blaue Augen
Meine Tränen sterben
einen ungeborenen Augenwinkeltod.
Letzte Blickberührung auf Luftbrücken,
dann Untergang der Wimpern,
nach dem glänzenden Pupillenvollmond,
die blinde Nacht fragt,
nach Sonnenaugentagen.
Kalender unserer Liebe fliegen
mit abgerissenen Flügeln davon,
scheuchen Schmetterlinge auf,
flatternde Erinnerung im Flimmern des Abschieds.
Schönheit schlägt nur im Flug,
denkt mein brachliegendes Herz.
Sternschnuppenverhagelte,
qualenbekränzte Nacht,
lidloser Gestirne,
wenn der Nachbar sich bekreuzigt
und zur Sterbensruhe legt,
klaube ich vom Boden
deine Berührungen,
die wie ungeöffnete Briefe sind.
Wiedersehen unter Lichtern und Leuten,
unsere tränenvergilbten Augen,
handschriftlich in Schwarz-Weiß,
brennen in grellbunten Farben ab.
Betrogene Worte zeigen deine Angst
als den Aderlass meiner Sehnsucht.
Ich würde deine blauen Augen gerne vergessen.
Ausschnitte aus Nächten Teil 2
Wenn man von hier runterfällt oder springt, dann bricht man sich vielleicht die Beine, denke ich als ich zwischen den Gitterstäben in die Lahn pisse. Ich wanke ein bisschen, aber schaffe es immer durch die gleiche Stelle zwischen den Stäben zu treffen.
Hinter meinem Rücken ist die Party in vollem Gange, aber ich hab auch nur noch ein halbes Bier, das unten an den Tischbeinen steht, an dem du auch stehst. Drinnen kommt ein zwei Meter großer Schwarzer auf mich zu, und sagt irgendwas und nennt mich dann “Baby”, er fasst mir durch die Haare und schenkt mir Wein ein, und ich guck einfach nur zu dir rüber wie du dich mit irgendeinem Typen unterhälst.
Der Schwarze hat aufgehört zu reden, aber nennt mich ab und an noch “Baby”, während er mich von der Seite anschaut. Jedenfalls trinke ich seinen Wein aus dem Pappbecher und guck mir deine großen, blauen Augen an. Du hast dir die Haare wie sonst auch immer zusammen gebunden, und trägst die Jacke so, wie man sie sich um die Schultern hängt, wenn es kalt ist.
Manchmal ist es wirklich beschissen, denk ich mir, als der schwarze Typ mir an den Arsch fasst, er fasst richtig kräftig zu, dann frag ich mich worüber du lachst und was der andere Typ wohl gesagt hat, dass du so schön lächelst. Mir kanns ja auch egal sein, ich hab noch Wein im Becher und such mein Bier an den Tischbeinen. Heute Abend schaust du nicht mehr zu mir rüber, und der Schwarze sagt nur “du bist ein Model, ein verfickets Model”. Der Rest Wein wippt über den Rand als ich ihn auf den Tisch stelle.
Ich geh noch ein bisschen raus, weil die Nacht eigentlich ganz schön ist, hoch zum Schloss, hab noch zwei Bier von der Party mitgenommen. Dann sitz ich oben auf der Mauer, und wenn man hier runterspringt dann bricht man sich bestimmt die Beine. Ich rede einfach in den Wind mit der Freundin, die vor einem Jahr gestorben is, garnich weit weg vom Schloss auf der Treppe. Ich rede in normaler Lautstärke, weil sowieso niemand kommt um 5 Uhr morgens. Der letzte Schluck aus der Bierdose landet im Busch, scheiß drauf, es ist ja keiner da, ausserdem bist du mit dem Typ von der Party abgezogen. Ich rufe eine gute Freundin an, hab einfach Lust heute neben ihr im Bett zu liegen und meinen Rausch auszuschlafen.
Ausschnitte aus Nächten Teil 1
Er ist ein kleines Stück größer als ich und ich glaube auch nicht ganz so besoffen, jedenfalls bietet er mir die halbe Zigarette an, die wir dann zusammen rauchen. Er ist Student, hier wo man eigentlich nicht studieren kann, es gibt etwas um die 500 Studenten auf 180.000 Einwohner, er macht Physik oder sowas in die Richtung, auch irgendwas mit Logistik. Wir haben mal in einer Jazz-Combo gespielt, er Bass und ich Gitarre und noch ein paar Leute, aber wir haben irgendwann aufgehört und er ging dann immer alleine nach Hause und eigentlich sehe ich ihn dann auch nur immer alleine an so Nächten wie heute in irgendwelchen Bars hocken.
Wir treten ein Stück zusammen und er ist wirklich größer als ich und doch nicht viel weniger besoffen. Ich verpass ihm etwa zehn Dinger auf den Oberkörper und spühre seine Rippen unter meinen Fingerknöcheln, sein Oberkörper ist ziemlich hart, er atmet immer leicht aus, wenn ihn einer meiner Schläge auf die Arme trifft. Ich gucke ihm nicht mal richtig in die Augen, sehe nur die gekreuzten Arme vor mir auf die ich einprügele und frage mich wann er endlich schlägt. Dann bereue ich es sofort geraucht zu habe, denn mir geht schnell der Atem aus. Ich stolper ein paar Schritte zurück, und meine Sohlen kratzen auf dem Asphalt. Er kommt nicht sofort hinterher, heute macht er das zum ersten Mal, jedenfalls geh ich wieder auf ihn zu, versuch ihm wenigstens noch ein, zwei unter die Knochen zu schlagen, irgendwas auf die Leber, aber nichts trifft und er steckt auch alles locker weg. Sein erster Schlag trifft meine Faust und die dann meine Luftröhre, die zweite trifft mein Rückgrad und ich klapp sofort zusammen und lieg auf dem beschissenen feuchten Parkplatzboden hinter der Kneipe.
Es hat heute Nachmittag geregnet, als ich wach geworden bin, und die Steinchen sind noch nass, die sich in meine Wangen drücken. Ich muss schnell wieder aufstehen, weiß ich, nicht weil es peinlich ist auf dem Boden zu liegen, sondern weil der Kampf gelaufen ist und wenn man länger liegt und irgendwer kommt vorbei ist das immer auffällig, außerdem will ich ihn umarmen, denn für sein erstes Mal hat er ganz schön ordentlich zugelangt.
Ich steh auf und bin froh meine Beine sicherer als gedacht unter mir zuhaben, aber mein Rücken schmerzt wie die Hölle, er sagt sofort dass es ihm Leid tut, aber wundert sich auch wieso ich ihn so fröhlich anschaue. Er hat es sofort verstanden und sich nicht angestellt, wir haben auch vorher nicht viel geredet, das is viel wert. Dann nehme ich ihn in die Arme und sage, dass ihm nichts Leid tun brauch und er alles gut gemacht hat.
Ich bin froh, als wir auf dem Bordstein sitzen und noch eine rauchen, während die nächsten dran sind. Der Fettsack gegen einen großen, aber etwas schlacksigen, dürren Freund von mir. Die Runde ist schnell vorbei, weil der Fettsack einfach viel zu lahm ist und aufgibt, nachdem er sich krümmt. Ich nehm das Bierglas mit nach Hause, und die Nacht ist auch halb rum, auf dem Weg hab ich irgendwie das Gefühl, auch wenn mein Rücken immernoch schmerzt, dass ich trotzdem ganz zufrieden bin.
Die Endlosrekursion
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