Elvis und Carreras
Ich bin Menachem, gehöre zu den Neuen und stelle auf diesem blog vielleicht das Äquivalent zu den anderen Autoren dar. Einerseits bin ich natürlich gespannt, welchen Weg wir zwischen Jung und Alt finden, aus unterschiedlichen Lebensperspektiven Neues für uns zu entdecken. Anderseits bin ich auch der Mann von der Straße, der Laienphilosoph. Aber da sag ich mir, auch Elvis hat nie eine Gesangsschule besucht, im Gegensatz zu Carreras. Und doch haben beide in ihrer Art vielen Menschen unvergessliche Stunden schenken dürfen.
Und ich glaube, das ist mit das Entscheidende, nämlich, welche Freude der Empfänger empfindet. Der Zuhörer von Ave Maria, berührt vom Inhalt und der Melodie, begeistert von der schönen Stimme und der einzigartigen Gesangstechnik, erlebt nicht minder schöne Momente bei “love me tender” oder das leichte Schaudern bei “in the Ghetto”.
Die Fragen wiederholen sich: Was ist gut, was ist schlecht, was ist Kunst, was ist Kitsch.
Und die Antworten und Urteile werden meist von denen gegeben, die sie sich dazu berufen fühlen, ein kompetentes Urteil abgeben zu können. Ja, sie können es – aber doch nur für sich. Aus der persönlichen Einschätzung, dem Gefallen bzw. dem Missfallen, eine allgemein gültig Richtlinie abzuleiten, bedeutet, über die Köpfe und dem individuellen Geschmack Anderer zu entscheiden.
Dass ein Beitrag auch oft zur Klärung einer eigenen, inneren Zwiespältigkeit führen soll, unbewusst, dessen Faden ich am Anbeginn noch gar nicht sehe, erkenne ich auch hier. Es gibt Kaufleute, die weitaus erfolgreicher sind als ich, und in ihrem Leben noch nie eine einzige Vorlesung der Betriebswirtschaft gehört haben.
Auch das wiederholt sich immer wieder. Die Übungen zur Toleranz und Akzeptanz. Üben müssen wir vielleicht immer wieder das, was uns die Natur nicht als Grundausstattung mit in die Wiege gelegt hat.
Internet-Gesellschaft?
Angeregt durch Überlegungen zum Online-Leben und dem häufigen Gebrauch des Begriffs „Gesellschaft“ drängte sich mir die Frage auf, was mit diesen Begriff in Bezug auf Austausch über das Internet noch aussagbar ist? Gesellschaft wird im allgemeinen (nicht soziologisch, das ist eine ganz eigene „Gesellschaft“ :) ) als eine fest umrissene Gruppe – mit gewissen Auflöseerscheinungen an den Rändern – verstanden, die unter eine bestimmte Kategorie fallen, z.B. deutsch, schweizerisch, texanisch, spanisch sprechend, akademisch, intellektuell oder berlinerisch. Jede Gesellschaft hat soziale Gemeinsamkeiten, die über die soziale Gemeinsamkeit ein Mensch zu sein, hinausgehen. Die Menschheit an sich als eine Gesellschaft zu definieren, ermöglicht kaum eine sinnvolle Untersuchung.
Im Begriff „Gesellschaft“ schwingt oft der Begriff „Kultur“ mit, Weiterlesen »
Armut, Reichtum und die Mitte
Politik müsse Mehrheiten organisieren, hieß es neulich im Deutschlandfunk. Wie geht das? Wo und wie, das heißt, in welcher Organisation ist diese Mehrheit, oder sind diese Mehrheiten, organisiert? Wortklaubereien? Nein, denn diese Wortwahl impliziert eine Sicherheit, die Politik in ihrem Wirken nicht mehr hat.
Vor einiger Zeit ließen Amts- und Mandatsträger verlautbaren, der Aufschwung komme an. Gemeint war: bei den Menschen. Anlass waren wohl sinkende Arbeitslosenzahlen oder ähnliches. Dieser Tage nun hat sich die Bundesregierung mit dem Dritten Armuts- und Reichtumsbericht selbst Zahlen vorgelegt, die das Gegenteil aussagen: Die Gesellschaft verarmt.
Ein Widerspruch ist das nicht. Beide Nachrichten verweisen auf ein drittes Phänomen: Die wegbröckelnde Mittelschicht. Diese Schicht ist (oder war) nicht nur ein ökonomisches Phänomen, sondern auch ein politisches, schließlich versinnbildlicht sie die „Mitte“, der sich fast alle Parteien verschreiben, wo alle Parteien hin wollen.
Was ist dran an der Mitte? Und was ist so dramatisch an ihrer Auflösung?
Konsumiertes Vertrauen: Der olympische Bumerang
Olympia verkommt langsam zu einem Fiasko für alle Beteiligten, obwohl die Spiele noch gar nicht angefangen haben. China sieht sich massiver Proteste ausgesetzt und stellt sich, medial zelebriert, immer weiter in die Ecke der Diktatur mit überhaupt keinem Antlitz. War das Image des roten Riesen bisher zwar sicher kein positives, so kippt die Stimmung gerade und es wird nicht mehr geglaubt, dass ein Staat, der mit solch massiven Problemen kämpft, sich trotzdem auf einem insgesamt “richtigen” Weg befindet. Demokratie braucht Zeit und China lässt sich eben nicht in 20 Jahren vom Saulus zum Paulus reformieren. Die Härte, mit der die “moderaten” Kommunisten fernöstlicher Prägung gegen die Freiheitsliebe Tibets vorgehen und zudem eine Propagandaschlacht gegen die westlichen Medien fahren, wird auch den letzten medial beeinflussten Menschen zum potentiellen “Free-Tibet T-Shirt Träger” machen. Vor allem, da unsere Medien diesen Fehdehandschuh der Chinesischen Staatsführung gerne aufnehmen. Dabei ist es egal, ob China legitim handelt oder nicht, denn diese Frage stellen sich unsere Medien nicht. Es werden Vorhänge aufgebaut. Das stelle ich erstmal kritiklos fest. Mir fehlt der geopolitische Hintergrund, um irgendwelche Beurteilungen vorzunehmen.
Die mediale Aufmerksamkeit der Olympischen Spiele wird zum Bumerang. Ich denke, viele an den Spielen Beteiligten würden sich um weniger Berichterstattung im Moment sicher freuen, denn diese wird zum olympischen Bumerang.
Doch frage ich mich, wen diese Propagandaschlacht wirklich trifft. Denn China wird sicher nicht unter dem Image leiden, dass die westlichen Medien gerade aufbauen. Alle westlichen Staaten, die jetzt demonstrativ den Dalai Lama treffen, oder treffen wollen, erwägen keine Vertreter zu den Olympischen Spielen zu schicken oder den Papiertiger frei zu lassen und ihn drohend gegen den chinesischen Drachen in Stellung zu bringen, wollen sie wirklich mehr, als auf den medialen Zug aufspringen? Diese Staaten sind in Zukunft darauf angewiesen mit der neuen Wirtschaftsmacht China zu kooperieren und Menschenrechte nur soweit anzuprangern, dass keine wirtschaftsfördernden Verträge platzen. Man ist mit dem roten Riesen ebenso verbunden, wie man beispielsweise mit dem menschenrechtlich auch nicht immer einwandfrei agierenden USA verbunden ist. Guantanamo ist nicht Tibet, aber wirkungsvolle Aussagen deutscher Politiker bleiben dazu ebenso aus. Menschenrechte sind ein oft teuer erkauftes Gut, das aufgrund seiner Unbezahlbarkeit, nicht für Wachstum und wirtschaftliche Beziehungen verkauft werden sollte.
Scheuklappen
Ich kann wirklich nicht verstehen, wie man aus unten stehenden Daten über die politisch motivierte Kriminalität in Deutschland eine solche Überschrift machen kann: “Linke Gewalt nimmt dramatisch zu” titel die Bild Welt. Schaut euch bitte diese Grafik an, lest euch den Bericht vom Bundesministerium des Innern durch und dann lest den Artikel der Welt und sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt. Mir ist schlecht geworden vom ganzen Kopfschütteln.

Die Endlosrekursion
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