Lesen wir in Zukunft noch Bücher, Magazine und Zeitungen?

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Geschrieben am 19. Juni 2008 von Raphael in Medien.

Die Fakten liegen auf dem Tisch: Den Zeitungen laufen die Abonnenten davon und wandern ab ins Internet, um sich zu informieren. Das Ende des Printjournalismus scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Es wird alles digitaler. Doch es werden bei solchen Prophezeiungen einige nicht ganz unwichtige Details vergessen:

  • Die Gewohnheit
  • Die technische Entwicklung
  • Das Interesse der Elektronikhersteller an nicht zu schneller Entwicklung

Morgens zum Frühstück eine Zeitung auf dem Tisch liegen zu haben um in dieser zu schmökern ist mehr als der schiere Wille zur Information. Es geht dabei um Lebensstil, um Tradition und um eine angenehme Gewohnheit. Wer sitzt schon wirklich gerne mit seinem Brötchen und seinem Kaffee kurz nach dem Ausstehen am Bildschirm und holt sich so die ersten Kopfschmerzen des Tages ab?

Denn immer noch verursachen Computerbildschirme Kopfschmerzen, oder bei nicht so anfälligen Mitmenschen eine viel stärkere Ermüdung der Augen, als das Papier. Die Technik ist noch nicht so weit, dass digitales lesen den selben Komfort bietet wie analoges Lesen. Auch wenn mittlerweile durchaus Geräte konstruiert werden, die schon sehr nahe an die Augenfreundlichkeit des Papiers herankommen.

Doch technische Entwicklung ist in einem kapitalistischen System keine Frage des allgemeinen Wohls und Interesses, jedenfalls nicht primär, sondern wird eben von den Firmen vorangetrieben, die Geld in diese Entwicklung stecken, bzw. gesteckt haben. Und da sind bahnbrechende Fortschritte nur selten zu erwarten, wie man beispielsweise der Entwicklung von Prozessoren entnehmen kann. Die Geschwindigkeit steigt so langsam, dass es für jeden Menschen “notwendig” ist, sich alle zwei bis drei Jahre einen neuen Computer zuzulegen. Das wir schon seit etlichen Jahren Prozessoren bauen können, die die Geschwindigkeit haben, die uns heute in der Werbung als revolutionär angepriesen wird, zeigt das. Bei Bildschirmen ist das nicht besonders anders. Bezahlte man sich noch vor drei Jahren dumm und dämlich, wollte man einen 22″ Bildschirm sein eigenen nennen, ist dies heute die Standardgröße geworden und somit auch zum Standardpreis zu haben. Technisch hat sich da nicht viel geändert.

Wollen wir also Print wirklich beerdigen, müssten wir voraussehen können, wann genau wir portable Bildschirme als Massengut haben werden, die bezahlbar sind, dünn, leicht, für die Augen so angenehm wie Papier, am besten noch knick- oder rollbar, mit einer ähnlich angenehmen Habtik wie Papier und mit weiteren Vorteilen ausgestattet, die Papier nicht besitzen kann: Diese Bildschirme müssten extrem belastbar sein und somit einen deutlichen Umweltvorteil gegenüber der Massenverwendung von Papier haben. Es müsste ein allgemein verständliches und anwendbares System gefunden und sich darauf geeinigt werden, wie Bücher, Zeitungen und Magazine auf diese Screens zu laden und zu bezahlen sind.

Es heißt also durchaus vorsichtig sein mit Prognosen, wann wir kein Papier mehr verschwenden werden, um uns zu informieren. Dass dies unausweichlich ist, scheint aufgrund der Fakten eindeutig, aber Fakten geben selten die Gewohnheit des Menschen und die Struktur der Märket wieder. Ich für meinen teil glaube an diese Entwicklung, aber bin immer vorsichtig, was Prognosen angeht. Sicher bin ich mir, dass die Tageszeitung weiter Probleme haben wird ihre Leser nicht an Internet zu verlieren, die sich dort schneller, pluraler und direkter informieren können. Inwieweit sich das aber auch auf Magazine oder gar Bücher ausdehnen lässt, ist eine Frage der Entwicklung, die so nicht vorauszusagen ist.

Elvis und Carreras

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Geschrieben am 16. Juni 2008 von Menachem in Gesellschaft.

Ich bin Menachem, gehöre zu den Neuen und stelle auf diesem blog vielleicht das Äquivalent zu den anderen Autoren dar. Einerseits bin ich natürlich gespannt, welchen Weg wir zwischen Jung und Alt finden, aus unterschiedlichen Lebensperspektiven Neues für uns zu entdecken. Anderseits bin ich auch der Mann von der Straße, der Laienphilosoph. Aber da sag ich mir, auch Elvis hat nie eine Gesangsschule besucht, im Gegensatz zu Carreras. Und doch haben beide in ihrer Art vielen Menschen unvergessliche Stunden schenken dürfen.

Und ich glaube, das ist mit das Entscheidende, nämlich, welche Freude der Empfänger empfindet. Der Zuhörer von Ave Maria, berührt vom Inhalt und der Melodie, begeistert von der schönen Stimme und der einzigartigen Gesangstechnik, erlebt nicht minder schöne Momente bei “love me tender” oder das leichte Schaudern bei “in the Ghetto”.

Die Fragen wiederholen sich: Was ist gut, was ist schlecht, was ist Kunst, was ist Kitsch.

Und die Antworten und Urteile werden meist von denen gegeben, die sie sich dazu berufen fühlen, ein kompetentes Urteil abgeben zu können. Ja, sie können es – aber doch nur für sich. Aus der persönlichen Einschätzung, dem Gefallen bzw. dem Missfallen, eine allgemein gültig Richtlinie abzuleiten, bedeutet, über die Köpfe und dem individuellen Geschmack Anderer zu entscheiden.

Dass ein Beitrag auch oft zur Klärung einer eigenen, inneren Zwiespältigkeit führen soll, unbewusst, dessen Faden ich am Anbeginn noch gar nicht sehe, erkenne ich auch hier. Es gibt Kaufleute, die weitaus erfolgreicher sind als ich, und in ihrem Leben noch nie eine einzige Vorlesung der Betriebswirtschaft gehört haben.

Auch das wiederholt sich immer wieder. Die Übungen zur Toleranz und Akzeptanz. Üben müssen wir vielleicht immer wieder das, was uns die Natur nicht als Grundausstattung mit in die Wiege gelegt hat.

Internet-Gesellschaft?

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Geschrieben am 10. Juni 2008 von Zwerg in Gesellschaft.

Angeregt durch Überlegungen zum Online-Leben und dem häufigen Gebrauch des Begriffs „Gesellschaft“ drängte sich mir die Frage auf, was mit diesen Begriff in Bezug auf Austausch über das Internet noch aussagbar ist? Gesellschaft wird im allgemeinen (nicht soziologisch, das ist eine ganz eigene „Gesellschaft“ :) ) als eine fest umrissene Gruppe – mit gewissen Auflöseerscheinungen an den Rändern – verstanden, die unter eine bestimmte Kategorie fallen, z.B. deutsch, schweizerisch, texanisch, spanisch sprechend, akademisch, intellektuell oder berlinerisch. Jede Gesellschaft hat soziale Gemeinsamkeiten, die über die soziale Gemeinsamkeit ein Mensch zu sein, hinausgehen. Die Menschheit an sich als eine Gesellschaft zu definieren, ermöglicht kaum eine sinnvolle Untersuchung.

Im Begriff „Gesellschaft“ schwingt oft der Begriff „Kultur“ mit, Weiterlesen »

Wir leben Online

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Geschrieben am 3. Juni 2008 von Raphael in Medien.

Gerade im geisteswissenschaftlichen, dem Buch noch verbundenen, Milieu stoßen einige meiner Thesen immer wieder auf Unverständnis. So auch meine These, dass sich immer mehr “Leben” Online im Internet abspielen wird. Dass sich die Gesellschaft und vor allem die Struktur der Gesellschaft, die wir Informationsgesellschaft nennen, immer mehr ins Netz verlegt. Nicht allein, aber noch hauptsächlich zur Informationsbeschaffung. Damit meine ich nicht nur den reinen Newskonsum, sondern auch die Filmchen auf Youtupe und Youporn, die Witze im Nachbarschaftsforum, die Zitate, Esoterik- und Gesundheitstipps, die Fett-Beine-Po-Übungen als Pdcast und vieles mehr. Diesen Trend können wir seit einigen Jahren beschreiben, soweit nichts neues. Dem würde sicher auch noch ein jeder meiner Leser zustimmen können, partizipiert er doch gerade mit dem Lesen dieses Textes an genau diesem digitalen Informationsprozess.

Doch meine stärkere These wird meistens nicht mitgetragen: dass die Informationsgesellschaft, die sich immer mehr und bald sicher hauptsächlich, Online abspielt, sich ausdehnt auf alle Bereiche der Gesellschaft und die schier unendliche Informationsgewalt des Internets nur der Vorbote dafür ist, dass sich Gesellschaft mittlerweile als Ganzes Online abspielt. Damit meine ich nicht, dass wir nur noch digital Leben. Ich meine aber, dass digitale Identitäten sich nicht mehr zwangsläufig von “realen” Identitäten unterscheiden. Stichwort: digitale Reputation. So anonym wir uns auch fühlen im Netz und meinen, deshalb Rollen annehmen zu können, die wir “real” aufgrund wie auch immer gestrickter Konventionen nicht ausleben, unterdrücken oder schlicht nicht in dem Maße anwenden, wie viele dies Online tun. Dass sich dieses massenhafte Verhalten auf die Gesellschaft und deren Konventionen zurückwirken muss, ist aber sicher keine starke These. So sich Verhaltensweisen sehr Vieler ändert, werden sich Konventionen ändern. Weiterlesen »

Wissenschaft ohne Philosophie – möglich, aber sinnlos?

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Geschrieben am 2. Juni 2008 von Raphael in Blog.

Die Fachschaft Philosophie in Marburg veranstaltet auch dieses Jahr wieder einen Essaywettbewerb und vielleicht hat der ein oder andere Leser Lust daran teilzunehmen. Teilnehmen können Studierende aller Fächer, die im Sommersemster 2008 an einer deutschen, österreichischen oder schweizer Hochschule immatrikuliert sind. Weitere Informationen findet ihr auf der Seite des Wettbewerbs Fragen junger Denker.

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Die Endlosrekursion

Die Endlosrekursion ist ein gemischter Gemeinschaftsblog mit den Themen Philosophie, Recht, Leben, Gedichte, Gesellschaft, Kultur, Medien und Fotografie. Die Endlosrekursion verfolgt kein klares Ziel, sondern stellt vielmehr ein Experiment des versuchten Schreibens mit Spaß, Anstrengung und Anspruch dar.

Letzte Kommentare

  • mona lisa: - klasse geschrieben! - waren die widerlichen Bananenstückchen zum Hause im Müsli? - muss es nicht heißen: sondern in einem so geprägten Tun zu leben?...
  • marion: gruppen gibt es viele...
  • ddflies: Wird mal wieder Zeit auszumisten, oder???. Also, die Mistgabeln stehen bereit. mfg....
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