Es gibt kaum mehr Musik, die zu berühren weiß. Noch seltener findet man welche, die sich nicht mit dem bloßen Antasten, mit einem flüchtigen Streifen, das dem kurzen, achtlosen Anrempeln eines gestressten Geschäftsmannes in einer Frankfurter S-Bahn zur Rushhour gleicht, zufrieden gibt.
Musik, die mehr verlangt, ist der Jude der Musikindustrie.
Die Sehnsucht nach dem gewohnten Fühlen wird auf mannigfaltige Weise gestillt. Das Sehnen nach der Sucht bedarf ebenso wie die Sucht nach dem Sehnen lediglich eines Knopfdruckes zur Befriedigung. Der Sender spielt keine Rolle. Die überall ertönenden Liebesbeteuerungen und Gefühlsbekundungen der Interpreten gleichen der maschinellen Fertigung von Bauklötzen. Und dennoch werden sie abgenommen. Angenommen. Aufgenommen. Weiterlesen: Zärtlichkeit Zwei.
Es gibt Evolutionsfundamentalisten, die meinen, die Evolutionstheorie sei eine Wahrheit und keine Theorie mehr. Sie meinen, damit bewiesen zu haben, dass Gott, welcher Ausprägung auch immer, nicht existiert. Richard Dawkins ist einer dieser Fundamentalisten und im deutschsprachigen Raum dominiert Ulrich Kutschera die populärwissenschaftlichen Evolutionsdebatten. Evoltion ist ein Fakt, keine Theorie. Wenn Evolution ein Fakt ist, kann Gott nicht existieren. So sieht vereinfacht der polemisch geführte Kampf gegen Kreationisten und Anhänger der Intelligent Design Theorie aus. Doch das ist nicht nur zu einfach, sondern schlichtweg falsch.
Den selben Fehler hat Ludwig Feuerbach begangen und es scheint so, als wäre es schwieriger aus Fehlern zu lernen, als ich bei solch intelligenten Wissenschaftler, die in ihren Bereichen Großes geleistet haben, zugetraut hätte. Feuerbach stellte seiner Religionskritik eine Genese der Religiösität zur Seite, die zeigen sollte, dass alles, was der Mensch sich unter Gott vorstellt, die Projektion seiner Wünsche sei. Wir machen uns Gott um uns Wünschen zu können, eines Tages unsere Unzulänglichkeit zu verlieren. Weiterlesen: Feuerbach und die Evolution
Auch wenn Shining mit Jack Nicholson ein gern an Weihnachten gespielter Film ist, soll es nicht um durchgeknallte Psychopathen gehen. Es geht im weitesten nicht einmal um Psychologie. Es geht darum zu schreiben. Es geht folgend dann um die emphatische Ebene des Geschriebenen, um den aufnehmenden Leser. Es geht sonst wohl eher um den Text und was er denn zu sagen hat. Dieser hier nicht viel, er will nur zeigen. Ja spielen auch.
Was denkt ihr, wenn ihr einen Text lest und seht, dass er an Heiligabend um 22 Uhr gepostet wurde? Weihnachten, das Fest der Familie, der Freunde und Freude, Weihnachten als Fest der Zweisamkeit und einer sitzt da draußen und schreibt einen Blogartikel. Weiterlesen: Psychologie des Wahnsinns
In der heutigen Leseempfehlung geht es ums Schreiben. Es geht ums journalistische Schreiben und den Bruch zum Onlineschreiben. Es ist vor allem an Blogger gerichtet und ich spreche meine Mitschreiber an, sich diese drei Texte mal anzuschauen und sich Gedanken dazu zu machen. Nicht weil ich ihnen damit etwas sagen will, sondern weil ich denke, dass es nie schadet über sein eigenes Geschwurbel nachzudenken und sich schreiberisch Ziele zu setzen.
Medienlese | Schluss mit der Lektürefolter versucht das Onlineschreiben abzugrenzen von den ehernen Regeln des Print-Journalismus. Ein großartiger Text, um sich zu fragen, was man denn eigentlich selbst so schreibt. Will man sich in die Onlineecke stellen lassen, oder kann man es vielleicht gar nicht besser? Eine wirklich gute Charakterisierung des Schreibens, mit einem Ausblick, dem ich mich gerne anschließe.
Krusenstern | 10 Tipps für bessere Weblog-Texte ist genau das, was der Titel aussagt. Journalistische Mittel und Tipps auf das Bloggen übertragen um die Möglichkeiten des Bloggers zu erhöhen, seine Leser zu erfreuen. Man wird nach dem Lesen dieses Textes nicht wissen, wie die Profis schreiben, aber man weiß, woran man noch arbeiten könnte.
Auf dem Wörterblog ist ein gleichnamiger Text erschienen, der dafür plädiert, sich die Tipps von Krusenstern nicht so genau zu Herzen zu nehmen und lieber seine Persönlichkeit in den Vordergrund zu stellen. Der Leser von Weblogs ist schon informiert, wenn er bei dir aufschlägt, dann will er Meinung und Analyse. Er will dich und deine persönliche Art mit Themen umzugehen. Unbedingt auch lesen!
Ihr habt es in der Hand!
Heute titelt Spiegel Online “Zahlreiche Muslime in Deutschland sind gewaltbereit” und erfüllt unserem Innenminister den Wunsch, die Angst vor Muslimen weiter zu schüren. Dass im Artikel die Aussage soweit relativiert wird, dass die Überschrift geradezu grotesk wirkt, ist typisch fürs Boulevard, erreicht aber eben auch immer mehr die “seriösen” Medien. Man könnte z.B. einfach fragen, was denn “zahlreich” hier bedeutet und erfährt dann, dass 6 Prozent der Muslime in Deutschland gewaltbereit sind. Das bedeutet hier zahlreich. Also wenig bis nichts. Frag mal bitte, wie viel Prozent der Deutschen gewaltbereit sind. Oder der nicht-muslimischen, aber auch nicht-integrierten Ausländer in Deutschland. Frag mal im studentischen Milieu nach, wie viele da wohl gewaltbereit sind, frag mal Fußballfans. Ich denke, dass 6 Prozent verdammt wenig ist. Wolfgang Schäuble sieht darin eine Terrorgefahr, ein “ernstzunehmendes islamistisches Radikalisierungspotential”. Aha.
Wie kommt er dazu? Nun, man muss noch mit einkalkulieren, dass immerhin 14 Prozent der Befragten Muslime mit der Demokratie nicht so recht warm werden wollen. Frag mal Studenten, was die so insgesamt von Demokratie halten. Frag mal Innenminister, was die vom Grundpfeiler unserer Demokratie halten: dem Grundgesetz. Wetten, da würden weit höhere Zahlen von nicht ganz warm mit der Demokratie Gewordenen herauskommen. Was soll das also? Warum ausgrenzen und Sündenböcke erschaffen, auf die die Angst und der Hass projeziert werden kann? Weiterlesen: 4. Macht im Staat oder Wolfgangs Wasserträger?