Eine oft gestellte Frage, die sich auch auf vieles andere übertragen lässt. Dabei habe ich den Eindruck, das nicht eine wirkliche Antwort erwartet wird, sondern eher, eine eigene Positionierung. Ein ähnlicher Sachverhalt ist:
5000 – 10000 Jahre vor Adam und Eva begann die Aufspaltung zwischen Jägern und Sammlern auf der einen Seite, und als Folge der Landwirtschaft die Sesshaftigkeit der Menschen auf der anderen Seite. Die Landwirtschaft war durch ihre größeren Erträge in der Lage, mehr Menschen zu ernähren. Und somit:
Wuchs nun die Bevölkerung, weil immer mehr Nahrung durch die Landwirtschaft vorhanden war, oder wuchs die Landwirtschaft, weil es immer mehr Menschen zu ernähren galt?
Der Autor Jared Diamond, der sich in seinem Buch „Arm und Reich“ u.a. auch mit dieser Frage beschäftigt, kommt zu dem Schluss, dass wohl beides zutrifft und es sich um eine gegenseitige Rückkopplung handelt. Diesen Vorgang bezeichnet er als „autokatalytisch“. Ein Prozess, der aus sich heraus an ständiger Eigendynamik zunimmt.
Dieser Mechanismus hat mich jetzt bei der Frage des „coaching“ beschäftigt, dem Trend, dem sich scheinbar immer mehr Menschen anschließen – vielfach, aus Gründen der beruflichen Karriere. Punktuell und zielgerichtet.
Dabei glaube ich, das „coaching“ nicht erst der Beginn einer solchen Entwicklung ist, sondern bereits ein Produkt des bereits eingesetzten Rückkopplungssystems. Auch wenn ich aufgrund meines Alters nicht mehr so sehr davon betroffen bin, so stellt sich mir doch die Frage, wohin dieser Weg führt? Der Einzelne mag das als persönlichen Vorteil nutzen wollen, aber wollen wir dies auch als Gesellschaft? Was gewinnen wir dabei, was verlieren wir dabei? Erzeugt das alles nicht noch mehr Leistungsdruck und vor allem: SELEKTION?
Ob ich jetzt schwarz male, weiß ich nicht, jedoch sehe ich in diesen Kettenreaktionen das große Problem, sie anzuhalten, wenn sich andere Erkenntnisse ergeben. Da kann, wie in Tschernobyl, das Ganze unter noch so viel Beton begraben werden, es frisst sich immer wieder durch.




