Entsozialisierung
Das Wort, jetzt im Fernsehen gehört, hat mich nur zum stummen und zustimmenden Nicken bewegt.
Heute fließt die Hilfe zur materiellen Lebenshilfe aus einem anonymen Hahn des über Elster (Elektr. Steuer) gespeisten Gemeinschaftstopfes – entpersonifiziert – zu einer HartzIV-Nummer – entindividualisiert.
Entsolidarisiert – der Mensch - auch im web. Nur eine www-seite oder ein @-Name.
Wo und wann wird virtuelles Verhalten reales treffen?
Und bei all dem Niemand mehr – dem man in die Augen schauen muss.

Das Internet verändert schon die Persönlichkeit. Man wird ungeduldiger, will alles jetzt gleich haben, reizbarer wegen der unglaublich vielen, verschiedenen Angebote. Moralisch zweifelhafte Dinge wie Gewalt, Pornographie, Kriminalität sind im Internet leichter zugänglich. Die Gesellschaft wird lernen müssen damit umzugehen.
“Moralisch zweifelhafte Dinge wie Gewalt, Pornographie, Kriminalität sind im Internet leichter zugänglich.”
Moralisch zweifelhaft – ist das nicht eindeutig?
Genauso gut konnte man den Autor eines Buches als entsozialisiert bezeichnen wenn man nicht sein “Real-Life” in Augenschein nehmen wurde.
Das Internet bietet gerade durch diese “Entsozialisierung” unabhängig von Stand, Geschlecht, Geld, Beruf usw. rein anhand von dem was man mitteilt die Möglichkeit einer gleichberechtigten, demokratischen, sozialeren Welt.
Gewalt, Pornographie, Kriminalität sind auch in der realen Welt leicht zugänglich und das sogar in noch viel schlimmeren Formen – zumindest habe ich noch von niemanden gehört der im Internet die Nase gebrochen bekommen hat, nur mal so als Beispiel.
Ansonsten gilt wie für alles im Leben – Man muss das rechte Maß finden.
Ansonsten als rein futuristischen Ansatz zu einer Perfektionierung der digitalen Gesellschaft wie als Gedankengang finde ich deinen Text sehr interessant.
Die Moral hängt immer von einem selbst ab – wie man damit umgeht.
Moral ist ein minimalistisches Verhaltenskonzept, deren Aussagen die absolute Mehrheit der Beteiligten übereinstimmend als leb- und vermittelbar akzeptieren. Hierzu müssen die Beteiligten es natürlich erst einmal erkennend/verstehend verinnerlichen, damit sie es in genannter Weise leben können.
Vor und gerade in der Zeit zwischen 1933 und 1945 war Moral lediglich vom Individuum abhängig. Das Resultat ist bekannt.
Der welcher handelt, hat den Finger am Abzug, nicht der welcher den Befehl dazu erteilt…
Den Gedanken finde ich interessant, dass gerade durch die entsozialisierung im Internet, Ansichten und Meinungen erst derart vorgestellt werden können.
Das mit der Moral sehe ich ähnlich. Sie hat nur mit und in einem selbst zu tun. Wie das Grundgesetzt, jetzt, 60 Jahre, ein System, das eine Leitlinie vorgibt und indem einzig der Handelnde selbst bestimmt.
Das Problem ist vielleicht nur, wie soll sich die Gemeinschaft denen gegenüber verhalten, die nicht nach dem Codex der Gemeinschaft handeln? In diesem vielfach unkonsequenten Reaktionen aus vielen verschiedenen menschlichen und oft verständlichen Motiven, bricht das Leitsystem als Leitsystem zusammen.
“Das Problem ist vielleicht nur, wie soll sich die Gemeinschaft denen gegenüber verhalten, die nicht nach dem Codex der Gemeinschaft handeln? In diesem vielfach unkonsequenten Reaktionen aus vielen verschiedenen menschlichen und oft verständlichen Motiven, bricht das Leitsystem als Leitsystem zusammen.”
Abwählen -sorry den konnte ich mir nicht verkneifen.
Aber ernsthaft, man kann nur von einer Gesellschaft träumen in der sich die Menschen als ein Ganzes fühlen und auch nach diesem Prinzip handeln, dass wäre die perfekte Lösung für das von Dir angesprochene Problem.
Ansonsten – abwählen :D
Was glauben Sie, wie glücklich ich bin, wenn ich mal ein paar Tage keinen “Menschen in die Augen schauen” muss. All die Sozialsüchtigen, die alles unterhalb emotionaler Logorrhoe als “zu” und realitätsflüchtig empfinden, denen Virtualität unheimlich ist und die Bücher nur deshalb als irgendwie realer empfinden, weil man sie verstaubt aus dem Regal nehmen kann.
Also ich möchte Bernhard widersprechen. Auch wenn man über Internet “nicht die Nase gebrochen kriegen kann” sind die Möglichkeiten jemandem über diverse Einträge ernsthaften Schaden zuzufügen durchaus gegeben und daher kann ich die trennung zwischen “realem und virtuellem” Leben nicht als Trost hernehmen.
Die Möglichkeit jeden Mist einzustellen und für alle abrufbar zu haben ist meines Erachtens eine enorme Gefahr die die moralischen Regeln der Gesellschaft deutlich ändert bzw. bestehende Regeln untergräbt.
Der Mensch ist nicht an sich gut und daher braucht das “reale Leben” ein kompliziertes Regelwerk von Gesetzgebung, Legislative und Exekutive mit klaren Kompetenzen. Und ich finde, dass das Internet eben fast völlig frei von einem derartigen Regelwerk ist und daher die Probleme eigentlich vorgegeben sind.
Leider hab ich keine Ahnung wie das zu ändern wäre. Irgendwie beginne ich, mit leufender Diskussion immer mehr, doch daran zu gleuben dass eine “Zensur” nicht unbedingt schlecht wäre.
Bevor aber alle nun aufschreien – ich wüsste niemanden dem ich eine Zensur zutrauen würde – dem Staat schon gar nicht und daher sind die Gefahren euiner Zensur sicher schlimmer als “positive Wirkungen”.
Dass ein Hartz4er nicht leibhaftige Personen um Unterstützung bitten muss, sondern einen Rechtsanspruch auf Regelsätze hat, empfinde ich als zivilisatorischen Fortschritt! Und als Steuerzahlerin will ich gar nicht wissen, wer alles von meinen Steuern profitiert – was sollte mir dieses Wissen denn bringen?
Anonyme Umverteilung (die im übrigen verwaltungstechnisch ja alles andere als anonym ist), ist deshalb nicht unsozial oder unsolidarisch: im Gegenteil!