Ewigkeit
Du stießest mich hart von dir ab
In den Kreis der Zeit
Du ließest mich von dir herab
O holde Ewigkeit
Warum fiel ich aus deinem Schoß
In die Welt hinein
Warum nur ließest du mich los
Wie einen heißen Stein
Ich wähne dich in weiter Ferne
Und dennoch spür ich deine Wärme
Hier und dort, aus allen Dingen
Hör ich deine Stimme klingen
In trocknem Staub und Wassertropfen
Hör ich laut dein Herzchen klopfen
So groß, so weit, so allumfassend
Mir kein Stück der Freiheit lassend
Niemals wirst du dich verändern
Über Raum und Zeit zu schlendern
Verzweifelt schrei ich auf zu dir
Ich werb` um deine Gunst
Als ob ich den Verstand verlier
Ruf ich mit Inbrunst
Du lässt mich warten, lässt mich siechen
Lässt mich auf dem Boden kriechen
Warum willst du dich an mir rächen
Warum lässt du mich so zerbrechen
Dich Ewigkeit hab` ich begehrt
Fast hättest du mich ganz verzehrt
Unendlich hast du mich beschwert
Zu lange hab` ich dich verehrt
Wie könnte ich dir je verzeihen
Dass du mich ließest so laut schreien
Erröte ruhig, werd` rot vor Neid
Von hier an geh` ich mit der Zeit
Sie ist nicht schön, sie währt nicht lang
Fort treibt sie ihr Bewegungsdrang
Bald schon muss ich Abschied nehmen
Von der Geliebten, Zeit
Nie mehr will ich dich wiedersehen
O starre Ewigkeit
Ein letztes Mal dreht mich die Zeit
Und reicht mir ihre Hände
Dies nun ist Vergänglichkeit
Und stets folgt ihr das Ende

Wunderschönes Gedicht! Vor allem gefällt mir die umgekehrte Denkweise über die Ewigkeit, als starr, steinig, wenn auch warm. Sonst denkt man sich doch die Ewigkeit als ewiges Leben und somit als unendliche Möglichkeit. Bewegt, vielfälltig und reich an allem. Wie viel Entbehrlichkeit die Ewigkeit beinhaltet ist aus meiner Sicht in diesem Gedicht auf ruhige Art beschrieben. Ich bin tief beeindruckt von dieser Sprachlichkeit!
Die Worte sind insgesamt zu brav gewählt und die Metaphern z.T. vollkommen dillentatisch (“wie einen heißen Stein” (!) – das passt einfach nicht zu dem Anspruch des Gedichts). Die romantischen Allgemeinplätze über die Ewigkeit verlieren sich in der Schulmeisterlichkeit der etwas zu gewollten Gedichtstruktur, in der die Reime unbeholfen und konstruiert wirken. Für die Zukunft: Achte mehr auf die Musikalität der Versstruktur, denn musikalische Dissonanzen wie “Inbrunst” springen in dem Gesamtbild der angestrebten Komposition unangenehm ins Ohr. Es gilt die Stilmittel zu lernen, damit man sie richtig zu bricht. An den offensichtlich sehr stolzen wie jungen Autor (kaum 20, hab ich recht?) richtet sich daher folgender Ratschlag: Lebe und lass die Worte zu dir kommen und dräng dich ihnen nicht auf. Einen Gedanken kann man nicht erzwinen, aber man kann ihn einladen.