Tausend und eine These über das Internet

Das Internet als Meinungsnetz, als Verbraucherplattform und als Austauschbasis derjenigen, die sonst nicht gehört werden, ist eine oft vertretene Perspektive, die sicherlich einen guten Zugang zu dem bietet, was wir am Internet immer mehr zu schätzen lernen. Die These hat viele Stärken, allen voran die demokratisch-ökonomische Aussage, dass es nicht nur wichtig, sondern für den demokratischen Prozess innerhalb einer immer anonymer werdenden Ökonomie unverzichtbar ist, dass Verbraucher, Wähler, Kunden und Arbeitnehmer sich vernetzen und das Internet die Möglichkeit dazu bietet. Ob dies so auch genutzt wird, wissen wir nicht und müssen uns mit Beispielen behelfen.

Doch wann immer Beispiele und keine fundierten und ausgewiesene Statistiken zur Hand sind, das Themenfeld sich aber nicht einfach theoretisch abhandeln lässt, finden sich auch Gegenbeispiele, die selbst starke Thesen abschwächen.

Ein solches Beispiel möchte ich hier mit euch diskutieren. Blogs und Foren sind wohl die Kommunikationsformen, die am Ehesten zu Rate gezogen werden müssen, möchte man das Internet als Meinungs- und Austauschnetz beschreiben.

Ich habe vor mittlerweile 2 Jahren mal einen Artikel auf meinem Onezblog geschrieben, den ich mit “Wahre Liebe ist eine Entscheidung” übertitelt habe. Die Überschrift sagt alles über den Artikel aus, ich möchte auch gerade nicht primär den Inhalt diskutieren, sondern exemplarisch einen Kommentar zu diesem Artikel behandeln, der mich eine Schwäche in der oben beschriebenen These aufzeigen lässt. Gestern schrieb ein mir unbekannter Mathias folgenden Kommentar zu dem Artikel:

Die liebe sucht sich ihre protagonisten, und nicht umgekehrt, und deswegen ist wahre liebe keine entscheidung, sondern eine berufung.

Dies ist kein Auszug aus dem Kommentar, sondern er wurde genau so abgegeben. Seine These ist sicherlich zu stützen und sein Kommentar wäre sicherlich eine gute Einleitung zu einer Kritik an meinem Artikel. Nur, die Kritik fehlt. Was dort steht ist eine Meinung ohne ausgeführte Gründe. Ich unterstelle meinen Kommentatoren immer gute Gründe zu haben, auch wenn auf Nachfrage zu solchen Kommentaren selten Ausführungen kommen. Wohl weniger, weil die Ausführungen dem Kommentator nicht möglich sind, sondern, weil er meine Nachfrage wahrscheinlich nicht lesen wird.

Und diese Anonymität, die in der obigen These gerade zur Stärke ernannt wird, weil nur so ein Jeder seine Meinung sagen kann, ohne Repressionen zu fürchten oder von diesen Beeinflusst zu werden, so wird die Anonymität des Internets hier und in vielen weiteren Fällen zum Problem. Meinung wird verbreitet, Austausch findet dadurch aber nicht automatisch statt. Denn was bringt es mir diese Meinung zu lesen, wenn mir der Hintergrund vollkommen unbekannt ist, wenn die Gründe fehlen, wenn Nachfragen nicht beantwortet werden.

Meinung und Austausch in der oben genannten These sind nicht das Problem, denn das kann man ohne weiteres massenhaft im Internet finden. Doch ob die Bewertung dieses Meinungsaustauschs darf nicht so oberflächlich geschehen. Das Internet kann sicherlich in den demokratisch-ökonomischen Problembereich eingreifen und dort Veränderungen hervorrufen, doch ob dies schon geschieht, wie die immer wieder angeführten Beispiele zu bewerten sind, muss sich erst noch herausstellen. Sicherlich müssen wir zur Überprüfung solcher Thesen nicht warten, bis sie Geschichte geworden sind, aber wir sollten versuchen unseren Enthusiasmus oder auch unseren Pessimismus  soweit aus der Beschreibung des Internets herauszuhalten, dass nicht jede Beschreibung des Internets nur eine wissenschaftlich anmutende Zusammenfassung des eigenen Interesses am Internet darstellt.

Thesen über das Internet gibt es wohl so viele, wie es Leute gibt, die Thesen über das Internet aufstellen. Ich denke, es wird Zeit, dass sich die Wissenschaft nicht nur “zum Spaß” mit dem Internet beschäftigt. Denn die gesellschaftliche Relevanz des Internets lässt sich schon durch die Nutzungszahlen jedenfalls erahnen. Dabei ist es dann ganz egal, ob die Leute im Internet verdummen, endlich die ökonomische Ausgleichsfunktion zur Macht des Anbieters finden, nur auf subjektive Einzelmeinungen treffen oder eben die digitalen Klowände betrachten. Sobald mehr als die Hälfte einer Gesellschaft ins Internet geht, kann man sicher sein, dass sie sowohl das Internet verändern, als auch durch dieses verändert werden. Und diese Veränderung sollten wir nicht nur im Selbstexperiment versuchen darzustellen.

Raphael 2 Kommentare Kategorie: Gesellschaft Donnerstag, der 7. August 2008

Eye of the Elefant

Auge

Johannes Factotum 2 Kommentare Kategorie: Fotografie Sonntag, der 3. August 2008

Erkenne dich selbst

Ja, es ist ein Wunsch von mir. Oft habe ich daran und darüber nachgedacht. Nie sehr intensiv. Wohl ahnend, dass es nur Zeitverschwendung ist. Ich kann dies nicht wie ein Thema zu einer Arbeit oder Klausur nehmen, schreiben – und am Ende ist das vermeintliche Rätsel gelöst.Ich trage diese drei Worte schon lange in mir. Geduldig. Kräfte sammelnd, bis ich bereit bin, wieder hinzuschauen. Das Leben drückt und schiebt mich nach vorn. Auf einem mühevollen steinigen Weg gehend wache ich auf, wie aus einer Trance, und stehe vor dem Orakel. Erschrocken. Hier bin ich also. Zurück – kann und will ich nicht mehr. Der Narben sind zu viele. Ich hatte mir diesen Weg anders vorgestellt, angenehmer und einfacher.

Eine Aufforderung. Eine persönliche. Die persönlichste? Am Licht des Menschen, dürfen alle teilhaben. Was ich gut und vorbildlich kann und mache, sehen und erkennen alle. Aber warum? Warum tue ich, was ich tue?

Das Licht leuchtet immer, das Dunkel willl erhellt werden. Und die Antwort ist mir bekannt. Jedoch, sie erscheint mir viel zu einfach. Nichts für mich. Ich gehöre nicht zu den einfachen Antworten, bin nicht jeder. Der Mut verlässt mich. Zeit soll neue Antworten finden. Und dann, Nein, ich will nicht sein wie jeder. Doch, Nein, doch… Wer und was kämpft hier?

Für mich nehme ich aus diesen Gedanken und Wowiks “guten Krieg” mit, das nicht wichtig ist, wer und was in diesem Kampf siegt oder verliert, sondern, das ich das alles bin.

“Zerrissen sind die Fahnen
Die Erde ist verbrannt
Dies soll mich ewig mahnen
Dass ich mich selbst verkannt`”(Wowik)

Menachem 9 Kommentare Kategorie: Leben Donnerstag, der 3. Juli 2008

Postmoderne Fragmente

Um hier eine neue Serie einzuführen, der ich gerne den Namen postmoderne Fragmente geben möchte, bietet sich nichts besser an, als der wohl tiefste Dialog eines Genres, das nur die Postmoderne in diesem Maße befördern konnte: dem Porno. Wurde der Welt zwar schon mit den Tagebüchern des Marqui de Sade die Richtuing ihres Werdens gezeigt, so ist doch der Geist im Alltag, die Dialektik im Profanen neu und diese Tiefe aufzuzeigen den postmodernen Fragmenten vorbehalten. Diesmal gehen wir der Frage “Warum liegt hier überhaupt Stroh” nach:

Wer meint, hier ginge es um den Sex und somit die Konstruktion des Menschen in seinem Streben nach mehr als reiner Rekonstruktion seiner DNA, der sieht sich getäuscht, ist doch dieser Dialog die Entbergung des Willen zum Selbst durch die entgültige Dekonstruktion der kausal-vergeistigten Wirklichkeit.

Raphael 5 Kommentare Kategorie: Blog Sonntag, der 29. Juni 2008

Tagesan bruch

Eine Frage zum Einstieg: Wenn der Tag anbricht, zerbricht dann der Tag, oder die Nacht?

Wir haben ein Wort für den Übergang vom Tag zur Nacht, den Sonnenuntergang, ein romantisch verspieltes und gern genutztes Sinnbild des Aufbruchs in die Stille der Nacht. morgenroete.jpgWir haben auch ein Wort für den Sonnenaufgang, Symbol des Aufbruchs und des Neuanfangs. Wir haben aber keine Worte für die Momente vor diesen Brüchen.

Der Bruch der Nacht mit dem Tag wird meist übersehen, über-lebt. Der Alltag zieht uns weiter und lässt uns höchstens dem Sonnenuntergang beiwohnen, als bisweilen allzu malerisches Naturkunstwerk. Denn dieses Schauspiel ist nicht der Bruch, es ist ein Überspielen. Ebenso verhält es sich mit dem Bruch der Nacht hin zum Tage. nacht.jpgNicht die mystisch aufgeladene Morgenröte, für die es sich aufzustehen lohnt, bricht mit der Nacht, sondern das aufgeladene Schweigen wenn der Tag noch nicht beginnen will und die Nacht schon ihre Magie verloren hat.

Morgenröte und Sonnenuntergang sind vom grau geleitet, so farbenfroh sie uns Betrachter auch in ihren Bann zu ziehen versuchen. Sie sind uns Abwechslung zum grauen Alltag, zum grauen Licht des Tagesanbruchs. Sie sind Konsum und dem Kunstwerk entgegengesetzt. Der Bruch ist die eigentliche Lücke des Schauspiels der Natur. Der Bruch muss nicht verführen durch Farbenspiel und Romantik. Der Bruch braucht weder Vogelgezwitscher noch einen Strand mit breitem Horizont. luecke.jpgDer Bruch will verstanden werden, ohne verstanden zu werden.

Die Lücke, die sich jeden Tag auftut zwischen der Zeit in der wir funktionieren und arbeiten sollen und der Zeit in der wir funktionieren und Schlafen sollen ist das Kunstwerk meines Lebens.

Diese Lücke füllt meinen Tag, an dem ich Schlafe, weil ich in der Nacht gearbeitet habe, füllt meine Nacht, in der ich lese, weil auch das Arbeit ist. Doch was ich auch tue, ich warte auf die Lücke, den Bruch, das Brechen, das kein göttlicher Künstler für mich erschuf, sondern immer wieder aufs neue hervorgerufen wird, von mir. Dem einzigen Künstler, den ich nie werde verstehen können.

Oder mit den Worten eines Philosophen: der Bruch des Lebens widerfährt mir durch mein Erfahren des in der Welt-seins dieses Bruches und mir selbst. Die Lücke erfüllt so nicht nur das Kunstwerk meines Lebens, sondern schluckt ebenso das Rauschen, das alles begleitet.

Gedanken sind die Lücke des Lebens – das Kunstwerk im Kunstwerk

Raphael 3 Kommentare Kategorie: Leben Mittwoch, der 25. Juni 2008
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