In spiralförmigen Linien, scheinbar desorientiert, bahnte sich eine gewöhnliche Stubenfliege ihren mühevollen Weg durch die bleierne, schon von vielen Lungen geatmete Luft, die zäh und schmierig, einem unsichtbaren Pudding ähnelnd, die Räumlichkeiten erfüllte. Die Räume erstreckten sich ins Unendliche, war das Ende eines Raumes endlich erreicht, führte eine metallene Tür sogleich in den nächsten Raum, der die Ausmaße des vorherigen zumeist noch übertraf, dies hatte zumindest die bisherige Erfahrung der Fliege gezeigt und weil der nun vor ihr liegende Korridor derart lang war, dass man die Tür am Ende nur als einen winzigen grauen Punkt, der sich kaum von der weißen Wand abhob, wahrnehmen konnte, entschloss sich das Insekt auf einem quaderförmigen, blechernen Kasten, der ein leises, unregelmäßiges Brummen und Quietschen von sich gab, zu landen.
Die Fliege hätte selbstverständlich auch auf dem Boden, an der Wand, an nahezu jedem beliebigen Platz landen können, doch dieser vibrierende Blechquader, der überhaupt der erste Einrichtungsgegenstand war, den die Fliege, seit sie in diesen Gebäudekomplex geraten ist, zu Gesicht bekommen hatte, strahlte eine eigenartige, geradezu geheimnisvolle Anziehung aus. Jedenfalls konnte eine Rast, eine Pause, womöglich gar ein kleines Schläfchen, zum jetzigen Zeitpunkt nicht falsch sein; weit und breit waren keine Feinde in Sicht, außerdem konnte die Fliege nicht wissen, wie lange sie noch umherfliegen müsste, um einen Ausgang, einen Lüftungsschacht, eine offene Tür oder ein angekipptes Fenster zu finden, das sie aus den Räumen führte.
Die Fliege berührte die Oberseite des Quaders mit all ihren sechs behaarten Beinchen gleichzeitig und war überrascht, wie warm der metallische Untergrund doch war. Sie tastete sich weiter vorwärts; auf der Suche nach einem geschützten Platz, einer Nische im Verborgenen, bemerkte sie, dass Spalten, längliche Öffnungen den Boden unterbrachen; erst nach genauerer Untersuchung erkannte die Fliege, dass es sich offensichtlich um Lüftungsschlitze handelte, die ins Innere des Quaders führten.
Sie hätte den Luftzug, der aus den Öffnungen strömte, eigentlich spüren müssen, ein bedrohlicher, heißer Wind, der jedem die Warnung ins Gesicht blies: ‚Ein Ventilator arbeitet hinter dem Schutzgitter, seine Rotorblätter sind scharf wie Messer und schneiden stets im Schatten, man sieht sie nicht von außen, aber man kann sie wohl hören.’
Die Fliege kroch an die Öffnung heran, steckte den Kopf hinein und sah nichts; in ihrer unvorsichtigen Neugier zwängte sie auch den Rest ihres Körpers durch das Lüftungsgitter.
Die Rotorblätter des Ventilators drehten sich zu schell, als dass der primitive Organismus der Fliege noch irgendwie hätte registrieren können, dass ihr Leib im Begriff war durch eine gewaltige, unnachgiebige Kraft zerschmettert zu werden; sie spürte nichts davon; und war sie noch vor einigen Hundertstelsekunden, ein aus der Nähe betrachtet, zwar hässliches, aber zugleich sehr lebhaftes Geschöpf, so war sie jetzt lediglich ein gelblicher Brei, der sowohl an den Rotorblättern, als auch an den Innenseiten des Ventilatorengehäuses klebte, und der in den nächsten Stunden einfach , wie ein Tropfen Wasser, hinweg trocknen würde.
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