Lebens genoss ich, doch habe ich jemals Wasser gepredigt? Rohes, noch warmes Fleisch habe ich von Knochen genagt und stets tat ich es ohne schlechtes Gewissen. Wen nennst du einen M&#246;rder? Die Biene die &#252;ber Wiesen und Heiden schwebend, aus &#252;bervollen Bl&#252;ten trinkt;  nennst du dies nicht – idyllisch?</em></p>
<p><em>Die K&#252;he die an Sommertagen im Schatten eines Baumes liegen, die das saftige Gras mit ihren M&#228;ulern aus dem Erdboden rei&#223;en und in kreisenden Bewegungen zermahlen; nennst du dies nicht ­– friedlich?</em></p>
<p><em>Und sa&#223;est du selbst nicht gerade erst mit all deinen Verwandten am Tisch versammelt? A&#223;est du nicht selbst mit Wonne ein gro&#223;es St&#252;ck vom ger&#246;steten Schwein? Und priesest du es nicht als – Festschmaus.</em></p>
<p><em>Meine Raubz&#252;ge aber nennst du Mord  –  wenn ich mich an den Hof der Bauersleute heran pirsche, wenn ich mich im Unterholz verborgen halte, geduldig warte, bis der Bauer die St&#228;lle ausgemistet hat und sich zur Mahlzeit ins Haus begibt, wenn ich sodann mit flinken Beinen &#252;ber ein St&#252;ck offenes Gel&#228;nde eile, mich durch ein Loch zw&#228;nge, von denen in dem morschen Holzzaun nicht wenige klaffen, wenn ich mich mit leisen Pfoten dem H&#252;hnerpulk das, obwohl meine Anwesenheit unbemerkt geblieben ist, laut gackernd auf der anderen Seite des Ger&#228;teschuppens wild durcheinander l&#228;uft, wenn ich schon im n&#228;chsten Moment aus einem Winkel oder hinter einer Wand hervorpresche, sich das Gackern der H&#252;hner ins unermessliche steigert, sie wilder und orientierungsloser als zuvor durcheinander rennen, der Hahn, welcher soeben noch alleiniger Herrscher war, mich erschrocken – schon ahnend, dass ich im Stande bin, mir von dem ihm Anvertrauten, zu nehmen was mir beliebt –  anstarrt und angesichts seiner v&#246;lligen Ohnmacht besch&#228;mt, den Kopf zu Boden senkt, ich unterdessen in den panisch-tobenden H&#252;hnerhaufen laufe, um mit meinem Maul, eines der fetten, wei&#223;en H&#252;hner zu packen, das sich zuf&#228;llig in meiner Reichweite befunden hatte. Schneller noch als der Bauer – der durch das Geschrei aufmerksam geworden ist ­– aus dem Haus st&#252;rzen konnte, bin ich mit dem zappelnden Federtier zwischen den Kiefern, durch eine &#214;ffnung im Zaun geschl&#252;pft und in den sch&#252;tzenden Wald gefl&#252;chtet.</em></p>
<p><em>So wie die Biene s&#252;&#223;en Nektar schl&#252;rft, so wie die Kuh das fruchtig-feuchte Gras verzehrt, so wie du das erlegte Schwein verspeist, so darf ich mich nicht von Gefl&#252;gel n&#228;hren? Ist es nicht Hunger der uns treibt, Hunger der gebietet, das zu tun was n&#246;tig ist, der gestillt werden will und unbarmherzig  immer neue S&#228;ttigung verlangt? Verbindet uns nicht – Hunger?</em></p>
<p><em>Mit deinem Gewehr im Anschlag stehst du vor mir und willst das Opfer r&#228;chen?</em></p>
<p><em>Bauernmoral und Opferregentschaft – man erleidet die Tat und leidet scheinbar am Getanen; dass das Opfer aber klagend auf die Tat des Fremden schimpft, und sich stattdessen nicht selbst ob seiner Unt&#228;tigkeit z&#252;chtigt – das ist Selbstmitleid.</em></p>
<p><em>O s&#252;ndiger Sud der Schuldzuweisung, es w&#228;lzt das Opfer sich gern darin, es l&#228;sst sich gehen, es zergeht wie ein St&#252;ck Butter in einer Flamme der T&#228;tigkeit.</em></p>
<p><em>Aus dem Opfer der Tat geht das Opfer des Opfers  hervor, aus dem toten Huhn, der verletzte Bauer.</em></p>
<p><em>Die Unf&#228;higkeit anst&#228;ndig zu Grunde zu gehen, ist der Mangel des Opfers an echtem Sportsgeist, dass der Hahn oder der Bauer mir den Raub seiner H&#252;hner &#252;bel nimmt, dass es ihn nach Rache und Vergeltung gel&#252;stet, ist eine Charakterschw&#228;che: Das Opfer nimmt die fremde Tat zu pers&#246;nlich und die eigene Tatenlosigkeit nicht pers&#246;nlich genug; der Bauer glaubt ich wollte ihm schaden? Ich wollte fressen; die Beliebigkeit des Opfers ist allzu offensichtlich, denn es erleidet nur durch die Unt&#228;tigkeit, bzw. die Unf&#228;higkeit das N&#246;tige zu tun, seine Leiden abzuwenden, somit braucht es kein bestimmtes Individuum, sondern irgend etwas, das unt&#228;tig sein kann – und unt&#228;tig kann nur etwas sein, dass zumindest der M&#246;glichkeit nach  zur  Tat schreiten kann. </em></p>
<p><em>Opfermoral ist schmachvoll: Wie kann das Opfer ehrlich leiden, wenn es in seinem schwachen Moment, in dem es dem St&#228;rkeren unterlegen ist nach dem St&#228;rksten schreit, das das St&#228;rkere unterwerfen soll, zum Opfer machen soll; Opfermoral ist Doppelmoral: Wie kann das Opfer sein Opfersein- und werden beklagen, und zugleich das St&#228;rkere durch das St&#228;rkste vernichten wollen? Zu lange wurde um Opfer getrauert, wir m&#252;ssen endlich Taten feiern.“</em></p>
<p><em>„Die Jagd ist nicht blo&#223; mein Beruf, nicht nur meine Berufung, sie ist gr&#246;&#223;tenteils meine Leidenschaft – Jagdleidenschaft.  Vielleicht bist du derjenige, der alles etwas zu pers&#246;nlich nimmt; der durch dich erz&#252;rnte Bauer ist wohl mein Auftraggeber, doch der Auftrag ist lediglich der Anlass und nicht meine Motivation. Dass ich dich erschie&#223;en muss, ist gewisserma&#223;en ein Teilaspekt des Ganzen, mir jedenfalls geht es um die Jagd. Freilich, das Jagen, die Verfolgung, ist mir wichtiger als das Erlegen, als die Troph&#228;e, ganz ohne Beute fehlte dem Jagen allerdings ein Ziel, ein Punkt auf den alles hinausl&#228;uft. Betrachte dich also eher als ein Mittel –  du bist mir Mittel zur Jagd. Was spricht au&#223;erdem gegen einen Auftrag? Der Bauer will dich tot sehen und bezahlt daf&#252;r, ich hingegen will meiner Jagdleidenschaft nachgehen, so ist es f&#252;r mich keine Schwierigkeit das N&#252;tzliche mit dem Sch&#246;nen zu verbinden und f&#252;r die Aus&#252;bung einer Leidenschaft Lohn zu empfangen.“</em></p>
<p><em>„Der Bauer hat dich gerufen um mich zu erlegen? Erschie&#223;en kannst du mich ohnehin nur, weil deine Jagdkunst zum Jagdgesch&#228;ft verkommen ist, du sagst selbst, dass du einen Anlass zur Jagd br&#228;uchtest, der Auftrag sei der Anlass, sobald du einen Anlass n&#246;tig hast, ist jedoch die Kunst verdorben, wie solltest du um des Jagens willen jagen, wenn du erst einen Grund dazu ben&#246;tigst? Leidenschaft – Jagdleidenschaft, sagst du? Was ist Leidenschaft denn anderes als etwas ohne Ziel und Grund, um seiner selbst willen zu tun? </em></p>
<p><em>Sprich nicht von Leidenschaft, wie willst du leidenschaftlich Jagen wenn du nicht von Herzen hasst? Unw&#252;rdiger, wie k&#246;nntest du ohne herzlich zu hassen leidenschaftlich jagen? Du brauchst einen Feind, ein Feindbild, mit dem dich eine innige Abneigung verbindet, einen Gegner der die Jagd von der Beliebigkeit des in ihr gejagten befreit, einen Gegenspieler, der die Jagd zum Kampf der Pers&#246;nlichkeiten erhebt, ein Kr&#228;ftemessen, dessen Ergebnis nicht ein Sieg ist, sondern dein Sieg, dein Triumph oder – dein Untergang. </em></p>
<p><em>Wie k&#246;nnten wir Feinde sein? Wie k&#246;nnten wir einander hassen? Wie willst du meiner als Feindbild w&#252;rdig sein wenn du Opfern dienst?</em></p>
<p><em>Du wirst entlohnt? Du h&#228;ltst ein Gewehr in deinen H&#228;nden und nimmst artig das an, was Bauern dir zukommen lassen? Du bringst den Schw&#228;chlichen ihre Troph&#228;en und l&#228;sst dich mit Trinkgeldern abspeisen?</em></p>
<p><em>So wie du deine Frau ob ihrer blauen Augen und ihres weichen Haares liebst, so hasse deine Feinde wegen ihres schlechten Atems, wegen ihrer Stimme, ihrer Hautfarbe, O – nie k&#246;nntest du mich so hassen, doch Obacht, hasse nicht deiner Feinde Atem, ihre Stimme, ihre Hautfarbe selbst, hasse sie nur an ihnen. </em></p>
<p><em>Wie du deinen N&#228;chsten einen Bruder nennst, so nenne deinen Fernsten einen Teufel. Hasse deinen Fernsten mehr als dich selbst!</em></p>
<p><em>Wie?</em></p>
<p><em>Du hasst dich nicht?</em></p>
<p><em>Wie willst du dich lieben, wenn du fremden Zielen dienst, wie k&#246;nntest du dich achten, wenn du nicht verachtest, was nicht das Deinige ist, wenn du dir nicht aneignest, was die anderen ihre Besitzt&#252;mer hei&#223;en.</em></p>
<p><em>Und leuchtete Verwegenheit aus deinen Augen, und sch&#228;umte dir das Maul vor Kampfeslust, so w&#228;re es mir ein Hochgenuss durch deine Hand mein Ende zu finden. Wer seine Ziele sch&#228;tzt, der sch&#228;tzt den Kampf darum, ein wahrhafter Jagdk&#252;nstler st&#252;nde nicht wie du, vor K&#228;lte zitternd mit einem Schie&#223;gewehr vor einem kleinen, roten Raubtier, er risse sich die Kleidung vom Leib – allzu weichlich; er w&#252;rfe sein Gewehr hinfort – allzu weiblich; er lie&#223;e einen alten Fuchs seines Weges ziehen – allzu weltlich; und er ginge in die Schmiede der Gedanken und formte mit dem Hammer des Wortes einen Speer des Geistes auf dem Amboss dieser Welt. Idee ist Macht; was solltest du Bauern dienen, dich in W&#228;ldern f&#252;r sie herumtreiben, um ihre Feinde zu erlegen, wenn du im Stande bist, tausend, zehntausend, hunderttausend Leute allein durch die Kraft deiner Worte in die W&#228;lder zu treiben um Wild zu erjagen. Am Schilde deines Wortes wird selbst die kr&#228;ftigste Faust stumpf und was ist blo&#223;e Muskelkraft, gegen die Kraft die ein vision&#228;rer Gedanke kanalisiert und lenkt?</em></p>
<p><em>Und willst du dennoch selbst jagen, ei, so jage keine F&#252;chse, so jage die Wahrheit. Will sie dir nicht recht ins Auge springen, kannst du sie nicht finden, wiewohl du &#252;berall recht gewissenhaft danach gesucht hast? Nun denn, es fehlt Wille, es fehlt &#220;berzeugung; auch wenn die im Moor der Vergangenheit, im Sumpf des Gestrigen auf ewig Verlorenen, die Versinkenden und noch umher Stakenden, dir durch den Nebel zu rufen: ‚Gib acht, O Mutiger, dieser Nebel, der &#252;ber alles sich zu legen scheint, ist nicht schwarz noch wei&#223;, ist hingegen ein sich wallender, aufsch&#228;umender, in Graut&#246;nen flie&#223;ender Vorhang, der uns Menschen nicht erkennen l&#228;sst, drum suche nicht das Licht, das wir und deine V&#228;ter und Gro&#223;v&#228;ter und Urahnen einst suchten.’</em></p>
<p><em>Die, die sich mahnend als deine Lehrer und Ahnen ausgeben, waren in jenem Augenblick Schw&#228;chlinge, als H&#228;rte geboten war – wer Wahrheit will muss &#252;berzeugt sein.</em></p>
<p><em>Ach, so viele nennen sich &#252;berzeugt, &#252;berzeugt von diesem oder jenem und bleiben dabei stets an Gegebenem orientiert, ohne selbst zu setzen, einzusetzen – O, sie spielen ein Spiel ohne Einsatz, dass sie nur verlieren k&#246;nnen.</em></p>
<p><em>Wille zur &#220;berzeugung, das hei&#223;t sich selbst zu &#252;berzeugen, dass man von etwas &#252;berzeugt sei; Wille zur Wahrheit, &#220;berwindung des Nebels: das hei&#223;t – schw&#228;rzen, anschw&#228;rzen und wei&#223;machen. Und wer f&#252;r Wahrheit nicht zu l&#252;gen bereit ist, der ist nicht &#252;berzeugt;  und wer nicht schreiten, fortschreiten und &#252;berschreiten will, der verweilt im Nebel, der verklebt in zeitlichen S&#252;mpfen; Mut zur Unnachgiebigkeit, Suchender, r&#252;cksichtslos f&#252;r die Idee auch &#252;ber die Leichen deiner Feinde zu gehen, baue dir Br&#252;cken &#252;ber die Str&#246;me ihres D&#252;nkels, ihre Sch&#228;del und Knochen m&#246;gen der erste Pfeiler sein, nimm ihre Sprache und mache ihr Wort ungeschehen.</em></p>
<p><em>Siegen lernen, Heiliges entweihen, zeige ihnen die Natur ihrer unantastbaren W&#252;rden, indem du sie ber&#252;hrst, indem du sie dir  nimmst, indem du sie herab pfl&#252;ckst und absch&#252;ttelst, so wie du &#252;berreife Pflaumen vom Baum hinunter sch&#252;ttelst, forme die Wirklichkeit nach deinem Bilde – Fanatismus, der h&#246;chste Grad an &#220;berzeugung.</em></p>
<p><em>Es gibt keine Wahrheit weil es mehrere Blinkwinkel gibt? Dann kratze Augen aus, mache blind, verblende, auf dass allein dein Blinkwinkel &#252;brig bleibe, auf dass niemand mehr anderes sehen m&#246;ge als du selbst siehst.</em></p>
<p><em>Du Unterliegst? Deine Feinde sind von deinem Schlage? Deine Ideen wollen nicht &#252;berzeugen, nicht fesseln, nicht bewegen? Dann sei dir selbst genug, dann lebe und sterbe im Krieg den jeder gegen jeden k&#228;mpft, im Geiste wie mit der Faust.</em></p>
<p><em>Schau dich an, du Wurm, du schie&#223;t auf Feinde die nicht die deinigen sind und bekommst daf&#252;r, was dir nicht zusteht?</em></p>
<p><em>Wer Ziele hat, hat Feinde. Dein ist – nicht was sie dir geben, sondern was du dir nimmst; du willst dich selbst lieben? Du willst aus Leidenschaft jagen? Gehe fort, samt deinem Gewehr, erschie&#223;e die Bauern, nimm dir Hof und H&#252;hner – und solltest du mich jemals dabei erwischen wie ich deine H&#252;hner aus den St&#228;llen stehle, so hast du wahrlich einen Grund mich zu hassen. Ursprung aller Feindschaft: Etwas ist Besitz eines Fremden, dass ebenso gut dein eigener Besitz sein k&#246;nnte.</em></p>
<p><em>Wohlan, ich sage dir, st&#252;nde der Bauer mit einer langen Mistgabel pers&#246;nlich vor mir, ich ersparte ihm das Gerede, ich lieferte ihm einen w&#252;rdigen Kampf, auch wenn die Spitzen Zinken seiner Waffe  sich schmerzhaft in mich bohrten.</em></p>
<p><em>Schie&#223;e nun, bringe mir eine Niederlage bei, lass die Kugel mich zerschmettern, niemals jedoch gen&#252;gte mein Untergang f&#252;r deinen Sieg, nicht auf diese Weise. Schie&#223; also, wenn du noch willst – wenn du noch kannst.“</em></p>
<p><em>Der J&#228;ger lie&#223; das Gewehr ein wenig sinken, verdrehte seine Augen zur Stirn hin, als versuchte er in das Innere seines Kopfes zu blicken, schwieg, offensichtlich nachsinnend, eine Weile und erwiderte schlie&#223;lich unerwartet: „Es ist bequem Leidenschaftsloses mit Leidenschaft zu tun.“</em></p>
<p>Das Knallen eines Schusses, lie&#223; den Eintritt der Gewehrkugel in die Brust des Fuchses lautlos erscheinen, das Projektil grub sich seinen Weg durch das sehnige Fleisch des Raubtieres – die Schw&#228;che eines Feiglings hat ein stolzes Raubtier zum Opferlamm gemacht.</p>
<p>Das Geschoss blieb im K&#246;rper stecken als es auf einen Knochen stie&#223;, das Blut, welches aus dem Wundkanal floss, sickerte in den Erdboden.</p>
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		<title>Konklusion zu Foucaults Argument</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Apr 2008 19:53:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Abc</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Beitrag ist der letzte Teil eines Artikels in  drei Teilen.
Mit dieser Rekonstruktion ist es m&#246;glich den Begriff der Macht argumentativ einzuordnen. Man sieht, dass er ganz am Anfang der Methodenbegr&#252;ndung steht. Damit wird es verst&#228;ndlich, warum er eine so wichtige Rolle spielt: Untersucht man was im Hinblick auf das Subjekt vorausgesetzt werden darf, dann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Beitrag ist der letzte Teil eines Artikels in  drei Teilen.</p>
<p>Mit dieser Rekonstruktion ist es m&#246;glich den Begriff der Macht argumentativ einzuordnen. Man sieht, dass er ganz am Anfang der Methodenbegr&#252;ndung steht. Damit wird es verst&#228;ndlich, warum er eine so wichtige Rolle spielt: Untersucht man was im Hinblick auf das Subjekt vorausgesetzt werden darf, dann bleiben nur die Macht und die Historie &#252;brig. Die Wissenschaften untersuchen keine unmittelbare Empirie, die im ontologischen Sinne in ihrer Bestimmung einfach vorhanden ist. W&#228;hlt man eine Wissenschaft, sei es die Biologie, die Physik oder die Soziologie, bestimmt man als Mensch eine Empirie. Diese Bestimmung der Empirie erfolgt aus den Zwecken, die der Mensch mit seiner Wissenschaft verfolgt. Diese Zwecke sind wiederum vom Willen des Menschen bestimmt. Die Bewegung vom Wissen hin zum Willen in der Foucaultschen Untersuchung des Subjekts erfolgt aus dieser Einsicht in die Zweckgebundenheit der Wissenschaften. Die Historie ist die Empirie, wie sie von der Foucaultschen Untersuchung bestimmt wird.</p>
<p>Nun stellt sich aber eine h&#246;chst wichtige Frage: Scheint diese Argumentation nicht anzudeuten, dass die Foucaultsche Untersuchung den Anspruch hat, selbst zweckfrei zu sein? Die Begr&#252;ndung war doch, dass <em>weil</em> die Wissenschaften vom Willen abh&#228;ngen und in diesem Sinne nicht frei sind, wir den Willen, und das hei&#223;t die Macht, untersuchen m&#252;ssen. Diese Frage ist deshalb so wichtig, weil sie letztendlich auf die Frage nach dem Wahrheitsanspruch der Foucaultschen Untersuchung hinausl&#228;uft. In welchem Sinne ist Foucaults Antwort auf die Frage nach dem Subjekt <em>wahr</em>? Was sind seine Wahrheitskriterien?</p>
<p>Entscheidend scheint auf jeden Fall die Unabh&#228;ngigkeit der Untersuchung von der Macht zu sein. Obwohl Foucault immer wieder darauf hinweist, dass Bewegungen, die sich gegen einen etablierten Machmechanismus richten, selbst eine Macht darstellen, scheint er seine eigene Rede dadurch zweckfrei machen zu wollen, dass diese die Machtmechanismen selbst bespricht. Wenn das der Fall ist, ist die Gefahr gro&#223;, dass die Untersuchung auf eine Metaphysik hinausl&#228;uft: Foucault beschreibt das Subjekt wie es <em>in Wirklichkeit ist</em>, unabh&#228;ngig vom ihm als „Wissenschaftler“. Vielleicht ist das die Kritik von Derrida. Eine L&#246;sung w&#228;re m&#246;glicherweise in der Deleuzeschen Interpretation von Foucault zu finden. Sicher ist aber, dass es ganz entscheidend ist diese Fragen zu kl&#228;ren um Foucaults begriffliche Praxis in seinen Bedingungen und Argumenten darzulegen und eine Beurteilung seiner Arbeit zu erm&#246;glichen.</p>
<p>Aus der Perspektive der Rekonstruktion des Machbegriffes scheint ein weiterer Punkt verst&#228;ndlich geworden zu sein, n&#228;mlich wie der handlungstheoretische Aspekt der Macht zu begreifen ist. Macht ist nicht „&#252;berall“ <em>wegen</em> der handlungstheoretischen Bestimmung, sondern die handlungstheoretische Bestimmung <em>folgt</em> aus der Analyse des Begriffes des Willens und des Verh&#228;ltnisses zwischen Wissen und Willen. <em>Weil</em> der Wille im Verh&#228;ltnis zum Wissen prim&#228;r ist und der Wille mit dem Begriff der Macht verst&#228;ndlich gemacht werden kann, muss das menschliche Handeln in machtpraktischen Termini beschrieben werden.</p>
<p>Des Weiteren sind die Stellung und Bedeutung der Freiheit bei Foucault durch die Rekonstruktion in einigen Aspekten begreifbar geworden. Der Begriff der Macht wurde &#252;ber den Begriff des Kr&#228;fteverh&#228;ltnisses eingef&#252;hrt. Der Machtmechanismus wurde eingef&#252;hrt als die Wirkweise und Wirkungen eines Kr&#228;fteverh&#228;ltnisses und ist deswegen als einem Kr&#228;fteverh&#228;ltnis, d.h. einer bestimmten sozialen Struktur, implizit zu verstehen. Wenn man nun fragt, wie man ein Machtverh&#228;ltnis und dessen Mechanismus ver&#228;ndern kann, sieht man, dass es auf die Form des Kr&#228;fteverh&#228;ltnisses, d.h. die Organisation des sozialen Netzwerkes ankommt. Diese Organisation ist aber nichts Weiteres als unsere eigenen Verh&#228;ltnisse zueinander und uns selbst. Wenn man also mit machtpraktischen Termini auf die Frage nach dem Subjekt antwortet, sagt man: wir sind, was wir sind, wegen der Verh&#228;ltnisse, die wir zueinander und uns selbst haben. Der Machtmechanismus und seine Wirkungen sind in diesem Sinne unsere eigene Konstruktion. Dies hat zur Folge, dass sich der Machtmechanismus und seine Wirkungen ver&#228;ndern w&#252;rden, wenn wir unsere Selbstverh&#228;ltnisse und Gemeinschaftsverh&#228;ltnisse (die Verh&#228;ltnisse zueinander) ver&#228;ndern w&#252;rden. Unsere Freiheit besteht in der M&#246;glichkeit dies zu tun.</p>
<p>Die zu diesem Text geh&#246;rige <a href="http://www.endlosrekursion.de/218/foucaults-argument/">Einleitung</a> und die <a href="http://www.endlosrekursion.de/221/rekonstruktion-von-foucaults-argument/">Rekonstruktion</a> lesen &gt;&gt;</p>
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		<title>Rekonstruktion von Foucaults Argument</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Apr 2008 19:50:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Abc</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Beitrag ist der zweite Teil eines Artikels in drei Teilen.
Da der Rahmen dieser Arbeit keine tiefgehende Exegese der Texte von Foucault zul&#228;sst, werde ich nur an Hand von Verweisen und einigen Zitaten meine Lesart unterst&#252;tzen. Es ist mir v&#246;llig bewusst, dass andere Lesarten genauso m&#246;glich sind. Mein Interpretationskriterium ist haupts&#228;chlich Koh&#228;renz und Plausibilit&#228;t der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Beitrag ist der zweite Teil eines Artikels in drei Teilen.</p>
<p>Da der Rahmen dieser Arbeit keine tiefgehende Exegese der Texte von Foucault zul&#228;sst, werde ich nur an Hand von Verweisen und einigen Zitaten meine Lesart unterst&#252;tzen. Es ist mir v&#246;llig bewusst, dass andere Lesarten genauso m&#246;glich sind. Mein Interpretationskriterium ist haupts&#228;chlich Koh&#228;renz und Plausibilit&#228;t der Argumente und nicht so sehr der Vergleich aller Texte von Foucault (was h&#228;tte man auch damit erreicht? Solche Interpreten m&#246;chte ich immer auf den Essay von Foucault Was ist ein Autor? verweisen). Insofern ist es selbstverst&#228;ndlich m&#246;glich Stellen zu finden, die meine Lesart nicht direkt unterst&#252;tzen. Besonders werde ich auf den Text The Subject and Power verweisen, weil dieser Text viele Punkte sammelt und ich damit den Literaturumfang der Verweise ein bisschen beschr&#228;nken kann. Ebenfalls um den Umfang der Verweise zu beschr&#228;nken werde ich lediglich auf die Prim&#228;rliteratur verweisen. (Foucault, Michel: The Subjekt and Power, in: Dreyfus, Hubert L. und Rabinow, Paul: Michel Foucault. Beyond Structualism and Hermeneutics. The University of Chicago Press. Second Edition 1983 (zit. Foucault 1983a); Foucault, Michel: Was ist ein Autor? In: Foucault, Michel (Hg.): Schriften zur Literatur. Frankfurt/M 2003).</p>
<p><strong>a. Wie kann man herausfinden, was das Subjekt ist?<br />
</strong><br />
Die Frage, die am Anfang von Foucaults Arbeit steht, ist eine klassische philosophische Frage: Was ist das Subjekt? Oder: Was ist der Mensch? Wenn man eine solche Frage stellt, muss man als ersten Schritt eine andere Frage stellen, n&#228;mlich die nach der Methode, mit welcher man die Antwort auf die Frage finden will. Man muss also herausfinden welche Wissenschaft oder Philosophie f&#252;r die notwendige Untersuchung passend w&#228;re. Und man muss &#252;berlegen, wie die Wahl einer solchen Methode gerechtfertigt werden kann. Letzteres scheint viele Schwierigkeiten zu beinhalten: woher will man wissen, ob die Antwort der Biologie besser als die der philosophischen Anthropologie ist?</p>
<p>Foucault macht aber etwas anderes als sich f&#252;r eine bestehende Wissenschaft oder Philosophie zu entscheiden. Er tritt einen Schritt zur&#252;ck und reflektiert die Fragestellung selbst in dem er sagt: der Mensch ist jemand, der diese Frage stellt: Was ist der Mensch? Statt sich f&#252;r eine bestehende wissenschaftliche Methode zu entscheiden, sagt er: der Mensch entscheidet sich f&#252;r verschiedene Methoden (die er manchmal wissenschaftlich nennt), mit denen er so genanntes Wissen schafft. Was sagt uns dies &#252;ber den Menschen? Nicht was er <em>wei&#223; </em>oder was er aus der Sicht einer Wissenschaft <em>ist</em>, sondern dass er einen Willen zum Wissen hat. Der Punkt ist, wenn man wissen will, was der Mensch ist, kann man nicht so etwas wie ein Wissen voraussetzen oder auf ein solches rekurrieren, sondern muss zun&#228;chst historisch feststellen, dass der Mensch Wissen schafft, d.h. einen Willen zum Wissen hat. Wissen setzt, das ist die Einsicht, einen Willen zum Wissen voraus. Daraus k&#246;nnen wir schlie&#223;en, dass der Mensch nicht prim&#228;r wissend, sondern prim&#228;r wollend ist.</p>
<p>Schon bei dieser ersten Feststellung ist klar geworden, dass wir gezwungen sind historisch zu arbeiten. Wenn wir die etablierten Wissenschaften nicht voraussetzen wollen, sondern zuerst &#252;berhaupt herausfinden wollen, warum der Mensch diese Wissenschaften betreibt, dann m&#252;ssen wir uns die Historie des Subjekts anschauen und nicht das Subjekt an Hand des menschlich hervorgebrachten Wissens untersuchen. Nun stellt sich aber die Frage, wie wir historisch arbeiten k&#246;nnen. Wir k&#246;nnen nicht die Geschichte als eine notwendige Entwicklung vom Wissen betrachten, denn nicht das Wissen ist grundlegend f&#252;r uns, sondern der Wille zu demselben. Die Frage ist deshalb jetzt, mit welchen Begriffen wir zutreffend &#252;ber Willen reden k&#246;nnen und was dieser &#252;berhaupt ist.</p>
<p>Was wir bis jetzt herausgefunden haben ist, dass der Wille etwas ist, das Verschiedenes hervorbringt. Es ist kein notwendiges Hervorbringen, da ihm kein zwingendes Wissen und keine grundlegende Rationalit&#228;t (da diese sich immer auf Wissen bezieht) zu Grunde liegt, da der Wille vielmehr diesem zu Grunde liegt. Alles was wir haben ist eine Art Kraft, die beispielsweise Wissen hervorbringt. Vielleicht k&#246;nnen wir Folgendes sagen: den Menschen durchstr&#246;mt eine Kraft, die ihn dazu bringt Verschiedenes hervorzubringen. Wir haben aber keinen Grund anzunehmen, dass diese Kraft singul&#228;r ist, viel wahrscheinlicher scheint es zu sein, dass viele Kr&#228;fte arbeiten. Warum? Weil nicht immer dasselbe hervorgebracht wird, sondern immer Neues und Verschiedenes. Was k&#246;nnten wir die Verh&#228;ltnisse nennen, in denen diese Kr&#228;fte stehen? Foucault nennt sie Macht.<br />
Wir haben jetzt zweierlei herausgefunden im Hinblick auf die Methode wie wir unsere Frage, was das Subjekt ist, beantworten k&#246;nnen: 1) wir m&#252;ssen das Subjekt historisch untersuchen und 2) wir m&#252;ssen diese Untersuchung unter dem Begriff der Macht betreiben.</p>
<p><strong>b. Was bedeutet es das Subjekt historisch unter dem Begriff der Macht zu untersuchen?<br />
</strong><em><br />
Wie analysiert man historisch?</em><br />
Historisch zu analysieren bedeutet nicht normale Geschichtswissenschaft zu betreiben, etwa die Geschichte der Menschheit zu schreiben, denn dies setzt den Menschen als etwas Gegebenes und Bestimmtes voraus. Wir wollen eben herausfinden, „was der Mensch ist,“ statt diesen vorauszusetzen. Historisch bedeutet hier deshalb vielmehr das Subjekt selbst als ein historisches Ph&#228;nomen zu betrachten. Zu untersuchen sind somit die Entstehung und Transformationen des Subjekts. Aber eben diese Transformationen, die sich in den konkreten historischen Untersuchungen zeigen, verdeutlichen, dass das Subjekt kein einheitliches Subjekt ist, sondern dass ein B&#252;ndel von unterschiedlichen Subjekten vorhanden ist und wir deshalb auch keine einheitliche Geschichte des Subjekts schreiben k&#246;nnen, sondern von Entstehungen und Transformationen vieler Subjekte reden m&#252;ssen.</p>
<p><em>Wie analysiert man unter dem Begriff der Macht?</em><br />
Diese Entstehungen und Transformationen m&#252;ssen wir mit dem Begriff der Macht beschreiben. Diese Macht kann aber nicht als eine subjektive verstanden werden, da sie eben die Subjekte erst formt. Das hei&#223;t nicht, dass sie als Gegenstand zu verstehen ist, der sich in der Welt befindet und auf die Individuen wirkt, sondern wir hatten sie eben als ein Verh&#228;ltnis von Kr&#228;ften bestimmt und sie ist somit relational und nicht subjektiv, d.h. nicht einem Subjekt zuzuschreiben. Da Macht aber aus Kr&#228;fteverh&#228;ltnissen besteht und Kr&#228;fte gerichtet sind, k&#246;nnen wir sagen, dass sie intentional ist.</p>
<p>Wir wissen bis jetzt Folgendes &#252;ber Macht: Sie ist produktiv, relational, nicht subjektiv und sie ist intentional. Wie k&#246;nnen wir mit diesem Wissen eine Analyse der Macht vornehmen? Erstens k&#246;nnen wir sagen, dass es nicht darum geht die Macht <em>an sich</em> zu analysieren, denn diese gibt es insofern nicht, als dass Macht nur als Verh&#228;ltnis existiert. Wir m&#252;ssen also Machtverh&#228;ltnisse analysieren. Da unsere Aufgabe war das Subjekt unter dem Begriff der Macht zu analysieren, m&#252;ssen wir nun diesen Begriff der Machtverh&#228;ltnisse auf Subjekte beziehen. Wir m&#252;ssen also die Subjekte als in solchen Machtverh&#228;ltnissen stehend beschreiben. Dies ist ganz w&#246;rtlich zu verstehen. Das Subjekt <em>steht</em> in einem Machtverh&#228;ltnis. Das Machtverh&#228;ltnis ist der Raum in dem es sich bewegen kann und die Macht bestimmt die Grenzen dieses Raumes, d.h. seine Bewegungsm&#246;glichkeiten oder besser seine Handlungsm&#246;glichkeiten.</p>
<p><em>Wie werden diese Handlungsm&#246;glichkeiten bestimmt?</em><br />
Wir hatten oben gesagt, als der Begriff des Willens untersucht wurde, dass den Menschen etwas (Kr&#228;fte) durchstr&#246;mt, die Verschiedenes hervorbringen und dass diese Kr&#228;fte in einem Verh&#228;ltnis stehen, das wir Macht nennen. Wir d&#252;rfen also nicht denken, dass die Macht „au&#223;erhalb“ des Menschen zu finden ist. Wenn wir wissen wollen, wie die Macht Handlungsm&#246;glichkeiten eines Subjektes bestimmt, dann m&#252;ssen wir die Kraft des Subjekts anschauen, das auf andere Subjekte einwirkt. Da ein Subjekt nur durch Handeln auf andere Subjekte einwirken kann, k&#246;nnen wir sagen, dass Macht Handlung ist, die auf andere Handlung wirkt und den M&#246;glichkeitsraum dieser Handlung zu bestimmen versucht. Einen solchen Raum m&#246;glicher Handlung k&#246;nnen wir ein Handlungsfeld nennen.</p>
<p>Nun gibt es aber etliche M&#246;glichkeiten wie ein Handlungsfeld bestimmt werden kann. Diese M&#246;glichkeiten sind unterschiedliche Techniken Handlungsfelder von Subjekten zu definieren. Diese Techniken setzen Mechanismen in Gang, die in den Kr&#228;fteverh&#228;ltnissen wirken und die Handlungsfelder der Subjekte in diesen Verh&#228;ltnissen bestimmen.</p>
<p>Wir hatten gesagt, dass die Macht intentional ist, weil Kr&#228;fte gerichtet sind. Wenn wir mit einem Machtverh&#228;ltnis zu tun haben, ist dieses also intentional zu verstehen, d.h. es ist so eingerichtet, dass es bestimmte Intentionen erf&#252;llt. Wir k&#246;nnen uns diese Intentionen vielleicht folgenderma&#223;en vorstellen: Die Macht wirkt in einer bestimmten Weise. Diese Wirkungsweise ist eine Art Mechanismus, der bestimmte Effekte hat. Dieser Mechanismus wirkt <em>in</em> den Kr&#228;fteverh&#228;ltnissen, d.h. in dem sozialen Netzwerk von Menschen. Der Mechanismus der Macht ist also das Ergebnis der Zusammensetzung sozialer Verh&#228;ltnisse bzw. der Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse. Die Intentionen, die der Mechanismus realisiert, sind das Ergebnis eines bestimmten Kr&#228;fteverh&#228;ltnisses bzw. einer bestimmten sozialen Struktur. Man kann diese Intentionen insofern keinem Individuum zuschreiben sondern muss sie als einem Verh&#228;ltnis implizit ansehen. Wenn man also diese Intention bzw. Zielsetzung ver&#228;ndern will, hilft die „Entfernung“ eines bestimmten Individuums nicht, das bspw. diese Intention repr&#228;sentiert, da die Intention keinem Individuum entspringt; das Individuum ist vielmehr selbst Produkt dieser Intention. Nur die Ver&#228;nderung der sozialen Struktur, d.h. der Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse kann den Mechanismus und damit die Intention ver&#228;ndern. Wir haben insofern mit keiner Verschw&#246;rungstheorie zu tun, die die „b&#246;sen“ und „gef&#228;hrlichen“ Menschen auszeichnet, ein solcher Vorgang w&#228;re viel eher selbst eine Technik neue Machtmechanismen durchzusetzen. Die Macht ist in dieser Analyse gewisserma&#223;en konkreter zu verstehen und Foucault redet deshalb eher von gef&#228;hrlichen Mechanismen als von gef&#228;hrlichen Menschen.</p>
<p>F&#252;r die Analyse der Macht wissen wir jetzt Folgendes: In sozialen Verh&#228;ltnissen wirken bestimmte Mechanismen. Diese Mechanismen sind durch unterschiedliche Techniken eingef&#252;hrt, die die Handlungsfelder der Subjekte dieser Verh&#228;ltnisse durch die Mechanismen zu bestimmen versuchen. In diesen Mechanismen sind verschiedene Arten von Intentionen zu erkennen, die in den Mechanismen realisiert werden.</p>
<p>Diese Mechanismen erzeugen beispielsweise Systeme der Differenzierung, d.h. Systeme, die Unterschiede festsetzen, mithin Machtaus&#252;bung erm&#246;glichen. Diese Unterschiede, wie z.B. Statusunterschiede (in der &#214;ffentlichkeit oder in der Familie), &#246;konomische Unterschiede (Arbeitgeben und Arbeitnehmer), Unterschiede des Wissens (Lehrer und Sch&#252;ler, Psychiater und Patient), sind nicht von den konkreten Arbeitsgebern, Psychiatern etc. etabliert worden, sondern sind Teile eines bestimmten sozialen (relationalen) Machtmechanismus.</p>
<p>Des Weiteren wirken die Mechanismen der Macht durch Formen der Institutionalisierung, die ebenso wie die Differenzierungssysteme bestimmte Funktionen im Hinblick auf die Intention der Macht erf&#252;llen. Da diese Intentionen letztendlich in den sozialen Verh&#228;ltnissen begr&#252;ndet sind, ist eine Analyse der Institutionen der Gesellschaft nicht hinreichend um die Machtverh&#228;ltnisse zu erfasse. Man muss tiefer greifen und versuchen zu verstehen, warum diese Institutionen &#252;berhaupt entstanden sind und sich so geformt haben und nicht anders. Die Mechanismen, die f&#252;r die Entstehung und Formierung der Institutionen verantwortlich sind, liegen in der Organisation der sozialen Verh&#228;ltnisse, die aber nat&#252;rlich wiederum von Institutionen verst&#228;rkt und gesichert werden k&#246;nnen. In dieser Hinsicht, der Organisation der sozialen Verh&#228;ltnisse und der Verfestigung derselben, ist ebenso der Grad der Rationalisierung, d.h. der Grad der Effizienz mit der die Macht organisiert und durchgesetzt wird in der Analyse zu beachten.</p>
<p>Um die Ergebnisse dar&#252;ber wie die Macht zu analysieren ist noch einmal zusammenzufassen:</p>
<ol>
<li>Die Macht ist nicht als Macht an sich sondern als ein Machtverh&#228;ltnis zu analysieren.</li>
<li>Dieses Machverh&#228;ltnis muss als eine Wirkweise bzw. als ein Mechanismus analysiert werden, der das Handlungsfeld der betroffenen Subjekte bestimmt.</li>
<li>Bei der Analyse dieses Mechanismus sollten folgende Punkte untersucht werden:
<ol style="list-style-type: lower-alpha">
<li>Die Technik, mit der der Machtmechanismus implantiert wird.</li>
<li>Die Ziele (Intentionen), die er verfolgt.</li>
<li>Die Formen der Institutionalisierung, die in ihm funktionieren.</li>
<li>Die Systeme der Differenzierung, die in ihm funktionieren.</li>
<li>Der Grad der Rationalisierung und Effizienz, mit der der Machtmechanismus organisiert, sich erweitert und transformiert.</li>
</ol>
</li>
</ol>
<p>Die zu diesem Artikel geh&#246;rige <a href="http://www.endlosrekursion.de/218/foucaults-argument/">Einf&#252;hrung zu &#8220;Foucaults Argument&#8221;</a> oder die <a href="http://www.endlosrekursion.de/222/konklusion-zu-foucaults-argument/">Konklusion</a>  lesen &gt;&gt;</p>
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		<item>
		<title>Foucaults Argument</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Apr 2008 19:48:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Abc</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[ Einleitung und Fragestellung
Dieser Beitrag ist der erste Teil eines Artikels in drei Teilen.
In dieser kleinen Arbeit m&#246;chte ich mich mit der grundlegenden Frage, wie Foucault seinen Machtbegriff argumentativ einf&#252;hrt, besch&#228;ftigen. Um dies herauszufinden muss der Machtbegriff in zweierlei Hinsicht untersucht werden: Erstens hinsichtlich der Frage: Was bezeichnet er? Und zweitens hinsichtlich der Frage: Warum sollen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3> Einleitung und Fragestellung</h3>
<p>Dieser Beitrag ist der erste Teil eines Artikels in drei Teilen.</p>
<p>In dieser kleinen Arbeit m&#246;chte ich mich mit der grundlegenden Frage, wie Foucault seinen Machtbegriff argumentativ einf&#252;hrt, besch&#228;ftigen. Um dies herauszufinden muss der Machtbegriff in zweierlei Hinsicht untersucht werden: Erstens hinsichtlich der Frage: Was bezeichnet er? Und zweitens hinsichtlich der Frage: Warum sollen wir das Subjekt mit Hilfe eben dieses Begriffes beschreiben? Die Antwort auf diese Frage werde ich in einer systematisch-methodischen Rekonstruktion von Foucaults Argument f&#252;r seine Methode geben. Ich denke, Foucault hat grunds&#228;tzlich zwei wichtige Fragen gestellt. Er hat erstens gefragt was das Subjekt ist und zweitens wie man &#252;ber diese Frage reden kann oder muss. Die letzte Frage bezieht sich auf die Methode mit der eine Antwort auf die erste Frage gefunden werden kann. Foucaults Antwort auf die methodische Frage ist, sehr verk&#252;rzt, dass wir das Subjekt historisch unter dem Begriff der Macht untersuchen m&#252;ssen. Die Antwort auf die erste Frage nach dem Subjekt selbst ist entsprechend immer historisch und machtpraktisch bezogen. Da ich nach der Begr&#252;ndung des Machtbegriffes und seines Gebrauchs frage, werde ich mich mit der methodischen Frage besch&#228;ftigen und die konkrete historische und machtpraktische Antwort auf die Frage nach dem Subjekt nicht diskutieren. Mir geht es um Foucaults Argument f&#252;r die historische und machtpraktische Redeweise, wenn man sagen will, was das Subjekt ist.</p>
<p>In der deutschen Sekund&#228;rliteratur zu Foucault (die ich nur sehr begrenzt kenne) scheint mir dieser Begr&#252;ndungsteil ein wenig &#252;bersehen zu werden. Man redet viel dar&#252;ber <em>was</em> Foucault mit Macht meint, <em>wie</em> er die Transformationen des Subjekts beschreibt etc. Aber die Argumente f&#252;r seine Arbeit und Arbeitsweise, d.h. <em>warum</em> wir so arbeiten m&#252;ssen, werden nicht genannt. Vielleicht h&#228;ngt es damit zusammen, dass Foucault selbst zum Teil die Begr&#252;ndung seiner Methode im Dunkeln l&#228;sst oder eher dunkel dar&#252;ber redet. Oder es liegt daran, dass man Angst vor der klassischen deutschen „Grundlegung“ hat, ein Wort das Foucault wahrscheinlich nicht gefallen h&#228;tte. Ich denke jedoch, dass eben eine solche „Grundlegung“ notwendig ist, um zu verstehen was Foucault eigentlich macht. Um seine Untersuchungen und Darstellungen zu begreifen gen&#252;gt es nicht lediglich ihre Bedeutung erfasst zu haben, sondern auch die Argumente f&#252;r dieselben muss man verstehen. Was hilft es zu wissen, dass Aristoteles meint, Einzeldinge bestehen aus Stoff und Form, wenn man seine Argumente f&#252;r diese Beschreibung nicht kennt? Begriffe sind nicht nur Worte, sondern Konzepte mit denen etwas <em>begriffen</em> bzw. verstanden werden soll. Deshalb ist die Bedeutung eines Begriffs nicht lediglich mit der w&#246;rtlichen Bedeutung bzw. dem Gebrauch des Begriffs erkl&#228;rt, sondern die Argumente, mit denen der Begriff eingef&#252;hrt wird, m&#252;ssen verstanden werden um den Gebrauch des Begriffs, d.h. die begriffliche Praxis, die „Wissenschaft“, zu verstehen. Foucaults begriffliche Praxis, d.h. seine wissenschaftliche Arbeit, muss deswegen in seinen Bedingungen und Argumenten dargelegt werden, damit eine Reflexion auf diese Praxis m&#246;glich wird – eine Reflexion, die wiederum eine Beurteilung dieser Praxis erm&#246;glicht.</p>
<p>Weiterlesen mit der <a href="http://www.endlosrekursion.de/221/rekonstruktion-von-foucaults-argument/">Rekonstruktion von Foucaults Argument</a> &gt;&gt;</p>
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		<title>Descartes Woche &#8211; Schlusswort</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Jan 2008 17:41:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wowik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Schlussworte zur philosophischen Hausarbeit "Der methodische Zweifel bei Descartes und seine &#220;berwindung, Meditationen &#252;ber die Grundlagen der Philosophie, Meditation 1 &#038; 2"]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.endlosrekursion.de/119/descartes-woche/"><img src="http://www.endlosrekursion.de/wp-content/uploads/2008/01/descartes-woche.jpg"  title="descartes-woche.jpg" alt="descartes-woche.jpg" align="left" / rel="lightbox[roadtrip]"></a>Zusammenfassend kann nun hier am Ende der Arbeit gesagt werden, dass der methodische Zweifel Descartes’ nicht zu dem Ziel f&#252;hren konnte, zu dem er eigentlich f&#252;hren sollte. Descartes hat versucht durch das konsequente Bezweifeln aller Dinge, die nicht v&#246;llig gewiss sind, auf eine Gewissheit zu sto&#223;en.</p>
<p>Allerdings ist zu sagen, das ist im Grunde die Quintessenz, die aus den vorherigen Kapiteln zu entnehmen sein sollte, dass Descartes das Denken, die Rationalit&#228;t, stark &#252;berbewertet. Dadurch werden falsche Verbindungen gekn&#252;pft: Die Gewissheit, die Descartes sucht, die ihm sein methodischer Zweifel zeigen soll, kann tats&#228;chlich niemals mehr sein als ein erstes Wissen, ein Wissen, das aus sich selbst gewusst werden kann und nicht durch ein anderes, vorhergehendes Wissen belegt wird.</p>
<p>Wie bereits gesagt, schlie&#223;t Wissen immer die M&#246;glichkeit an diesem Wissen zu zweifeln mit ein. Es besteht eine Beziehung zwischen Zweifeln und Wissen, aber keine Beziehung zwischen Gewissheit und Wissen oder gar zwischen Gewissheit und Zweifel. Vielmehr besteht eine Beziehung zwischen Gewissheit und Glauben. Der Glauben spielt bei Descartes im Grunde keine Rolle um zur Gewissheit zu gelangen. Zwar wird in den „Meditationen &#252;ber die Grundlagen der Philosophie“ auch Gott erw&#228;hnt, aber mehr in einem unreligi&#246;sen Sinn, mehr als Gedankenspiel. Diese  Verkennung des Glaubens als Br&#252;cke, als T&#252;r und Tor zur Gewissheit, resultiert aus dieser &#220;berbewertung der Rationalit&#228;t.</p>
<p>Im elften und zw&#246;lften Kapitel der zweiten Meditation wird diese &#220;berbewertung deutlich. Am Beispiel des Wachses, welches im festen Zustand bestimmte, durch die Sinne wahrnehmbare Eigenschaften hat, bei Erw&#228;rmung, im fl&#252;ssigen Zustand jedoch ganz andere durch die Sinne wahrnehmbare Eigenschaften hat (Geruch, Geschmack usw.).<br />
Descartes behauptet, dass das Wachs, obwohl es sich verwandelt hat, vom festen Zustand in den fl&#252;ssigen und somit auch alle von den Sinnen wahrnehmbaren Eigenschaften sich ver&#228;ndert haben, trotzdem noch Wachs ist.</p>
<p>Deshalb kann sich die Erkenntnis, dass dieses Wachs immer noch Wachs ist, nicht durch die sinnlich wahrnehmbaren Eigenschaften mitteilen. Das Wachs muss also mehr sein als dessen Geruch, dessen Form, dessen Geschmack usw.</p>
<p>Descartes versucht, das Wachs soweit wie m&#246;glich auf sein eigentliches Wesen zu reduzieren und letztlich bleibt vom Wachs nur noch &#252;brig, dass es etwas Ausgedehntes, etwas Biegsames und etwas Ver&#228;nderliches ist, „…, entfernen wir alles, was nicht dem Wachse zugeh&#246;rt, und sehen wir zu was &#252;brig bleibt! Nun – nichts anderes als etwas Ausgedehntes, Biegsames und Ver&#228;nderliches.“ (Med. II, 12)</p>
<p>Die Biegsamkeit ist eine Form der Ver&#228;nderung und kann daher au&#223;er Acht gelassen werden. Was die Ausdehnung und Ver&#228;nderlichkeit betrifft, meint Descartes, dass diese aufgrund ihrer fast unendlichen Vielfalt nicht bildlich vorstellbar w&#228;re, sondern nur denkend begriffen werden k&#246;nne.</p>
<p>„Was aber ist dieses Wachs, das sich nur denkend begreifen l&#228;sst? Nun, dasselbe, das ich sehe, das ich betaste, das ich mir bildlich vorstelle, kurz, dasselbe was ich von Anfang an gemeint habe; aber – wohlgemerkt – seine Erkenntnis ist nicht Sehen, nicht Ber&#252;hren, nicht Einbilden und ist es auch nie gewesen, wenngleich es fr&#252;her so schien, sondern sie ist eine Einsicht einzig und allein des Verstandes.“ (Med. II, 12)</p>
<p>Das Ergebnis Descartes’, bei dem Wachsproblem, ist beispielhaft f&#252;r seine &#220;bersch&#228;tzung des Denkens. Dass Wachs Wachs ist und auch Wachs bleibt, egal wie sich nun die Gestalt, die Form, der Geruch usw. ver&#228;ndern, kann keine Einsicht allein des Verstandes sein. Die Schwierigkeit, dass die Ver&#228;nderungen und Ausdehnungen aufgrund ihrer Mannigfaltigkeit nicht bildlich vorgestellt werden k&#246;nnen, ist eigentlich keine Schwierigkeit, „Und was ist das Ausgedehnte? Ist etwa auch seine Ausdehnung mir unbekannt? Denn im schmelzenden Wachs wird sie gr&#246;&#223;er,…“ (Med. II, 12)</p>
<p>Ich erfasse etwas mit meinen Sinnen, einen bestimmten Geruch, einen bestimmten Geschmack usw. und ich nenne es Wachs. Dadurch, dass ich es erhitze wird es fl&#252;ssig, alle Wahrnehmungen, die ich einst vom Wachs hatte, &#228;ndern sich. Ich frage also die Sinne: Ist diese Fl&#252;ssigkeit Wachs? Und sie antworten: Nein</p>
<p>Der Verstand widerspricht und sagt: Diese Fl&#252;ssigkeit ist Wachs, so wie es zuvor Wachs war, nichts verschwindet einfach, nichts l&#246;st sich zu Luft (besser gesagt zu Nichts) auf.<br />
Also ist diese Fl&#252;ssigkeit Wachs.</p>
<p>Und wenn es nun gasf&#246;rmig wird? Dann werden mir wieder die Sinne sagen, dass es kein Wachs sei und der Verstand wird widersprechen und behaupten es sei immer noch Wachs. Trotzdem kann nicht der Verstand alleine zu dieser Erkenntnis kommen, er braucht die Sinne, er braucht die Wahrnehmung der Sinne. Dabei ist es unwichtig, wie sich das Wachs ver&#228;ndert hat, ob es sich durch Hitze ausdehnt oder nicht, sondern wichtig ist, dass es sich ausdehnt, dass es sich ver&#228;ndert. Der Beitrag der Sinne zur Erkenntnis des Wachses ist nicht die Beschaffenheit der Ver&#228;nderung, sondern die Ver&#228;nderung selbst. Descartes’ Formulierung, dass sich das Wachs nur durch den Verstand „begreifen“ lie&#223;e, macht den Fehler geradezu offensichtlich. Begreifen ist Sache des Verstandes, aber um zu begreifen muss ich greifen, ergreifen und das ist Sache der Sinne.</p>
<p>Der Verstand sagt nur: Die Wahrnehmung der Sinne von der Materie hat sich ver&#228;ndert, weil sich die Beschaffenheit der Materie ver&#228;ndert hat, jedoch kann dadurch nicht die Erkenntnis der Materie allein dem Verstand zugeschrieben werden, denn damit dieser einen solchen Satz &#252;berhaupt formulieren kann, braucht er die Sinne, die eine Ver&#228;nderung wahrnehmen.</p>
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		<title>Descartes &#8211; Gewissheit, die &#220;berwindung von Zweifel und Wissen</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Jan 2008 22:11:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wowik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Vorletztes Kapitel der Hausarbeit "Der methodische Zweifel bei Descartes und seine &#220;berwindung, Meditationen &#252;ber die Grundlagen der Philosophie, Meditation 1 &#038; 2"]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="center">&nbsp;</p>
<h3> Die Untrennbarkeit von Zweifel und Wissen</h3>
<p><a href="http://www.endlosrekursion.de/119/descartes-woche/"><img src="http://www.endlosrekursion.de/wp-content/uploads/2008/01/descartes-woche.jpg"  title="descartes-woche.jpg" alt="descartes-woche.jpg" align="left" / rel="lightbox[roadtrip]"></a>Descartes Rechnung alles zu bezweifeln um so zu einem festen Untergrund, zu einer Gewissheit wie er es nennt, zu gelangen, kann nicht aufgehen. Warum? Weil er von falschen Voraussetzungen ausgeht.  Ist es &#252;berhaupt ratsam in Wissenschaften nach Gewissheiten zu suchen? Verr&#228;t nicht schon der Name Wissenschaft, was einen darin erwartet?</p>
<p>Wissen. Grundlage einer Wissenschaft kann demnach auch nur Wissen sein. Aus Gewissheit entsteht kein Wissen und aus Wissen keine Gewissheit. Man k&#246;nnte fast sagen, beide verhielten sich entgegengesetzt. W&#228;hrend Gewissheit unbezweifelbar ist und sie keinen Platz mehr f&#252;r M&#246;glichkeiten l&#228;sst, h&#228;lt Wissen die T&#252;r stets einen Spalt f&#252;r den Zweifel offen. Wissen bedeutet zu glauben, dass etwas so oder so ist, aber zugleich kann nicht ausgeschlossen werden, dass es auch anders m&#246;glich w&#228;re. W&#228;hrend Wissen das Benzin ist, welches den Zweifel brennen und lodern l&#228;sst, ist Gewissheit der erloschene, der erstickte, &#252;berwundene Zweifel.</p>
<p>Das, worin sich Wissen verwirklicht, ist Wissenschaft; das, womit es sich verwirklicht ist der Zweifel. Das, worin Gewissheit sich verwirklicht ist Religion; das, womit sie sich verwirklicht ist Glauben.</p>
<p>Glauben und Zweifel sind somit gegens&#228;tzlich. Zweifel wirkt destruktiv, zweifeln hei&#223;t nein sagen, negieren, verneinen, solange bis etwas gefunden wird, etwas das Wissen hei&#223;t und in sich die M&#246;glichkeit zur Fortsetzung des Zweifels birgt. Solange es Wissen gibt, muss es den Zweifel daran geben. Nun k&#246;nnte man einwerfen, dass der Zweifel bei Descartes kein Selbstzweck ist, er zweifelt nicht aus Zerst&#246;rungswut, sondern um gesichertes Wissen, d.h. unbezweifelbares Wissen f&#252;r die Wissenschaften zu finden und w&#252;rde demnach aufh&#246;ren zu zweifeln sobald er dieses gefunden h&#228;tte.</p>
<p>Dies jedoch ist mein Kritikpunkt. Wissen, das unbezweifelbar w&#228;re, ist unm&#246;glich. Etwas Unbezweifelbares ist gewiss und nicht gewusst.</p>
<p>Niemals k&#246;nnte Descartes dem Strudel von Wissen und dem Zweifel an diesem Wissen entrinnen. Er k&#246;nnte nicht einfach aufh&#246;ren zu zweifeln, solange er etwas wei&#223;, muss er notwendig daran zweifeln. Erst wenn er an das, was er wei&#223;, glaubt, kann ihm die &#220;berwindung des Zweifels und somit auch des Wissens, gelingen (siehe Kapitel IIIc).<br />
Der Glaube wirkt konstruktiv, glauben hei&#223;t ja sagen, hei&#223;t sch&#246;pfen und schaffen. Glaube ist erbaulich, in seinen M&#246;glichkeiten unendlich und diese Unendlichkeit stets mit Gewissheit ausf&#252;llend.</p>
<p>Ich m&#246;chte eine M&#246;glichkeit zur Erreichung von Gewissheit zeigen die mir viel versprechender scheint als der Versuch Descartes’.</p>
<h3>Die au&#223;erreligi&#246;se Gewissheit, das Ich</h3>
<p>Im letzten Kapitel des ersten Teils habe ich die Behauptung Descartes` nachvollzogen, dass die Existenz Voraussetzung f&#252;r das Denken ist und bin selbst zu dem Schluss gekommen, dass diese Behauptung richtig ist. Was jedoch eine andere Behauptung betrifft, n&#228;mlich, dass es keine Existenz ohne Denken g&#228;be, dass man aufh&#246;rte zu existieren, sobald man aufh&#246;rte zu denken, habe ich versucht zu widerlegen. Zwar ist das Denken untrennbar von der Existenz, nicht jedoch die Existenz untrennbar vom Denken.</p>
<p>Diese Frage, was die Existenz n&#246;tig hat, wie die Existenz meiner selbst, meines Ichs, mir zur Gewissheit werden kann, will ich nun versuchen zu beantworten. Dass ich sie nicht durch Denken beweisen kann, weil ich das Denken nicht beweisen kann ohne die  Existenz bereits bewiesen zu haben, beziehungsweise das Denken nicht durch sich selbst beweisbar ist, wurde im vorigen Kapitel  er&#246;rtert.</p>
<p>Wodurch l&#228;sst sich aber sonst meine Existenz beweisen? Durch Selbstbewusstsein? Selbstbewusstsein w&#228;re wohl wieder etwas, wozu man das Denken ben&#246;tigte. Selbstbewusstsein als eine Abstraktion von sich selbst, ein ins Bewusstsein rufen des Selbst, ein Klar werden &#252;ber sich, eben ein Denken, ein Denken &#252;ber, letztlich ein &#220;berdenken.<br />
Es muss einfacher sein. Ich denke, ich zweifle, ist immer Ich + irgendetwas, es ist immer Selbstbewusstsein. Um zu sagen „ich denke“ muss ich bereits gedacht haben, wenn ich nun also das Denken abziehe, was bleibt?  Das Ich.</p>
<p>Folgert man nun daraus: Ich bin ich, begeht man einen Fehler, denn Ich bin ich ist schon eine Abstraktion von mir. Das Ich au&#223;er mir ist hinzugedacht und kann, weil das Denken nicht gewiss ist, nicht gewiss sein. Ich, Ich allein ist die richtige Antwort auf die Frage der eigenen Existenz und der Gewissheit dieser. Ich habe das Denken, das Bewusstwerden vom Selbstbewusstsein abgezogen, &#252;brig bleibt – Selbstsein.</p>
<p>Es ist v&#246;llig unm&#246;glich, die eigene Existenz anzuzweifeln oder gar zu leugnen. Das Ich steht vor dem Zweifel, au&#223;erhalb des Zweifels, mehr noch, es steht au&#223;erhalb jeden Denkens. Das Ich ist eine Plattform des Denkens (bzw. Zweifeln als Form des Denkens), ein Spielfeld des Verstandes.</p>
<p>Ich kann nicht aufh&#246;ren ich zu sein.</p>
<p>Angenommen man k&#246;nnte an sich selbst zweifeln, in Frage stellen, dass ich ich bin, dass ich bin, sich vorstellen dass ich nichts bin, (Es ist offensichtlich, sogar wenn „Ich nichts bin“, bin ich doch etwas, bin zumindest ich. Das Ich ist nicht wegzubekommen.) ben&#246;tigte man dazu ein zweites Ich. Das in Frage stellen, Anzweifeln usw. sind Formen des Denkens. Im vorigen Kapitel stellte ich die These auf: Ich bin im Denken. Hierbei ist nun die Unterscheidung zwischen Denken und &#220;berdenken von h&#246;chster Bedeutung. Denn um im Denken zu sein, darf das Sein sich nicht denken, sondern es muss sich &#252;berdenken. Das Sein &#252;berdenkt, das Denken denkt und kann selbst nicht gedacht sondern nur &#252;berdacht werden und wenn es &#252;berdacht wird, erkenne ich es selbst als &#220;berdenken, denn das aktive, denkende Denken hat es sich zum Gedanken gemacht. Ich kann mich nicht denken, kann nur &#252;ber mich denken, &#252;ber mein Ich denken, ich bin mein Gedanke, das Denken meines Denkens und &#220;berdenken meines Seins, meiner Existenz. &#220;ber etwas zu denken hei&#223;t aber diesem Gedachten als Objekt des Gedankens gewiss zu sein. Wenn ich dieses Objekt denke, dann ist es mir eine Gewissheit, dass dies das Objekt meines Denkens, mein Gedanke und somit v&#246;llig unbezweifelbar ist. Da nun aber dieses Ich als Objekt des Denkens dasselbe w&#228;re wie das Ich, welches ich mit diesem Gedanken versuche anzuzweifeln, ergibt sich ein Problem, dass sich nur l&#246;sen lie&#223;e durch ein zweites Ich, welches das erste Ich denkt. Nur so lie&#223;e sich an einem Ich zweifeln. Damit keine Missverst&#228;ndnisse auftreten: Nicht das Objekt des Denkens als Objekt an sich ist gewiss, nicht das was ich &#252;berdenke ist gewiss in dem Sinne, dass es so und so beschaffen ist, sondern lediglich, dass das Denken das Objekt denkt. Nur das es von mir &#252;berdacht wird, das mein Gedanke ist, ist gewiss. Daraus ergibt sich schlie&#223;lich der Widerspruch. Ich kann mein Ich nicht anzweifeln und zugleich desselben Ichs als mein Gedanke gewiss sein, wenn ich es denke.  Das Michdenken des Denkens, ist mein Denken &#252;ber mich.</p>
<p>Wenn ich mich denke, bin ich was ich denke zu sein. Wenn ich nicht denke, sondern nur bin (die M&#246;glichkeit des Denkens ist immer mit eingeschlossen), dann bin ich was ich bin, dann bin ich – ich.</p>
<p>Somit w&#228;re bewiesen, dass Ich mir meiner Existenz, meines Ichs gewiss sein kann, weil es au&#223;erhalb der M&#246;glichkeit eines Zweifels, zu dessen Durchf&#252;hrung man ein zweites Ich br&#228;uchte, liegt. Ich bin, wenn ich &#252;ber mich denke, weil mein Denken mich nicht nicht denken kann.</p>
<h3>Glauben, die &#220;berwindung des Wissens</h3>
<p>„Jesus aber reckte alsbald die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: O, du Kleingl&#228;ubiger, warum zweifelst du?“ (Mtth. 14,31)<br />
Das Ich hat sich also als Ausgangspunkt erwiesen, als erste Gewissheit, wenn man so will, jedoch eine etwas andere Art von Gewissheit als die nach der hier eigentlich gesucht wurde. Das Ich ist eine Gewissheit, im Sinne einer v&#246;lligen Unbezweifelbarkeit. Allerdings keine die gewachsen ist, kein &#252;berwundener Zweifel, sondern Gewissheit a priori. Das Ich ist Gesetz, es ist existent, weil eine Nichtexistenz des Ichs nicht vorstellbar w&#228;re, ja sogar undenkbar w&#228;re.<br />
Doch nun gilt es zu kl&#228;ren, wie Gewissheit a posteriori m&#246;glich ist. Wie kann ich mir einer Sache gewiss werden, die nicht meine Existenz ist, die zuvor noch ungewiss und bezweifelbar war?</p>
<p>Durch Wissen ist es ganz und gar unm&#246;glich zu einer Gewissheit zu finden; Wissen kann nur sich selbst reproduzieren, Wissen schafft wieder nur Wissen, jedoch keine Gewissheit. Wenn etwas gewusst wird, bedeutet das, dass etwas auf eine bestimmte Art beschaffen ist, allerdings l&#228;sst das Wissen Platz, es bestimmt zwar wie etwas ist, aber es kann nicht ausschlie&#223;en, dass es auch anders sein k&#246;nnte. Ich kann zwar wissen wie etwas ist, aber ich kann nicht wissen wie etwas sein k&#246;nnte.</p>
<p>Gewissheit ist aber eben dies: Zu wissen was ist und zu wissen was dieses Seiende noch sein k&#246;nnte, denn unbezweifelbar ist nur etwas, dass nicht nur so ist wie es ist, sondern auch nicht anders sein kann als es ist. Wissen sagt mir also, dass dieses Ding so ist wie es ist und Gewissheit sagt mir, dass dieses Ding nicht anders sein kann als es ist.</p>
<p>Wie nun kann aber ausgeschlossen werden, dass etwas nur so sein kann wie es ist? Allein durch den Glauben, dass es so ist und nicht anders sein kann. Glauben ist hier nicht mit Vermuten oder mit Unwissen zu verwechseln, sondern als &#220;berzeugung der &#220;berzeugung, als ein Glaube religi&#246;ser Art.</p>
<p>Die Sonne ist blau! Warum? Man kann davon &#252;berzeugt sein und doch bleibt ein nagender Zweifel. Eine Stimme sagt die Sonne ist blau, doch die Sinne, der Verstand, die Vernunft widerstreben und weigern sich, das scheinbar Unm&#246;gliche zu glauben. &#220;berzeugung allein hilft nicht mehr, ich muss diese &#220;berzeugung noch von sich selbst &#252;berzeugen, ich muss die Augen lehren: Ihr seht die blaue Sonne. Ich muss dem Verstand, der Erfahrung einbl&#228;uen: Niemals saht ihr eine Andere, die Sonne war immer schon blau. Zu guter Letzt darf man nun vor der Vernunft triumphieren und sagen: Die Augen sehen eine blaue Sonne, die Erfahrung kannte nie eine andere als eben die Blaue, nun willst du sie nicht als blau begreifen? Letztlich ist auch die Vernunft davon &#252;berzeugt, nun glaube ich, nun glaubt alles, die Sonne ist blau. Was ist nun Gewissheit? Das Blau der Sonne.</p>
<p>Etwas fehlt, ich habe die Augen davon &#252;berzeugt, sie s&#228;hen eine blaue Sonne, der Erfahrung weisgemacht, es w&#228;re nie eine andere Farbe an der Sonne wahrgenommen worden. Die Vernunft kann sich nicht helfen und schlie&#223;t daraus: Die Sonne ist blau und war immer blau. Doch mit alledem ist nicht gesagt, dass es nicht anders sein k&#246;nnte, sie war blau, sie ist blau, doch wird sie immer blau sein?</p>
<p>Ist ihr Blau vielleicht doch keine Gewissheit?</p>
<p>Die Antwort lautet: Solange ich an das Blau der Sonne glaube, solange auch wird die Sonne immer nur blau sein k&#246;nnen, das Blau der Sonne ist somit Gewissheit.</p>
<p>Was aber, wenn ich aufh&#246;rte an ihr Blau zu glauben, wenn ich eines Tages glaube sie sei gr&#252;n? Hat sich dann diese Gewissheit als bezweifelbar erwiesen, als keine echte Gewissheit? Wenn ich anfange zu glauben sie sei gr&#252;n, dann werde ich notwendigerweise meine Erfahrung davon &#252;berzeugen m&#252;ssen, dass sie immer schon gr&#252;n war, dass meine Augen sie nie anders wahrnahmen als gr&#252;n. Das Blaue hat es nie gegeben, den Glauben daran hat es auch nie gegeben und somit auch keine Gewissheit &#252;ber das Blaue. Man k&#246;nnte einwenden, diese Methode sei nur ein Selbstbetrug, eine L&#252;ge wider sich selbst, genau das aber ist sie nicht, denn um etwas als L&#252;ge zu enttarnen, m&#252;sste man einen Beweis f&#252;r eine Wahrheit erbringen von der dann jene L&#252;ge abweicht. Wer aber, au&#223;er man selbst, k&#246;nnte beweisen, dass man einst daran glaubte, die Sonne sei blau oder dass man sie als nicht blau wahrgenommen h&#228;tte? Niemand. Und selbst k&#246;nnte man diesen Beweis nicht erbringen, denn wenn man glaubt, dass etwas so und nicht anders war, dann war es eben so und nicht anders. Wenn ich glaube, die Sonne als gr&#252;n wahrzunehmen, dann nehme ich sie tats&#228;chlich als gr&#252;n wahr. Wer wollte das widerlegen.</p>
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		<item>
		<title>Dscartes &#8211; Cogito, ergo sum, das Denken als Beweis der Ich-Existenz</title>
		<link>http://www.endlosrekursion.de/125/dscartes-cogito-ergo-sum-das-denken-als-beweis-der-ich-existenz/</link>
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		<pubDate>Thu, 24 Jan 2008 18:24:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wowik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Viertes Kapitel der philosophischen Hausarbeit "Der methodische Zweifel bei Descartes und seine &#220;berwindung, Meditationen &#252;ber die Grundlagen der Philosophie, Meditation 1 &#038; 2"]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.endlosrekursion.de/119/descartes-woche/"><img src="http://www.endlosrekursion.de/wp-content/uploads/2008/01/descartes-woche.jpg"  title="descartes-woche.jpg" alt="descartes-woche.jpg" align="left" / rel="lightbox[roadtrip]"></a>Descartes legt alles was den geringsten Zweifel zul&#228;sst, als falsch beiseite,  um so zu einer Gewissheit vorzudringen: „Ich setzte also voraus, dass alles, was ich sehe, falsch ist,…“ (Med. II, 2).  Descartes kommt zu dem Schluss, dass selbst wenn er sich vorstellte es g&#228;be keinen Himmel, keine Erde, keine denkenden Wesen, er selbst, das Ich, das sich dies vorstellt, vorhanden sein muss. Selbst wenn ein allm&#228;chtiger und verschlagener Betr&#252;ger Descartes stets t&#228;uscht, bleibt derjenige &#252;brig der get&#228;uscht wird, n&#228;mlich Descartes. Die T&#228;uschung setzt voraus, dass es einen T&#228;uschenden gibt und einen Get&#228;uschten. „Er t&#228;usche mich, soviel er kann, niemals wird er doch fertig bringen, dass ich nichts bin, solange ich denke, dass ich etwas sei.“ (Med. II, 3)<br />
In diesem Satz wird nun erstmalig ein Zusammenhang zwischen Denken und Existenz erw&#228;hnt, solange man denkt etwas zu sein, ist man etwas.<br />
Diese Erkenntnis wird in Form des markanten und  ber&#252;hmten Satzes „Ich denke also bin ich“ von Descartes im „Bericht &#252;ber  die Methode“ ausformuliert, nicht in den Meditationen. Die Erkenntnis selbst, also das Denken als Beweis f&#252;r die eigene Existenz, ist jedoch dort die gleiche wie hier in den Meditationen, nur anders formuliert.<br />
Der von Descartes beantworteten Frage der eigenen Existenz schlie&#223;t sich nun eine weitere Frage an, die der Beschaffenheit eben jener Existenz. Da Descartes denkt, ist es eine Notwendigkeit, dass er ist. Jedoch muss des Weiteren gekl&#228;rt werden, was er ist, wie er als existierendes Wesen, als seiender Mensch beschaffen ist.<br />
Descartes legt sein Hauptaugenmerk auf das Denken, auf das, was sich dem Denken darbietet, auf das Gedachte. Das, was sich dem Denken darbietet, das Gedachte, sind, nach Descartes, alle Dinge die sich zum K&#246;rper zusammensetzen, die den K&#246;rper als K&#246;rper ausmachen, wie beispielsweise Arme, Gesicht, H&#228;nde usw. (mit K&#246;rper ist hierbei der menschliche K&#246;rper gemeint). F&#228;higkeiten und Eigenschaften wie Gehen, Ern&#228;hren, Empfinden und Denken werden der Seele zugeordnet. Eine pr&#228;zise Definition der Seele, ein Aufzeigen deren Merkmale erfolgt nicht, vielmehr stellt Descartes sich darunter etwas Feines, einen Wind, ein Feuer oder &#228;hnliches, das den K&#246;rper erf&#252;llt, vor. (vgl. Med. II, 4)<br />
Dem K&#246;rper werden dagegen bestimmte Merkmale und Eigenschaften zugewiesen: „Unter K&#246;rper verstehe ich alles, was durch irgendeine Figur begrenzt, was &#246;rtlich umschrieben werden kann und einen Raum so erf&#252;llt, dass es aus ihm jeden anderen K&#246;rper ausschlie&#223;t….“ (Med. II, 5). Ferner sind Eigenschaften des K&#246;rpers das, was durch die Sinne wahrnehmbar ist und das bewegt werden kann.<br />
Descartes stellt fest, dass die Eigenschaften der Seele vom K&#246;rper abh&#228;ngig sind und ohne diesen nicht existieren k&#246;nnen, d.h. ohne Mund ist die Ern&#228;hrung nicht m&#246;glich, ohne Sinne kann nichts empfunden werden und ohne Glieder ist das Gehen und Greifen usw. unm&#246;glich. Eine Ausnahme bildet allein das Denken: „das Denken ist`s, es allein kann von mir nicht getrennt werden.“(Med. II, 6)<br />
Dies ist also die Antwort Descartes auf die Frage, wie das existierende Ich beschaffen ist: Es ist  ein denkendes Ich, der Mensch ist ein denkendes Wesen. Unter Denken versteht Descartes die F&#228;higkeit  zu zweifeln, einzusehen, zu bejahen, zu verneinen, zu wollen usw.<br />
Wie mir scheint, stellt Descartes das Denken vor die Existenz. Die Annahme, dass die Existenz eine Folge des Denkens und nicht das Denken eine Folge der Existenz  ist, geht in der zweiten Meditation aus den folgenden S&#228;tzen hervor: „Ich bin, ich existiere, das ist gewiss. Wie lange aber? Nun, solange ich denke.“ (Med. II, 6)<br />
Demnach h&#246;rt man also auf zu existieren, sobald man aufh&#246;rt zu denken. Es muss ber&#252;cksichtigt werden, dass Descartes in einem Satz zuvor erw&#228;hnt, dass das Denken nicht von ihm, von seiner Existenz, trennbar sei. Durch diese Untrennbarkeit voneinander, ist es nicht so, dass das Eine eine Folge des Anderen w&#228;re oder umgekehrt, sondern beides, Denken und Existenz bedingen sich gegenseitig, man kann nicht existieren ohne zu denken (zumindest was die menschliche Existenz betrifft) und nicht denken ohne zu existieren.<br />
Hier offenbart sich ein Problem: Das Denken derartig an die Existenz und umgekehrt zu binden, f&#252;hrt dazu, dass ich um meiner Existenz gewiss zu sein, um also mir selbst gewiss zu sein, meinem Denken gewiss sein muss, vorausgesetzt meine Existenz vermittelt sich nur &#252;ber mein Denken, wie es ja aus dem ber&#252;hmten Satz „Ich denke also bin ich“ zu entnehmen ist. Nun ist Denken aber immer ein Denken von etwas oder ein Denken &#252;ber etwas, ein &#220;berdenken. Wenn ich, zum Beispiel ein technisches Problem &#252;berdenke, ich Vor- und Nachteile von L&#246;sungsm&#246;glichkeiten abw&#228;ge usw., dann denkt das Denken immer das Problem und nicht sich selbst. Das Denken denkt, ich &#252;berdenke durch das Denken. Jetzt k&#246;nnte man sagen, dass das Problem gewiss ist, weil es &#252;berdacht, weil es gedacht wurde. Dies ist aber nur zul&#228;ssig, wenn ich mir meines Denkens gewiss bin. Ebenso die Existenz: Ich denke also bin ich, ich bin also denke ich, ohne zu denken kann ich nicht existieren, denn ich w&#252;rde, so Descartes, aufh&#246;ren zu existieren, sobald ich aufh&#246;rte zu denken. Ich muss mir also meines Denkens gewiss sein, um mir meiner Existenz gewiss zu sein. Wenn ich mir meiner Existenz gewiss bin folgt daraus notwendig, dass ich existiere, dass ich bin. Wie aber kann ich mir meines Denkens gewiss sein? Das Denken blickt stets auf das, was es denkt, w&#228;hrend ich &#252;ber etwas denke, w&#228;hrend ich &#252;berdenke, denkt das Denken nicht sich selbst zugleich. Wie also wei&#223; ich wenn ich denke, dass ich denke? Ich m&#252;sste um irgendeine Erkenntnis, um einen Beweis f&#252;r die Existenz meines Denkens zu erlangen, das Denken denken.<br />
Doch wenn ich nun &#252;ber das denke, was ich &#252;ber ein bestimmtes Problem gedacht habe, bedeutet das nicht, dass ich &#252;ber das Denken gedacht habe, sondern ich habe &#252;ber das &#220;berdenken gedacht. Es kann wiederum weiter gedacht werden, man wird so zu einem Denken des &#220;berdenkens des &#220;berdenkens gelangen, aber nicht zum Denken selbst. Das Problem des Denkens ist, dass es sich nicht selbst denken kann. Ich kann mir dem Gedachten gewiss sein, aber nicht dem Denken. Das Denken ist unmittelbar und unreflektiert, es reflektiert &#252;ber sein Objekt und nicht &#252;ber sich, der Gedanke ist das durch das Denken reflektierte Objekt. Um das Denken zu reflektieren, muss ich es denken, damit entlarve ich es zugleich als ein blo&#223;es &#220;berdenken seines Objektes, ein von dem darin gedachten Objekt untrennbaren &#220;berdenken. Sooft ich auch versuche, das Denken zu erfassen, indem ich es &#252;berdenke, erkenne ich es nun als ein reflektiertes Denken, als ein &#220;berdenken, das auf seinen Gedanken verweist. Jeder Versuch, mir dem Denken als denken durch das Denken gewiss zu werden, f&#252;hrt mich in einen infiniten Regress.<br />
Ich denke &#252;ber etwas, ich versuche das Denken im Denken zu denken, ich versuche das Gedachte zu denken. Schon in dem Moment, in dem ich es geschafft habe zu reflektieren, in dem Moment, in dem das Gedachte zum &#220;berdachten, zum &#220;bergedachten wird, liegt das Denken, das an das Denken Gedenkende, das an das &#220;berdenken Denkende hinter mir, ohne einen weiteren Denk- und Reflektionszyklus bleibt es unerreichbar.<br />
„Ich denke also bin ich“, wichtig ist auf die gro&#223;e Differenz die Sein und Denken voneinander unterscheidet aufmerksam zu machen. Beides, Sein und Denken, besitzt lediglich Gegenwart, keine Zukunft oder Vergangenheit. Denke ich an das Sein zur&#252;ck, so ist es Gewesenes, denke ich mich vor zum Sein, so ist es Werdendes. Das Gleiche gilt f&#252;r das Denken mit dem wichtigen  Unterschied, dass es nicht wie das Sein alleine f&#252;r sich stehen kann. Ich kann zwar sein, aber ich kann nicht denken, lediglich denken &#252;ber, denken an, denken von usw. Das Denken bedarf eines Objektes, eines Gedankens, somit begr&#252;ndet sich meine Unterscheidung zwischen Denken und &#220;berdenken, hingegen ist das Sein aus sich selbst heraus ohne ein Objekt oder &#228;hnliches.<br />
Das Denken ist das Erste, das Unsichtbare, Unmittelbare, das nicht erkannt werden kann, es denkt an das &#220;bergedachte, das einstmals das Denken &#252;ber, an, von, das &#220;berdenken war. Das &#220;berdenken verweist schlie&#223;lich immer auf ein Drittes, auf das was einstmals gedacht wurde und nun &#252;berdacht wird. Das &#220;berdenken ist das vom Denken beleuchtete Gedachte, das Leuchtende, das Denken steht selbst immer im Schatten und vermag sich selbst nicht zu beleuchten.<br />
Es gibt ein weiteres Problem, das sich aus der Abh&#228;ngigkeit des Denkens mit der Existenz und umgekehrt ergibt. Wenn ich nur w&#228;re wenn ich d&#228;chte, m&#252;sste ich um zu sein, also ein Seiendes zu sein, zugleich immer ein Denkendes sein. Ich bin in jeder Minute in der ich bin, aber ich denke nicht in jeder Minute in der ich bin.<br />
Wenn man annehmen w&#252;rde, dass dem Denken die Objekte ausgehen w&#252;rden, es zwar noch das Denken g&#228;be aber nichts was sich denken lie&#223;e, keinen Gedanken, w&#252;rde daraus folgen, dass man nicht ist. Es d&#252;rfte wohl jedem eine offensichtliche Frage ins Auge stechen, n&#228;mlich: Gibt es &#252;berhaupt ein Denken wenn es nichts gibt was gedacht wird? Kann es Denken ohne Gedanken geben?<br />
Nein, denn selbst wenn dem Denken ganz und gar die Objekte fehlten um Gedanken zu denken, k&#246;nnte das Denken immer noch das Sein, das es ja selbst zu seiner Existenz ben&#246;tigt und auf dem es beruht, denken. Man kann aus der F&#228;higkeit des Denkens das Sein zu denken, es in Gedanken zu wandeln, folgern: Ich bin im Denken.<br />
Es gibt kein Denken ohne Gedanken, weil es kein Denken ohne Sein gibt und das Denken an das Sein ein Gedanke ist. Das Sein &#252;berdenkt sich selbst, das hei&#223;t, das Denken denkt das Sein, das Sein ist also zugleich Objekt des Denkens und sein Fundament, ich bin im Denken.<br />
Die Behauptung Descartes, dass das Denken die Existenz eines Denkenden, also des Ichs, des Denkers bedarf, hat sich als korrekt erwiesen. Doch keinesfalls richtig ist die Annahme, dass man nur solange ist, solange man auch denkt. Ich kann zwar behaupten „Ich denke also bin ich“, jedoch kann ich nicht von diesem Satz darauf schlie&#223;en, dass auch gilt: Ich bin also denke ich, wie Descartes es annimmt.<br />
Wenn ich nun gerade nicht denke (zum Beispiel Meditations- und Entspannungs&#252;bungen oder bestimmte Schlafphasen), hei&#223;t das nicht, dass ich nicht bin. Das Existenzkriterium eines gesunden Menschen kann also nicht das Denken sein, sondern es kann auf die F&#228;higkeit zu denken reduziert werden. Es muss also nicht gerade in dem Moment gedacht, werden in dem man ist, um zu sein, sondern es reicht aus, der M&#246;glichkeit nach in jedem beliebigen Moment denken zu k&#246;nnen, um zu sein. Ich bin, solange es mir m&#246;glich ist zu denken, ohne dass ich jemals denken m&#252;sste um zu sein, hingegen muss ich sein um des Denkens f&#228;hig zu sein.</p>
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		<title>Descartes &#8211; Der Weg des methodischen Zweifels in der ersten Meditation</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Jan 2008 19:26:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wowik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.endlosrekursion.de/124/descartes-der-weg-des-methodischen-zweifels-in-der-ersten-meditation/</guid>
		<description><![CDATA[Drittes kapitel in der Hausarbeit "Der methodische Zweifel bei Descartes und seine &#220;berwindung, Meditationen &#252;ber die Grundlagen der Philosophie, Meditation 1 &#038; 2"]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.endlosrekursion.de/119/descartes-woche/"><img src="http://www.endlosrekursion.de/wp-content/uploads/2008/01/descartes-woche.jpg"  title="descartes-woche.jpg" alt="descartes-woche.jpg" align="left" / rel="lightbox[roadtrip]"></a>Descartes setzt sich zum Ziel, der Wissenschaft festen Untergrund, einen unbezweifelbaren Ausgangspunkt zu verschaffen, auf dem dann die Wissenschaften aufgebaut werden k&#246;nnen.</p>
<p>Um diesen festen Untergrund zu schaffen, nimmt er an, dass alle nicht v&#246;llig gewissen Dinge oder offensichtlich falschen Dinge als falsch angesehen werden: „…bei dem nicht ganz Gewissen und Unzweifelhaften ebenso sorgsam seine Zustimmung zur&#252;ckhalten wie bei offenbar Falschem,&#8230;“ (Med. I, 2)</p>
<p>Auch wird festgestellt, dass die Sinne anf&#228;llig f&#252;r T&#228;uschungen sind und somit ihre Wahrnehmungen ebenfalls zu bezweifeln sind (vgl. Med. I, 3). Bis hierhin besteht also noch eine Analogie zu meiner Definition des Zweifels.</p>
<p>Anhand eines Beispiels, dem Traum, f&#252;hrt Descartes vor, dass der Zustand des Wachens und der des Tr&#228;umens nicht sicher voneinander unterschieden werden kann, da die Eindr&#252;cke, die im Traum wahrgenommen werden, durchaus eine Intensit&#228;t erreichen, die der des Wachzustandes gleichkommt (vgl. Med. I, 5). Die Trennung der Realit&#228;t, d.h. in Tr&#228;umen (nicht real) und Wachen (real) ist unklar. Der Grund, warum diese Trennung vollzogen wird, geht nicht aus dem Text hervor. Zwar wird vom Bewusstsein als eigentliches Merkmal des Wachzustandes gesprochen, anscheinend wird aber auch dem Tr&#228;umenden ein Bewusstsein, oder wenigstens eine Art Bewusstsein, ein Scheinbewusstsein vielleicht, zugestanden. „Jetzt aber schaue ich doch sicher mit wachen Augen auf dieses Papier, dies Haupt, das ich hin und her bewege, schl&#228;ft doch nicht, mit Vorbedacht und Bewusstsein strecke ich meine Hand aus und f&#252;hle sie. So deutlich geschieht mir dies doch nicht im Schlaf.“ (Med. I, 5)</p>
<p>Hieraus ergibt sich ein Problem, n&#228;mlich: „…so muss man in der Tat doch zugeben, das im Schlafe Gesehene seien gleichsam Bilder, die nur nach dem Muster wahrer Dinge sich abmalen konnten, dass also wenigstens dies Allgemeine: Augen, Haupt, H&#228;nde und &#252;berhaupt der ganze K&#246;rper nicht blo&#223; eingebildet ist, sondern wirklich existiert.“ (Med. I, 6)</p>
<p>Demnach ist an dieser Stelle von Descartes festgestellt worden, dass sich der Traum seine Bilder mit den Farben des Wachzustandes, der “Realit&#228;t“, malt. Wie ist diese Schlussfolgerung m&#246;glich, wenn kurz zuvor noch gesagt wurde, dass Traum und Wachen nicht zu unterscheiden sind? Mithin w&#228;re auch nicht zu unterscheiden, was davon nun „Realit&#228;t“ sei: Der Wachzustand k&#246;nnte sich ebenso auch umgekehrt zum Traum verhalten, dass er sich also aus den Farben des Traumes seine Bilder zeichnet, somit w&#228;re der Traum „wahr“ bzw. Realit&#228;t, hingegen der Wachzustand nicht real, unwahr. Der Wachzustand w&#252;rde sich durch den Traum konstituieren und nicht wie Descartes meint umgekehrt, der Traum durch den Wachzustand. Warum er das Eine, aber nicht das Andere in Erw&#228;gung zieht, scheint unklar. Das Problem wird nun durch sein Beispiel verdeutlicht: „Sind doch auch die Maler, selbst wenn sie Sirenen und Satyre in den fremdartigsten Gestalten zu bilden versuchen, nicht imstande, ihnen in jeder Hinsicht neue Eigenschaften zuzuteilen, sondern sie mischen nur die Glieder von verschiedenen lebenden Wesen durcheinander.“ (Med. I, 6)</p>
<p>Das Problem ist nun offensichtlich: Die Annahme, dass die Maler Fantasiefiguren aus realen, also im Wachzustand wahrgenommenen Wesen bzw. aus deren Teilen zusammensetzen, ist nur die eine Seite der Medaille, es w&#228;re schlie&#223;lich auch m&#246;glich, das die Maler die im Traum erlebten Wesen (Satyre, Sirenen, Drachen, Engel usw.) zu realen (Menschen, Tiere etc.) zusammensetzen. Da der Traum und Wachzustand wie von Descartes behauptet nicht unterscheidbar sind. k&#246;nnen sich somit Bilder von Menschen, die normalerweise als real und nicht als Phantasiefiguren gelten, in diesem Falle die Stellung der Satyre und Sirenen, sprich der Phantasiefiguren einnehmen. Das bedeutet, dass die Menschen (Phantasie) sich nun aus den Traumfiguren (Realit&#228;t) zusammensetzten.</p>
<p>Entsch&#228;rft wird dieses Problem erst im letzten Abschnitt des sechsten Kapitels der ersten Meditation. Es wird gesagt: „…auch wenn sogar dies Allgemeine: Augen, Haupt, H&#228;nde und dergleichen nur eingebildet sein k&#246;nnte, [muss man] doch notwendig gestehen, dass wenigstens gewisse andere, noch einfachere und allgemeinere Dinge wahr sind, mit denen als den wahren Farben alle jenen wahren oder falschen Bilder von Dingen in unserem Bewusstsein gemalt sind.“ (Med. I, 6)</p>
<p>Mir scheint dieser Satz ein Widerspruch zu den vorherigen Behauptungen zu sein: Wenn die Farben, mit denen Traumbilder (bei Descartes „falsche Bilder“) und Bilder des Wachzustandes (bei Descartes „wahre Bilder“) gemalt sind, wahr sind, m&#252;ssten doch die Bilder ebenfalls wahr sein. Traum- und Wachzustand k&#246;nnen „niemals durch sichere Kennzeichen unterschieden werden…“ (vgl. Med. I, 5).  Wie kann also von dem Einen behauptet werden es sei „wahr“, von dem Anderen hingegen es sei „falsch“? Was sind „wahre“ Dinge, „wahre“ Bilder? Wird das Bild, das getr&#228;umt wird, das Erlebnis und Ereignis im Schlaf nicht ebenso lebendig erfahren, wie die so genannten „wahren“ Dinge, Ereignisse etc. im Wachen? Ja, auch der Traum ist „wahr“, denn ich tr&#228;ume ihn wirklich. Dass Descartes die Realit&#228;t in den Wachzustand verlegt und den Traum als blo&#223;e T&#228;uschung, eine Fata Morgana der Realit&#228;t darstellt, wird der Sache kaum gerecht. Sofern Tr&#228;umen und Wachen nicht als zwei verschiedene Zust&#228;nde erkannt werden k&#246;nnen, kann auch kein Urteil dar&#252;ber getroffen werden, in welchem Zustand mir die „wahren“ Dinge begegnen und in welchem nur die Abbilder der „wahren“ Dinge.<br />
Die Realit&#228;t k&#246;nnte genauso gut der Traum des Traumes sein, so wie es im Bereich des M&#246;glichen l&#228;ge, dass der Traum der Traum der Realit&#228;t w&#228;re. Unpassend ist die Trennung Descartes’ der beiden Seinszust&#228;nde in wahre und falsche. Vielmehr m&#252;ssen beide Zust&#228;nde, der Wachzustand als auch der Traumzustand als wahr anerkannt werden: Der Traum als Wachen des Unterbewusstseins und Schlafen des Bewusstseins, das Wachen als Schlafen des Unterbewusstseins und Wachen des  Bewusstseins; die  Erinnerung im Traum an den Wachzustand (das wachende Bewusstsein) bzw. im Wachen an den Traumzustand (das wachende Unterbewusstsein) ist die Br&#252;cke die beide verbindet, die eine Ganzheit des Menschen herstellt. Die Synthese aus Unterbewusstsein und Bewusstsein ist das Sein, das Sein des Menschen.</p>
<p>Die angesprochene Problematik setzt sich mit jedem Beispiel, das Descartes in der ersten Meditation anf&#252;hrt, fort. Die allgemeinen Dinge, von denen Descartes im Folgenden spricht (Zeit, Quantit&#228;t, Ort usw.), sind die, welche „wahre“ Bilder und „falsche“ gemein haben. Diese allgemeinen Dinge sind also die wahren Farben mit denen alles, Wahres wie auch Falsches, gemalt wird. Mit „falschen“ Bildern sind die Traumbilder gemeint, ein Kriterium f&#252;r diese Falschheit fehlt jedoch. Es stellt sich die Frage, was Descartes mit falschen Bildern meint. Er hat festgestellt, dass die Farben, aus denen diese Bilder gemalt sind, wahr sind. Somit sind die Farben das erste Wissen, das erste Gewusste, das was allen Bildern zugrunde liegt. An dieser Stelle des Textes ist jedoch nicht eindeutig beschrieben, was mit „Bild“ gemeint ist: Es kann sich dabei um das Abbild des Bildes handeln (eine Fantasiefigur w&#228;re in diesem Fall eine Zusammensetzung mehrerer Abbilder, z.B. Pferd + Nashorn = Einhorn), das was das Bild abbildet, das Motiv. Falsch kann das Abbild nur dahingehend sein, dass es ein Objekt der Wahrnehmung oder Vorstellung verfremdet darstellt. Malt ein K&#252;nstler ein Pferd mit drei Beinen, w&#228;re dies ein falsches Abbild eines Pferdes (vorausgesetzt Pferde haben vier Beine). Ich denke, es ist das Abbild, welches Descartes meint, denn ein Bild kann nicht wahr oder falsch sein, es kann lediglich Wahres oder Falsches abbilden. Die allgemeinen  Farben, die sich weder aus dem Wachen noch aus dem Traum wegdenken lassen, sind also Zeit, Quantit&#228;t, Ort usw. Das Bild ist das Zusammenspiel dieser allgemeinen Dinge, aus diesem Spiel entsteht das Bild, das Sein als Ganzes. Das Bild bzw. das Sein ist nicht ohne diese Farben bzw. Eigenschaften (Quantit&#228;t usw.) denkbar. Umgekehrt ergibt jedes Aufeinandertreffen, jedes Zusammenspiel, jedes Nebeneinander und Gleichzeitigsein allgemeiner Farben bzw. Dinge (Quantit&#228;t, Zeit, Ort usw.) ein Bild, auch wenn es nichts abbildet. Hieraus schlie&#223;t nun Descartes, dass Wissenschaften wie Arithmetik, Geometrie und dergleichen, „etwas von zweifelloser Gewissheit enthalten“ (Med. I, 8), w&#228;hrend Wissenschaften wie Medizin, Astronomie, Physik und &#228;hnliche immer bezweifelbar sind. Descartes begr&#252;ndet diese Behauptung damit, dass Arithmetik usw. allgemeine und einfache Gegenst&#228;nde behandeln, die in der wahrnehmbaren Wirklichkeit nicht vorhanden sind, bzw. unabh&#228;ngig von dem sind, was Descartes bisher bezweifelt hat.</p>
<p>Eben hier liegt ein Problem, mit dem die ganze Methode Descartes steht oder f&#228;llt.<br />
Dass 2+3=5 ergibt, ist nicht die Gewissheit, die Descartes sucht. Im Grunde sucht Descartes auch keine Gewissheit, sondern das erste Wissen, ein erstes Gewusstes, auf dem er dann die Wissenschaften aufbauen kann.</p>
<p>Es ist nicht gewiss, ob dort zwei Birnen liegen, gewiss ist allein, dass ich aus einer und einer anderen Birne zwei Birnen zusammengez&#228;hlt habe. Was w&#228;re wenn ich doppelt s&#228;he? Dann l&#228;ge zwar kein mathematischer Fehler vor, aber die Mathematik h&#228;tte mich trotzdem nicht vorangebracht. Gewissheit muss entstehen (siehe Kapitel IIIc), muss aus einem Zweifel, aus etwas Ungewissem emporwachsen. Das 2+3=5 ergibt, ist nun aber noch nie bezweifelt worden, denn es kann nicht bezweifelt werden, weil es eben keine Wahrnehmung ist, sondern eine Vorstellung. Keine eigentliche Vorstellung, denn eine Vorstellung w&#228;re eine abstrahierte Wahrnehmung (z.B. Wahrnehmung 1: ein Fisch, Wahrnehmung 2: Wasser, ich kann nun beide vom eigentlichen Erlebnis meiner Wahrnehmung abstrahieren, mir wird also durch die Synthese der einzelnen Wahrnehmungen, eine zusammengesetzte abstrahierte Wahrnehmung, d.h. eine Vorstellung erm&#246;glicht, in diesem Falle die Vorstellung eines Fisches im Wasser, allerdings habe ich vorausgesetzt, dass der Fisch ohne Wasser und das Wasser ohne Fisch wahrgenommen wurde, ansonsten w&#228;re die abstrakte Vorstellung schon als Wahrnehmung erlebbar gewesen). Die Mathematik ist im Gegensatz dazu ein System, ein System das, wie Descartes bemerkt, sich nicht darum schert, ob es den darin behandelten Inhalt auch tats&#228;chlich gibt. Das ist die Misere: Descartes predigt von Gewissheit, wenn er die Gleichung 2+3=5 betrachtet, doch das System hat der Mensch sich selbst ausgedacht. Er hat die Mittel, die Kriterien daf&#252;r selbst erschaffen (diese konstruktivistische Auffassung der Mathematik stelle ich Descartes` Vorstellung von Mathematik entgegen). es muss also innerhalb des Systems wahr sein, denn es wurde so festgelegt. Wenn ich sage, alle <a href="http://www.uhren-ass.de/">Uhren</a> sind Esel, und ich hinzuf&#252;ge, dass ich diese Behauptung ganz und gar von erlebbaren Wahrnehmungen trennen m&#246;chte, ich es nur als Werkzeug, als Mittel f&#252;r irgendetwas anderes brauche, ist es unbestreitbar, dass alle Uhren Esel sind. Aber ist das dann Gewissheit? Wohl kaum. Die Mathematik, Geometrie usw. l&#228;sst keinen Zweifel zu, somit kann sie auch keine Gewissheit zulassen, bzw. nur eine Art von Gewissheit, n&#228;mlich die, die einem Selbstbetrug gleichkommt, habe ich doch vorher festgesetzt, dass aus diesem und jenem das folgt. Aus diesem Grund ist die Mathematik auch eine analytische Wissenschaft und keine synthetische. 7+5=12 ist ein analytisches Urteil. Die Mathematik besteht aus den Ziffern, welche sich nach bestimmten Regeln zu Zahlen zusammensetzen (10; 11; 12 usw.). In der 7 ist die 12 enthalten, so wie die 12 in der 5, in der 3 oder in der 22 enthalten ist. Das ganze System der Mathematik wird in ihren Einzelteilen immer mitgedacht. Da jede Zahl einen Nachfolger und einen Vorg&#228;nger hat, wird bei jeder bestimmten Zahl eine unendliche Reihe Vorg&#228;nger und eine unendliche Reihe Nachfolger mitgedacht, d. h. in jeder bestimmten Zahl ist jede beliebige Zahl enthalten. Kenne ich eine kenne ich sie alle. Nat&#252;rlich bedeutet das nicht, dass mir auch diese unendliche Anzahl von Nachfolgern und Vorg&#228;ngern gegenw&#228;rtig sein muss. Gewissheit darf keinen analytischen Charakter haben. Es ist also ung&#252;ltig aus Pr&#228;missen eine Konklusion zu folgern, die vorher bereits festgelegt war, und das ganze dann Gewissheit zu nennen. Vielmehr muss Gewissheit synthetisch sein, eine Synthese aus Glauben und Zweifel (siehe Kapitel lIIc).</p>
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		<title>Descartes &#8211; Der Zweifel im Allgemeinen</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jan 2008 18:44:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wowik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Zweites Kapitel der Hausarbeit "Der methodische Zweifel bei Descartes und seine &#220;berwindung"]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.endlosrekursion.de/119/descartes-woche/"><img src="http://www.endlosrekursion.de/wp-content/uploads/2008/01/descartes-woche.jpg"  title="descartes-woche.jpg" alt="descartes-woche.jpg" align="left" border="0" / rel="lightbox[roadtrip]"></a>Um den methodischen Zweifel sp&#228;ter besser nachvollziehen zu k&#246;nnen, m&#246;chte ich zun&#228;chst erl&#228;utern, was der Zweifel &#252;berhaupt ist oder zumindest was er sein kann. Diese Frage beantwortet Descartes in seinen „Meditationen &#252;ber die Grundlagen der Philosophie“ nicht, er wendet den Zweifel lediglich an. Der Zweifel ist unbedingt von der Aporie abzugrenzen. Aporie ist ein blo&#223; geistiger, auf theoretische Probleme bezogener Zustand, eine auf das Denken beschr&#228;nkte Ausweglosigkeit, wohingegen der Zweifel ein seelischer Zustand ist, der den ganzen Menschen in seinem Handeln, Denken und Sein beeinflusst. Der Zweifel ist umfassender als die Aporie und keinesfalls mit ihr zu verwechseln, der Zweifel ist das Gegenteil der Gewissheit, also Ungewissheit.<br />
Er ist die Vorstellung, dass ein Ding anders beschaffen sein k&#246;nnte als es wahrgenommen wird. Beispielsweise ist es zweifelhaft, dass die Bl&#228;tter von B&#228;umen gr&#252;n sind. Es w&#228;re ebenso gut vorstellbar, dass sie blau oder rot sind.<br />
Da nahezu alles, was wahrgenommen werden kann ebenso bezweifelt werden kann, ist fast nichts in der Welt unbezweifelbar.<br />
Doch wie verh&#228;lt es sich mit Arithmetik, Mathematik, Geometrie etc., wie k&#246;nnte bezweifelt werden, dass die Winkelsumme eines Dreiecks 180° ergibt, oder was  w&#228;re an der Gleichung 2+3=5 zu bezweifeln? (Descartes versucht dies mit dem „b&#246;sen D&#228;mon“)<br />
Beide sind unbezweifelbar, nicht weil sie „wahr“ sind, sondern weil sie v&#246;llig au&#223;erhalb der M&#246;glichkeit eines Zweifels bzw. nicht Zweifels liegen. 2+3=5 ist nicht wie das Blaue eines Gegenstandes eine Wahrnehmung, sondern schon eine Vorstellung im Sinne einer abstrahierten Wahrnehmung.</p>
<p>Ich habe zwar eine Wahrnehmung von einem Apfel, aber ich habe keine Wahrnehmung von zwei &#196;pfeln, vielmehr nehme ich einen Apfel und einen weiteren Apfel wahr. Dass beide zusammen zwei &#196;pfel sind, ist keine Wahrnehmung, sondern  Vorstellung. Nat&#252;rlich ist das Wort „blau“ auch eine sprachliche Abstraktion, aber das was es beschreibt, das worauf es verweist, das Blausein, ist keine Vorstellung sondern eine Wahrnehmung, was nicht verhindert, dass es eine Vorstellung des Blauen  geben kann. Das Wort „blau“ ist Vorstellung, der Begriff, das worauf das Wort verweist, ist Wahrnehmung.<br />
Bezweifelbar ist nur, inwiefern eine Wahrnehmung der Vorstellung gerecht wird. Man kann bezweifeln, dass zum Beispiel eine Zeichnung der Form eines Dreiecks gerecht wird, nicht aber, dass das Dreieck ein Dreieck ist: Ein Dreieck muss ein Dreieck sein. Zwar ist es m&#246;glich, ein Dreieck wahrnehmbar darzustellen (Zeichnung), d.h. die Vorstellung in eine Wahrnehmung zu wandeln, aber die Vorstellung ist hierbei nicht wie bei Zahlen eine Abstraktion  der Wahrnehmung, die Vorstellung des Dreiecks ist eine Gewissheit, die wie die Mathematik ganz ohne Erfahrungen, ohne Wahrnehmungen auskommt.<br />
Bezweifelbar ist, ob dieses oder jenes ein Dreieck ist und nicht, ob dieses Dreieck ein Dreieck ist, ebenso verh&#228;lt es sich mit dem Blausein. Nicht ob das Blaue blau ist, ist bezweifelbar, sondern ob dieses Ding blau ist. Blau kann nicht blau sein, sondern etwas, ein Ding muss blau sein, damit man sagen kann dieses oder jenes ist blau.</p>
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