Wissenschaft ohne Philosophie – möglich, aber sinnlos?
Die Fachschaft Philosophie in Marburg veranstaltet auch dieses Jahr wieder einen Essaywettbewerb und vielleicht hat der ein oder andere Leser Lust daran teilzunehmen. Teilnehmen können Studierende aller Fächer, die im Sommersemster 2008 an einer deutschen, österreichischen oder schweizer Hochschule immatrikuliert sind. Weitere Informationen findet ihr auf der Seite des Wettbewerbs Fragen junger Denker.

Autoren gesucht!
Wir stecken fest. Das wird von uns nicht einvernehmlich so gesehen. Dennoch können die Fakten nicht ignoriert werden. Die Endlosrekursion dünnt aus. Der infinite Regress wird mittels des Stillstands beendet. Hier erscheinen tolle Artikel, aber leider nur alle Jubeljahre. Das Problem ist dem hier aufgebauten Anspruch immanent. Gute Artikel schreiben sich nicht in kurzer Zeit, verlangen Recherche, Gedanken und ein Leben, das sich nicht nur aus dem Alltag speist. Kurz, es fehlt uns an Kapazität, um hier einen regelmäßigen Betrieb sicherzustellen, der aber überhaupt den Sinn des Publizierens ausmacht.
Man kann jetzt aufhören, den Anspruch senken, den Sinn sich selbst überlassen und einfach ab und an mal etwas veröffentlichen, oder eben die Kapazitäten erhöhen. Das ist unser Plan. Wir suchen Autoren, die sich mit dem Konzept der Endlosrekursion identifizieren können und vielleicht noch nicht die Plattform gefunden haben, um diese zu verwirklichen. Oder die vom Bloggen enttäuscht sind, in dem Sinne, dass zwar das kurz Hingerotzte gerne aufgenommen wird, aber die ausgearbeiteten Gedanken im digitalen Rauschen versanden.
Wir von der Endlosrekursion sind der Meinung, dass es sich lohnt Gedanken auszubreiten und dies auch vor einer Leserschaft zu tun. Meinst du auch, dass sich ein solches Experiment sich lohnen könnte, dann melde dich hier in den Kommentaren. Und habe keine Angst, du musst nicht schon reimen können wie der junge Hölderlin, eine sprachliche Perfektion mitbringen wie Thomas Mann oder wortgewaltig sein wie Friedrich Nietzsche. Es reicht schon, wenn du gerne schreibst, dich irgendwo in dem Themengebiet der Endlosrekursion (grobe Richtung Geisteswissenschaft) wieder findest und bereit bist Denken nicht als notwendiges Übel zum Broterwerb anzusehen.
Roy Snoop the black dog
Früher hätte man einfach krank gesagt, wenn man nicht diplomatisch die Überraschung ins Blickfeld genommen hätte. Heute sagt man dazu krass, oder postmodern. Ich liebe die Postmoderne, auch wenn ich, wie viele von uns, alles und nichts mit dem Begriff verbinde. Aber erstens ist auch das mindestens postmodern und zweitens kann nur die Postmoderne Snoop Dog dazu bringen Roy Blacks Welthit “Schön ist es auf der Welt zu sein” zu singen und dabei, wie überraschend, Werbung für einen Handytarif zu machen. Sex ist natürlich auch dabei, ganz altmodisch mit wackelnden Hintern blonder Frauen.
Hier gehts dann nochmal zum “normalen” Roy Black Song und hier zu dem was Snoop Dog sonst so macht. Auf den Porno darf ich ja nicht verlinken.
Du bist deine Sprache
“Wenn ich nicht sagen kann, was ich will, bin ich nicht mehr ich“, sagte meine tschechische Freundin zu mir und ähnliche Gedanken sind mir während meines Auslandsaufenthalts in Tschechien auch gekommen. Ich bin mein Ausdruck, ich bin Person als handelnde Person und durch das nicht Vorhanden-sein einer gemeinsamen Sprache in einem Gespräch wird dieser Ausdruck enorm eingeschränkt. Aber nicht nur der Ausdruck wird eingeschränkt, sondern ich als Person bin eingeschränkt.
Humor ohne Wissen um den richtigen Gebrauch einer Sprache wird stotterndes Erzählen, ohne die Pointe setzen zu können. Die Einschränkung des Wortschatzes, die Einschränkung der richtigen Betonung und die Einschränkung des Gefühls für Redeweisen der Sprache setzt die Pointe für dich. Meist geht sie unter im kümmerlichen Reden.
Die Leute lachen, aber seltener mit dir. Die Leute verstehen, aber selten verstehen sie dich. Die Einschränkung der Sprache drückt ein eingeschränktes Selbst aus, das sich nur über lange Zeit, aber wohl nie ganz, entschränken kann.
Du bist nicht deine Sprache, aber ohne Sprache bist du auch nicht du selbst.
Konsumiertes Vertrauen: Der olympische Bumerang
Olympia verkommt langsam zu einem Fiasko für alle Beteiligten, obwohl die Spiele noch gar nicht angefangen haben. China sieht sich massiver Proteste ausgesetzt und stellt sich, medial zelebriert, immer weiter in die Ecke der Diktatur mit überhaupt keinem Antlitz. War das Image des roten Riesen bisher zwar sicher kein positives, so kippt die Stimmung gerade und es wird nicht mehr geglaubt, dass ein Staat, der mit solch massiven Problemen kämpft, sich trotzdem auf einem insgesamt “richtigen” Weg befindet. Demokratie braucht Zeit und China lässt sich eben nicht in 20 Jahren vom Saulus zum Paulus reformieren. Die Härte, mit der die “moderaten” Kommunisten fernöstlicher Prägung gegen die Freiheitsliebe Tibets vorgehen und zudem eine Propagandaschlacht gegen die westlichen Medien fahren, wird auch den letzten medial beeinflussten Menschen zum potentiellen “Free-Tibet T-Shirt Träger” machen. Vor allem, da unsere Medien diesen Fehdehandschuh der Chinesischen Staatsführung gerne aufnehmen. Dabei ist es egal, ob China legitim handelt oder nicht, denn diese Frage stellen sich unsere Medien nicht. Es werden Vorhänge aufgebaut. Das stelle ich erstmal kritiklos fest. Mir fehlt der geopolitische Hintergrund, um irgendwelche Beurteilungen vorzunehmen.
Die mediale Aufmerksamkeit der Olympischen Spiele wird zum Bumerang. Ich denke, viele an den Spielen Beteiligten würden sich um weniger Berichterstattung im Moment sicher freuen, denn diese wird zum olympischen Bumerang.
Doch frage ich mich, wen diese Propagandaschlacht wirklich trifft. Denn China wird sicher nicht unter dem Image leiden, dass die westlichen Medien gerade aufbauen. Alle westlichen Staaten, die jetzt demonstrativ den Dalai Lama treffen, oder treffen wollen, erwägen keine Vertreter zu den Olympischen Spielen zu schicken oder den Papiertiger frei zu lassen und ihn drohend gegen den chinesischen Drachen in Stellung zu bringen, wollen sie wirklich mehr, als auf den medialen Zug aufspringen? Diese Staaten sind in Zukunft darauf angewiesen mit der neuen Wirtschaftsmacht China zu kooperieren und Menschenrechte nur soweit anzuprangern, dass keine wirtschaftsfördernden Verträge platzen. Man ist mit dem roten Riesen ebenso verbunden, wie man beispielsweise mit dem menschenrechtlich auch nicht immer einwandfrei agierenden USA verbunden ist. Guantanamo ist nicht Tibet, aber wirkungsvolle Aussagen deutscher Politiker bleiben dazu ebenso aus. Menschenrechte sind ein oft teuer erkauftes Gut, das aufgrund seiner Unbezahlbarkeit, nicht für Wachstum und wirtschaftliche Beziehungen verkauft werden sollte.
Die Endlosrekursion
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