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Geschrieben am 7. April 2009 von Raphael in Gesellschaft, Kultur, Medien, Recht.

Es rollt gerade eine Diskussion um das Mitmachen auf die Blogosphäre zu. Ix, Alexander und Cem haben sich zu Wort gemeldet und Kommentare werden noch viele folgen. Dass das auch auf diesen Gemeinschaftsblog zutrifft, ist schon fast müßig zu erwähnen. Ich war auch Mal sauer, so viel Arbeit hier rein gesteckt zu haben, die sich nur sehr bedingt gelohnt hat. Für mich. Von Relevanz zu reden habe ich schon vor längerer Zeit aufgegeben, es sei denn es lässt sich damit Geld verdienen, dann ist meinetwegen alles Relevant, wenn dir jemand zustimmt. Definitionen helfen da auch nicht weiter.Aber Ärger verfliegt und es bleibt dann etwas, dass man Entscheidung nennt, was aber irre führt, das es nur zwei Auswege suggeriert. Man hat derer aber viele. Man kann professionalisieren, sich noch mehr Amateure suchen, es alleine machen, gar nicht mehr machen oder was auch immer. Wen soll das denn bitte interessieren? Warum müssen wir immer so tun, als ginge die Welt unter, wenn doch nur einer der eignen Träume gerade zerplatzt ist.

Dass damit Engagement nicht gewürdigt wird, ist doch Blödsinn. Es kommen viele, weil es sie interessiert und wen das nicht freut, der hat vielleicht ein wenig zu viel erwartet. Glaubt ihr denn wirklich, nur weil es jetzt digital ist, ändert der Mensch, ändern Gesellschaften ihre Handlungsmuster und -strukturen von Grund auf? Mitmachen ist so eine Sache. Kann man nämlich nur begrenzt im Leben. Während ich hier so einen Scheiß schreibe könnte ich mir den Hegel nochmal gründlich vornehmen und so meine Welt erweitern, könnte neben meiner Freundin im Bett liegen und meinen morgigen Tag erweitern, könnte endlich Mal mit dem Buch anfangen, dass ich seit einem Jahr als Idee mit mir herumtrage und mein Leben verändern, könnte people in motion anrufen und mich erweitern, könnte, könnte, könnte. Dass das Argument keine Zeit zu haben, immer auch ein wenig mit weniger Lust zusammenhängt, liegt in der Natur der begrenzten Zeit. Man kann nicht auf jeder Hochzeit tanzen und manche Bräute sind eben netter anzuschauen als andere. Der eine mag es üppig, der andere eher gemütlich, der nächste ist politisch und der, der da am Eingang steht, dem ist alles eher egal.

Was soll diese Diskussion bringen, außer noch mehr Ärger? Was soll es bringen mal in die Runde zu fragen, woran es liegt? Das funktioniert nicht beim Bloggen und funktioniert auch nicht beim Fußball. Jedes Mal, wenn wir mit der 2. Mannschaft wieder Mal ne Klatsche kriegen, fragt irgendwer in die Runde und nicht selten bin ich das. Was bringt es aber? Vielleicht etwas für mich? Sich Gedanken zu machen, ist meine Art, wird die Art derjenigen sein, die die Diskussion um das Mitmachweb anstoßen. Ob das Sinn macht, weiß man immer erst später. Manchmal geht was, manchmal eben nicht. Aber wie schon erwähnt, die Welt geht nicht unter, mit ein wenig Abstand nicht einmal die eigene. 6:2 verloren, 9:0 auf den Sack bekommen, wieder ein Monat ohne einen Artikel hier, wieder nicht angerufen. Mit ein wenig Selbstreflexion erklärt sich alles, was dahinter steckt. Nicht immer ist es die Trägheit der Masse, nicht immer ist es die Angst vorm System oder die Politikverdrossenheit. Manchmal hat man einfach was besseres vor. Manchmal haben eben viele was besseres vor.

Ich ziehe meinen Hut vor Leuten, die dennoch weiter machen, neue Ideen entwickeln und nach vorne schauen, wenn es Mal nicht so gelaufen ist. Aber ich ziehe ihn auch vor denen, die sagen, dass sie dann vielleicht doch nicht unbedingt jeden Sonntag auf dem Platz ihren Kindern die gemeinsame Zeit stehlen wollen und das eben dann auch so sagen. Nervig sind nur die, die sagen, dass sie kommen und dann ne halbe Stunde später anrufen, dass doch irgendein besserer Scheiß dazwischen gekommen ist. Die gehen mir auf den Sack, weil sie mir mit ihren Entscheidungen keine eigene Entscheidung mehr erlauben.

Es ist doch irgendwie ganz schön, dass jetzt nicht alles anders ist. Die Fußballvereine stöhnen, dass die Kids jetzt lieber Online zocken und die Onlinecommunities stöhnen, dass bei gutem Wetter dann doch viele nicht kommen.

Ich will jetzt nicht in eine Relativitätstheorie der Relevant abrutschen, aber manchmal muss man doch auch drauf hinweisen dürfen, dass der Enthusiasmus so nicht geteilt wird, ohne dass es so aufgefasst wird, als würde man alles schlecht reden oder alles scheiße finden. Und die Berufsnörgler sind in Deutschland eben nicht nur Lehrer oder am Stammtisch zu Hause. Ob jetzt das Wlan nicht so toll oder ob die ganze re:publica uniteressant war, ist doch selbst nur soweit interessant, wie es einen selbst interessiert. Genauso ist das Desinteresse an der Endlosrekursion auch nur soweit interessant, wie es mich ärgert und ich uneingelöstes Interesse an dieser zeige. Das mag sich zu sehr nach Aufgeben anhören, aber das wäre wieder nur die Entscheidung in eingeschränkter Sicht. Ich würde hier gerne mehr lesen und nicht selbst alle paar Pfingsten Mal einen Pseudobeitrag ins Blau feuern.

Ich würde jetzt gerne so einen nach Lebenserfahrung klingenden Spruch reinhauen, der irgendwie die eigenen Träume mit den eigenen Kindern vergleicht und und darauf verweist, dass man nur versuchen kann, sein Bestes zu geben, was daraus wird, steht einem nicht mehr zu. Aber das wäre vermessen, genauso wie es vermessen wäre ix oder Cem so einen Beitrag vor den Latz zu knallen, der ihnen sicher auch nicht weiter hilft, weil sie den Brei sicher schon mehr als einmal ausgelöffelt haben, um den ich hier so blumig herumschreibe.

Ich kann noch nicht Mal beurteilen, ob diese Konferenzen jetzt toll waren und ich mich da auch engagieren sollte oder nicht, weil ich da so gar nicht für bin. Auch wenn mir schon oft vorgenommen habe, mal da hin zu fahren. Aber eigentlich sitze ich eben lieber mit people in motion bei Wein oder Bier und quasssel ihn voll, wie ich mir das mit dem Internet zu vorstelle. Er hört mir zu und sagt mir was er für Kappes hält. Ohne Sessionbegrenzung, ohne hundert andere, die vielleicht auch was dazu zu sagen hätten. Ist eingeschränkt, weiß ich. Ist aber ebenso eine andere Form. Ob man weiter kommt, wie man weiterkommt, ob man überhaupt weiter will, muss man dann selber beschließen. Mit Wut im Bauch geht das aber nicht.

Deshalb schreibe ich hier ab und an ins Blaue und wenn jemand meint, er müsste das auch tun, dann freue ich mich. Bis der dann irgendwann auch nicht emrh so recht will. So ist das eben. Den Spaß am Schreiben nimmt es mir nur kurzfristig. Auf lange Sicht muss man eh machen, was man will, oder was Kohle bringt. So wird es im Internet auch noch kommen, wenn es nicht schon so ist.

*Überschrift habe ich weggelassen, keine Zeit mehr. Meine Freundin hat mich nämlich gerufen, ich solle ins Bett, ihr wäre kalt und ich müsse Morgen früh raus.

Hi Quality!?

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Geschrieben am 23. November 2008 von M. Pyre in Medien.

Über Geschmack lässt sich streiten. Und was ist mit Qualität? Nach dem nun Marcel Reich-Ranicki die Qualitätsfrage im Fernsehen stellte und damit einen „Eklat“ auslöste wird über die Qualität im Fernsehen gestritten, denn die fehlt nach Reich-Ranicki so ganz. Neben den nächtlichen Abzock-mit-mach-plus-ausziehen-und-Nippel-zeigen-Sendungen ist auch das Programm am Mittag, Nachmittag sowie am frühen und späten Abend nicht gerade auf Sartre Leser zugeschnitten. Meistens beobachtet man Menschen mit niedrigem Einkommen und niedriger Bildung wie sie sich im Fernsehen selbst der Lächerlichkeit preisgeben und dem Spott anderer aussetzen. Denn wenn man ehrlich ist wird keiner sagen, dass den Personen, die bei „Super Nanny“ oder „Raus aus den Schulden“ mitmachen wirklich geholfen wird. Jedenfalls ist das nicht die Intention, wenn der ganzen Nation gezeigt wird wie eine allein erziehende Mutter von ihrem 5-jährigen Sohn verprügelt wird. Nein, es soll den Menschen, die sich diesen Sozialzoo anschauen gezeigt werden: Es gibt noch größere Assis als euch. Und das beruhigt. Klar könnte man seine eigene Situation hinterfragen und aus seiner entstehenden Unzufriedenheit versuchen diese Situation zu ändern, aufzusteigen oder wenigstens das Recht aufzusteigen in Anspruch nehmen. Kritisieren, dass man am gesellschaftlichen Rand lebt und keinen Job hat. Aber wieso? So lange mein Sohn mich nicht schlägt und das mehrere Millionen Menschen am Bildschirm verfolgen bin ich doch in einer ganz guten Lage.

Moralisch ist man diesen Opfern des privaten Fernsehens sowieso überlegen. Man braucht sich nur mal die Hartz-IV Abzocker anzuschauen. Auch die werden im Fernsehen gnadenlos entlarvt. So kann sich ein Angestellter, der in der Stunde 3,50€ verdient ruhigen Gewissens anschauen, wer daran Schuld ist, dass der Staat kein Geld hat. Er könnte sich natürlich auch darüber aufregen, dass Deutschland eines der wenigen Länder in Europa ist, das keinen Mindestlohn hat und fragen warum das so ist, aber es gibt halt keine Sendungen in denen die gnadenlosen Abzockpolitiker oder die Abzockmanager entlarvt werden. Man schaut nicht in die Wohnungen der Politiker oder Manager und zeigt den Menschen in welch großzügigen Verhältnissen die Menschen leben, die ihnen sagen, wie sie eine Wurst teilen können, um so zwei Tage etwas zu Essen zu haben. Stattdessen wird ihnen aus dem Leben der Superreichen berichtet; Hollywoodstars, russische Ölmagnaten, Musiker. So hat man was zum träumen. Dass einige Politiker in Aufsichtsräten sitzen und ebenfalls ein Einkommen haben, das sich mit dem der ‚Stars’ messen kann, ist seltener Teil der Berichterstattung.

Das Programm muss aber auch überschaubar sein. Also reichen Sendungen über Asoziale, abzockende Hartz-IV Empfänger, Superstars und nächtlicher Erotik bei der man auch noch Geld gewinnen kann, wenn man ein Wort mit ‚S’ errät. Die Frage die man nun an Reich-Ranicki stellen sollte ist doch: Wie viel Qualität verträgt der Zuschauer? und Ist das Fernsehen überhaupt ein Medium, das für Qualität stehen sollte? Wer sich nicht für Bücher interessiert wird sich auch keine Sendungen über Bücher ansehen. Wer sich nicht für das Leben der Indios in Lateinamerika interessiert wird sich darüber auch keine Sendungen ansehen. Wenn die Qualität im Fernsehen bemängelt wird, so ist das Problem viel weitreichender und mit mehr Literatursendungen nicht zu lösen.

Das ein riesiges Problem in Deutschland nun mit dem Fernsehen verknüpft wird ist bezeichnend. Viele Menschen haben keinen Zugang zu Bildung und Kultur. Diese sind einfach nicht finanzierbar, heißt es dann. Wenn ein Wirtschaftsprofessor den Hartz-IV Satz weiter kürzen will und vorrechnet wie man mit 132€ locker über die Runden kommt, dann kann man doch nicht noch die Kultur bezahlen, oder?

Ich frage mich, ob die Leute wirklich einsehen, was das eigentliche Problem ist, das sich nur zufällig(?) in der Qualitätsdebatte über das Fernsehen äußert. Es geht um Lebensqualität; und von der können die meisten leider zurzeit nur träumen.

Lesen wir in Zukunft noch Bücher, Magazine und Zeitungen?

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Geschrieben am 19. Juni 2008 von Raphael in Medien.

Die Fakten liegen auf dem Tisch: Den Zeitungen laufen die Abonnenten davon und wandern ab ins Internet, um sich zu informieren. Das Ende des Printjournalismus scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Es wird alles digitaler. Doch es werden bei solchen Prophezeiungen einige nicht ganz unwichtige Details vergessen:

  • Die Gewohnheit
  • Die technische Entwicklung
  • Das Interesse der Elektronikhersteller an nicht zu schneller Entwicklung

Morgens zum Frühstück eine Zeitung auf dem Tisch liegen zu haben um in dieser zu schmökern ist mehr als der schiere Wille zur Information. Es geht dabei um Lebensstil, um Tradition und um eine angenehme Gewohnheit. Wer sitzt schon wirklich gerne mit seinem Brötchen und seinem Kaffee kurz nach dem Ausstehen am Bildschirm und holt sich so die ersten Kopfschmerzen des Tages ab?

Denn immer noch verursachen Computerbildschirme Kopfschmerzen, oder bei nicht so anfälligen Mitmenschen eine viel stärkere Ermüdung der Augen, als das Papier. Die Technik ist noch nicht so weit, dass digitales lesen den selben Komfort bietet wie analoges Lesen. Auch wenn mittlerweile durchaus Geräte konstruiert werden, die schon sehr nahe an die Augenfreundlichkeit des Papiers herankommen.

Doch technische Entwicklung ist in einem kapitalistischen System keine Frage des allgemeinen Wohls und Interesses, jedenfalls nicht primär, sondern wird eben von den Firmen vorangetrieben, die Geld in diese Entwicklung stecken, bzw. gesteckt haben. Und da sind bahnbrechende Fortschritte nur selten zu erwarten, wie man beispielsweise der Entwicklung von Prozessoren entnehmen kann. Die Geschwindigkeit steigt so langsam, dass es für jeden Menschen “notwendig” ist, sich alle zwei bis drei Jahre einen neuen Computer zuzulegen. Das wir schon seit etlichen Jahren Prozessoren bauen können, die die Geschwindigkeit haben, die uns heute in der Werbung als revolutionär angepriesen wird, zeigt das. Bei Bildschirmen ist das nicht besonders anders. Bezahlte man sich noch vor drei Jahren dumm und dämlich, wollte man einen 22″ Bildschirm sein eigenen nennen, ist dies heute die Standardgröße geworden und somit auch zum Standardpreis zu haben. Technisch hat sich da nicht viel geändert.

Wollen wir also Print wirklich beerdigen, müssten wir voraussehen können, wann genau wir portable Bildschirme als Massengut haben werden, die bezahlbar sind, dünn, leicht, für die Augen so angenehm wie Papier, am besten noch knick- oder rollbar, mit einer ähnlich angenehmen Habtik wie Papier und mit weiteren Vorteilen ausgestattet, die Papier nicht besitzen kann: Diese Bildschirme müssten extrem belastbar sein und somit einen deutlichen Umweltvorteil gegenüber der Massenverwendung von Papier haben. Es müsste ein allgemein verständliches und anwendbares System gefunden und sich darauf geeinigt werden, wie Bücher, Zeitungen und Magazine auf diese Screens zu laden und zu bezahlen sind.

Es heißt also durchaus vorsichtig sein mit Prognosen, wann wir kein Papier mehr verschwenden werden, um uns zu informieren. Dass dies unausweichlich ist, scheint aufgrund der Fakten eindeutig, aber Fakten geben selten die Gewohnheit des Menschen und die Struktur der Märket wieder. Ich für meinen teil glaube an diese Entwicklung, aber bin immer vorsichtig, was Prognosen angeht. Sicher bin ich mir, dass die Tageszeitung weiter Probleme haben wird ihre Leser nicht an Internet zu verlieren, die sich dort schneller, pluraler und direkter informieren können. Inwieweit sich das aber auch auf Magazine oder gar Bücher ausdehnen lässt, ist eine Frage der Entwicklung, die so nicht vorauszusagen ist.

Wir leben Online

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Geschrieben am 3. Juni 2008 von Raphael in Medien.

Gerade im geisteswissenschaftlichen, dem Buch noch verbundenen, Milieu stoßen einige meiner Thesen immer wieder auf Unverständnis. So auch meine These, dass sich immer mehr “Leben” Online im Internet abspielen wird. Dass sich die Gesellschaft und vor allem die Struktur der Gesellschaft, die wir Informationsgesellschaft nennen, immer mehr ins Netz verlegt. Nicht allein, aber noch hauptsächlich zur Informationsbeschaffung. Damit meine ich nicht nur den reinen Newskonsum, sondern auch die Filmchen auf Youtupe und Youporn, die Witze im Nachbarschaftsforum, die Zitate, Esoterik- und Gesundheitstipps, die Fett-Beine-Po-Übungen als Pdcast und vieles mehr. Diesen Trend können wir seit einigen Jahren beschreiben, soweit nichts neues. Dem würde sicher auch noch ein jeder meiner Leser zustimmen können, partizipiert er doch gerade mit dem Lesen dieses Textes an genau diesem digitalen Informationsprozess.

Doch meine stärkere These wird meistens nicht mitgetragen: dass die Informationsgesellschaft, die sich immer mehr und bald sicher hauptsächlich, Online abspielt, sich ausdehnt auf alle Bereiche der Gesellschaft und die schier unendliche Informationsgewalt des Internets nur der Vorbote dafür ist, dass sich Gesellschaft mittlerweile als Ganzes Online abspielt. Damit meine ich nicht, dass wir nur noch digital Leben. Ich meine aber, dass digitale Identitäten sich nicht mehr zwangsläufig von “realen” Identitäten unterscheiden. Stichwort: digitale Reputation. So anonym wir uns auch fühlen im Netz und meinen, deshalb Rollen annehmen zu können, die wir “real” aufgrund wie auch immer gestrickter Konventionen nicht ausleben, unterdrücken oder schlicht nicht in dem Maße anwenden, wie viele dies Online tun. Dass sich dieses massenhafte Verhalten auf die Gesellschaft und deren Konventionen zurückwirken muss, ist aber sicher keine starke These. So sich Verhaltensweisen sehr Vieler ändert, werden sich Konventionen ändern. Weiterlesen »

Relevanz als Inszenierung

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Geschrieben am 22. Mai 2008 von Abc in Medien.

Dieser Beitrag ist eine Reaktion auf oxenzeams Kommentar zur Relevanz der Endlosrekursion und zugleich eine Reflexion auf meinen eigenen Artikel Wer ist frei?

Vielleicht fand ich meine Ironie zu uninteressant oder zu hässlich um sie ordentlich zum Ausdruck zu bringen, da aber ihr Thema nun aufgegriffen worden und meinen Artikel dabei sogar angesprochen wird, möchte ich jetzt, obwohl die Peinlichkeit der Explikation ironischer Rede mir ästhetisch zuwider ist, eine Enthüllung der Ironie vollziehen; sie war zum Scheitern verurteilt und kann deshalb hier, ohne mein Beileid, sozusagen zur Strafe entblößt werden – niemand wird ihre Latenz vermissen oder der Verlust ihrer wackeligen Eleganz bedauern.

Relevanz ist eine Floskel. Mit dieser Aussage soll nicht, oh nein, gesagt werden, dass Floskeln a priori zu verurteilen sind, aber sie weist auf ein der Relevanz innewohnendes Problem hin: Floskeln sind grundsätzlich nicht relevant. Diese Irrelevanz der Relevanz zeigt sich überall in unserer (relevanten) Gegenwart, besonders deutlich bei dem Inbegriff der Relevanz, die Politik. Im gewöhnlichen regulären Parlamentarismus sind Opposition und Mehrheit kommensurabel, sie haben einen gemeinsamen Maßstab und bilden damit eine reguläre Beziehung, eine normierte Beziehung. Es gibt hier keine wirklich radikale Wahl: Die Entscheidung ist eine Frage der Nuance, des feinen Unterschieds.

Meinungsunterschiede werden deutlich und am Ende entscheidet eine kleine Gruppe, die mal das eine, mal das andere wählt, wie es dieses Mal läuft. Damit möchte ich gar nicht sagen, dass man sich für die gegenwärtige Politik nicht interessieren oder sich mit ihr nicht auseinandersetzen sollte, nur soll deutlich werden: Politik ist keine Ausnahme, keine Neuigkeit; sie ist viel eher eine Floskel, gewiss, keine schlechte, aber auch keine relevante. Das Besprechen von ihr wiederholt sich ins Unendliche, sowie sie selbst. Die Politik arbeitet über sehr lange Zeit mit denselben Problemen, sie schwankt zwischen kleinen Nuancen und kleinen Unterschieden. Politik ist in diesem Sinne zum großen Teil Konjunktur: Dies Jahr schwarz, nächstes rot, dieses Bundesland schwarz, nächstes rot. Jede Konjunktur ist sehr wichtig, aber sie ist nicht relevant, sie ändert sich nur um wieder sich dem Ausgangspunkt zuzuwenden. Vielleicht wird sich über lange Zeit etwas Grundsätzliches geändert haben, aber dann nicht wegen der Konjunktur sonder wegen der Entwicklung. Vieles hat sich in Deutschland seit dem Mauerfall geändert, aber in gewisser Hinsicht auch nichts. Die Änderungen, die stattgefunden haben, schienen kleine und vorhersehbare gewesen zu sein. Nicht die gegenwärtige Politik ist relevant, sondern alles das, was zu ihr geführt hat und was sich in ihr verbirgt. Anders gesagt: Richtig relevant ist die nächste Wahl nicht, sie wird in vielerlei Hinsicht genauso wenig verändern wie die letzte; relevant ist, wie es dazu kam, dass Wahlen heute so sind wie sie sind und wie man diese Art von Politik rechtfertigen und kritisieren kann. D.h. relevant ist nicht, ob schwarz oder rot dran ist, sondern das System, in dem sich schwarz und rot hin und her bewegen. Weiterlesen »

Seiten:1234»

Die Endlosrekursion

Die Endlosrekursion ist ein gemischter Gemeinschaftsblog mit den Themen Philosophie, Recht, Leben, Gedichte, Gesellschaft, Kultur, Medien und Fotografie. Die Endlosrekursion verfolgt kein klares Ziel, sondern stellt vielmehr ein Experiment des versuchten Schreibens mit Spaß, Anstrengung und Anspruch dar.

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