Nacht

Geschrieben am 18. Dezember 2007 von Wowik in Gedichte.

Am Tag, wo alles Leben waltet,
Mich Fremde niederdrückt
Wo Licht mein Bild mir ausgestaltet
Und kein Gedanke glückt

Am Tag, wo alles summt und singt
Und Sinne mich verleiten
Wo mir kein Wort, kein Satz gelingt
Und Zweifel mich begleiten

Am Tag, wo alles kriecht und fließt
Will Stumpfsinn auf mir reiten
Wo mich die Welt mit sich begießt
wird Wahnsinn sich verbreiten

Am Tag, wo alles springt und lacht
Und mir die Sprache fehlt
Hab` ich den Tag zur Nacht gemacht
Die Nachtbraut auserwählt

Im Abendrot, der Tag ertrank
Schwarz färbt sich die Himmelswand
Am Horizont, die Sonne sank
Und meines Glückes Unterpfand
Ist aller Sonnen Untergang
Denn aller Tage Abgesang
Zu dem die Nacht die Sonne zwang
Ist meiner Freude Überschwang

Nacht: “Dein Rufen hab` ich wohl vernommen
Den Tag hast du verflucht
Drum bin ich her zu dir gekommen
Mich hast du doch gesucht?”

Kein Zufall ist`s dass ich dich traf
Dein Feuer zu entfachen
Am Tage suche ich den Schlaf
Des Nächtens will ich wachen

Weil der Tag wie Honig klebt
Und zäh ist wie ein Sumpf
Weil er nach den Sinnen strebt
Ward ich im Schädel dumpf

Die Abendbriese prophezeit
Schon ist`s in aller Munde
Dass heut` die schönste Nacht gedeiht
Zur vollen Geisterstunde

Bläulich dein gestirntes Kleid
Dein Herz ist voller Milde
Der Tag ist längst erblasst vor Neid
Und kniet vor deinem Bilde

In dir, du Schöne, ruht der Tag
Und andere Lichtgestalten
Hier darf ich sein wie ich es mag
Und mich als Mensch entfalten

Als der Mond am höchsten stand
Und dort am Himmel glühte
Dünkt er mich mit dem Tag verwandt
Da er doch Licht versprühte

Wenn alle Wasser gräulich sind
Und auch die Vöglein schweigen
Singt allein der Nächte Wind
Dazu tanzt Laub im Reigen

In deinem Schatten wandere ich
Um meinen Trost zu finden
Ich fürchte ich verirre mich
Doch sehend sind die Blinden

Wir sind allein, ich bin zu zweit
Du kannst dich nun enthüllen
O Heimat stillster Einsamkeit
Wirst Weltenschmerzen stillen

Mit Klarheit hältst du dich bedeckt
Du weißt was ich begehre
Das Wunder welches in dir steckt
O Ufer aller Meere

Du bist mein Lebenselixier
Sogar an besten Tagen
Bist meines Geistes Eingangstür
O Antwort aller Fragen

Im Untergang und Auferstehen
Wird Getrenntes Eines
Im Halben schon das Ganze sehen
Und im Großen, Kleines

Im Dämmerlicht, im Morgenrot
Wirst du, Nacht, vergehen
Im Tag liegt aller Nächte Tod
Und unser Wiedersehen

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