Körper als Verhängnis
Das Leben kreist um das Unmittelbare. Das Unmittelbare umfasst das Augenscheinliche. Das Augenscheinliche verweist auf den Anderen. Nur er vermag als einziger ganzheitlich von dem alle Sinnesorgane Anführenden wahrgenommen zu werden. Das, was dem Auge erscheint, ist alles, was ist. Newtons Worte sind selbst dreihundert Jahre nach der Veröffentlichung der Philosophiae Naturalis Principia Mathematica laut und deutlich zu vernehmen. Alles was zählt, sei Erscheinung. Im Zeitalter von Magazinen, Fernseher und Computer wurde sie zum Architekten der ganzen Welt.
Die Metaphysik ist beerdigt worden. Newton, ihr spottender Grabredner. Seine Worte müssen als Epizentrum verstanden werden. Die industrielle Revolution sowie die industrielle Tötung von Millionen knüpfen als Schlussformel nahtlos an seine Ansprache an. Technik musste den Körper erst ersetzen um ihn anschließend kalkuliert auslöschen zu können. Das Unmittelbare, das vermittels des Anderen auf uns selbst verweist, wurde unverrückbar in den Mittelpunkt des menschlichen Lebens verankert. Alles was ist, ist fortan Körper. Wissenschaft, Angst und Tod: dessen grobe Geburtshelfer. Weiterlesen »
Psychologie des Wahnsinns
Auch wenn Shining mit Jack Nicholson ein gern an Weihnachten gespielter Film ist, soll es nicht um durchgeknallte Psychopathen gehen. Es geht im weitesten nicht einmal um Psychologie. Es geht darum zu schreiben. Es geht folgend dann um die emphatische Ebene des Geschriebenen, um den aufnehmenden Leser. Es geht sonst wohl eher um den Text und was er denn zu sagen hat. Dieser hier nicht viel, er will nur zeigen. Ja spielen auch.
Was denkt ihr, wenn ihr einen Text lest und seht, dass er an Heiligabend um 22 Uhr gepostet wurde? Weihnachten, das Fest der Familie, der Freunde und Freude, Weihnachten als Fest der Zweisamkeit und einer sitzt da draußen und schreibt einen Blogartikel. Weiterlesen »
Das Leben ist schön
“Das Leben ist schön” (La Vita è bella) ist ein komischer Film und zwar ganz eindeutig komisch. Das Wort “komisch” ist so eindeutig wie das Leben. Man kann ihm zwar zwei Bedeutungen zuordnen, aber die Grenzen werden verschwimmen, egal wie sehr man den Unterschied betont. Komisch kann ungewohnt, anders heißen, aber auch lustig, erheiternd. Komisch ist schon ziemlich komisch und Roberto Benigni’s Film ist genau das.
Filmtechnisch zweigeteilt mit dem lockeren Leben und der Liebe des Juden Guidos und der gut bürgerlichen Dora in der ersten Hälfte des Films und der Zeit im Konzentrationslager, die den Rest des Films einnimmt. Doch der Film lässt sich nicht zweiteilen, auch wenn dem Zuschauer ganz und gar klar ist, dass mit dem Abtransport von Guido und seinem Sohn ins KZ der Spaß des Lebens vorbei sein muss. Er ist auch vorbei, doch “Das Leben ist schön” will dennoch nicht den schwarz-weißen Kontrast eingehen, wie dies Schindlers Liste beispielsweise tut. Der Film bleibt komisch, denn lustig möchte ich nicht verwenden. Guido versucht seinem Sohn das Grauen des KZ zu nehmen indem er ihm erklärt, dass dies alles nur ein Spiel sei. Ein hartes Spiel zwar, aber es geht ja auch um einen super Preis: einen nagelneuen Panzer. Weiterlesen »
Die Versöhnung des Unversöhnlichen
Kant setzte den verzweifelten Versuchen, den Widerspruch, der sich aus dem Vorhandensein von Übel und Bösem in der Welt sowie dem Glauben an einen allwissenden, allmächtigen und vor allem allgütigen Gott ergibt, aufzulösen, ein jähes Ende. Die Vernunft und das mit ihr verbundene menschliche Erkenntnisvermögen, die alleine Licht in das Dunkel jener Sache hätten bringen können, wurden entschieden in ihre Schranken verwiesen. Der Aufschwung zu solchen Aussagen überschreite ihren Zuständigkeitsbereich. Sie stießen unerbittlich an ihre Grenzen. Im Glauben versunken blieb dem Menschen vorkantischer Zeit nichts anderes übrig, als das ihm widerfahrene Leid geduldig zu ertragen, in der festen Überzeugung, hierfür gäbe es nachvollziehbare Ursachen – wenn auch schwer ergründbare. Dieses Dulden des mittlerweile Unduldbaren hatte dem emporsteigenden kantischen Subjekt in der Loslösung jeglicher feudaler Fesseln zu weichen. Im Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit wich die vermeintliche Ohnmacht jedes Einzelnen dem Bewusstsein seiner selbst, der eigenen Verfügbarkeit: der Macht über das eigene Leben. Weiterlesen »
Das intellektuelle Umfeld der weißen Rose
Den Titel dieses Artikels trägt ein Hörbuch von Barbara Ellermeier und untersucht sowohl die Geschichte, als auch den literarisch-gedanklichen Hintergrund der Weißen Rose. Die Weiße Rose ist zu einem Symbol für den innerdeutschen Widerstand im 3. Reich geworden. Und mit diesem Symbol, mit den Menschen hinter diesem Symbol, beschäftigt sich das Hörbuch. Die Namen Hans und Sophie Scholl werden dem Leser dieser Zeilen in den Sinn kommen und es hat sicher seine Berechtigung, dass die Geschwister Scholl meist allein im Geschichtsunterricht auftauchen. Ellermeier möchte aber auch die anderen Personen im Kreis der Weißen Rose betrachten, ihre Umwelt, ihre Einflüsse, die Gedanken, die sie getrieben haben, ein so gefährliches Unterfangen zu betreiben. Hitler zu stürzen und die deutschen Intellektuellen aus ihrem verängstigten, geistigen Koma zu erwecken um dem beschämenden, wahnsinnigen und schrecklich grausamen Diktat der Nazis ein Ende zu bereiten. Weiterlesen »
Die Endlosrekursion
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