Zärtlichkeit Zwei.
Es gibt kaum mehr Musik, die zu berühren weiß. Noch seltener findet man welche, die sich nicht mit dem bloßen Antasten, mit einem flüchtigen Streifen, das dem kurzen, achtlosen Anrempeln eines gestressten Geschäftsmannes in einer Frankfurter S-Bahn zur Rushhour gleicht, zufrieden gibt.
Musik, die mehr verlangt, ist der Jude der Musikindustrie.
Die Sehnsucht nach dem gewohnten Fühlen wird auf mannigfaltige Weise gestillt. Das Sehnen nach der Sucht bedarf ebenso wie die Sucht nach dem Sehnen lediglich eines Knopfdruckes zur Befriedigung. Der Sender spielt keine Rolle. Die überall ertönenden Liebesbeteuerungen und Gefühlsbekundungen der Interpreten gleichen der maschinellen Fertigung von Bauklötzen. Und dennoch werden sie abgenommen. Angenommen. Aufgenommen. Weiterlesen »
Zärtlichkeit.
Sie wollen nicht enden. Die leeren Straßen umgeben ihn mit so viel Bestimmtheit und Unausweichlichkeit, wie das sich immer enger schnürende Band einer von Tragödien heimgesuchten Familie. Austauschbare Gebäude stehen vergessen am Straßenrand, gleichen seit Jahrzehnten ungelesenen Büchern in einem Regal aus mittlerweile brüchigem Birkenholz. Sie sind nicht da, obgleich sie augenscheinlich hier sind. Sie verschwinden mit jedem Blick, der sie berührt, vergilben unter dem Eindruck ihrer sichtbaren Unsichtbarkeit. Weiterlesen »
Im Lotto gewonnen!
“Ich habse, ich habse wirklich. Ich bin ja so glücklich, ich bin reich, ich bin auf dem Höhepunkt meines Lebens.” – So oder so ähnlich könnte jemand heute Abend ausrufen, wenn 30 Millionen den Besitzer wechseln und einen Glückspilz zum “glücklichsten” Menschen der Welt machen. 30 Millionen sind eine riesen Stange Geld, die für uns kaum vorstellbar ist. Kann man ja gar nicht ausgeben und dass man sich auch wegen des Geldes nicht ändern wird, sind typische Reaktionen auf die Frage, was man mit dem Lottogewinn machen würde. Ich nehme mich da nicht aus, würde ich mir doch wohl vor allem den Traum erfüllen, mein Leben lang studieren zu können. Aber so ein paar Kleinigkeiten würde ich mir schon gönnen und meiner Freundin sicher auch. Sicher auch meiner Familie und meinen Freunden etwas Gutes tun. Und da fängt das Problem schon an.
Du wirst dich vielleicht nicht ändern. Erstmal. Aber die Menschen um dich herum werden sich ändern und darauf bleibt dir nichts anderes übrig als zu reagieren. Wie auch immer. Das Problem am Bekanntwerden eines solchen Gewinnes im Freundes- und Bekanntenkreis ist doch die teils unbewusste, teils bewusste Erwartungshaltung. Geld korrumpiert, auch wenn es um Freundschaft geht. Weiterlesen »
Der Geruch der Geschichte
Das Stelenfeld ist schon beeindruckt wie es sich hinzieht, Zwergen an den Schultern von Riesen, hunderte Meter weit. Aus der Ferne sieht man einen einzelnen Sicherheitsmann seine Runde gehen, gelangweilt, bevor man in dem sorgsam geordneten Gewirr verloren geht. Man taucht hinab in die Formation, der Boden bewegt sich in heftigen Wellen auf und ab, die rissigen manchmal winzigen, manchmal riesigen Metallquader sorgen dafür, dass man friert, auch wenn es nicht kalt sein sollte. Die Hand gleitet über eine Speziallackierung der Degussa, gegen Schmierereien. Hier und da macht man den Gestank von Urin aus, feige verströmt er Unwürde.
Schaut man sich um, so verwandelt sich das Metall langsam, kaum merklich, in Menschen, wie sie stehen, sich stützen, sich bedrängen, in Warschau, in Hamburg, München, Wolfsburg, Kassel, Wien, Belgrad, Antwerpen, Lyon, Den Haag, Überall, laboratoire d’enfer. Sie warten auf den Zug. Auf ihren Zug. Weiterlesen »
Ach ja, die Ästhetik
Es gibt Tage, an denen fühlt man sich, gelinde gesprochen, beschissen. Man ist unrasiert, müsste eigentlich mal wieder zum Friseur und die Klamotten, die man morgens, mit dem vorausschauenden Unwillen dem Tag gegenüber, aus dem Schrank gezogen hat, passen weder zusammen, noch sind sie einzeln das, was man selbst als kleidend empfinden würde. Kurz, man fühlt sich zwar nicht grundlegend unattraktiv, aber weiß um seine tagesbedingte Hässlichkeit. Bedingt durch, Laune, Tag und deren Vermischung.
Aber es kann auch ganz anders laufen. Man fühlt sich unrasiert männlich, freut sich auf den Tag und will mal wieder etwas riskieren. Die Klamotten werden dem rebellischen Empfinden angepasst und die selbe Kleidungskombination, die einen Tage zuvor einer grauen Maus gleich gemacht hat, können heute dafür sorgen, dass man mit durchgedrücktem Rücken, aufgerichtet durch die Uni läuft. Freude schöner Götterfunken. Weiterlesen »
Die Endlosrekursion
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