Der gute Krieg
Urd: „Wohlan mein Krieger wohin des Weges? Gerüstet, Schwert und Schild zur Hand, auf der Suche nach dem guten Kampf, nach dem guten – Krieg. All die Beschwerlichkeiten, die Umstände, die Widrigkeiten, der Hunger, die Kälte, ach, den tapferen Krieger mag dies nicht scheren, recht so, auf, auf, der Feind naht.“
Tyr: „Wahrlich, ich irre durch die Lande, auf der Suche nach dem Feind, nach dem gerechten Kampf nach dem guten – Krieg. Vielleicht, mein Freund, lauert er dort auf dem Berg, im finsteren Wald oder hier im Gestrüpp, der Feind, meine Gelegenheit, mein Ruhm, mein Sieg. Siege pflücken und Feinde begraben, das ist meine Vorsehung.“weiter…
Urd: „Ei, du kamst nicht allein des Sieges, des Ruhmes oder gar des guten Krieges wegen. Du schautest auf zum Himmel, um was zu sehen? Du schriebest in dein Büchlein, um was zu verkünden? Du glaubst an Worte, um was zu erkennen?
Viele Krieger sah ich, du scheinst mir der schlimmste, deine Rüstung ist allzu edel, dein Schwert allzu scharf, dein Blick allzu stolz, ein Feldherr wohl?
Du bist kein Krieger mit Leib und Seele, du bist kein Ritter der Apokalypse, kein Priester des Todes, kein Prediger des Untergangs, dir fehlt der archaische Blutdurst deiner Vorgänger, du bist ein neuer Krieger und dein Krieg wird ein neuer sein.“
Tyr: „Mein Krieg wird ein Neuer sein, die alten Kriege waren nur Selbstzweck, mein Krieg wird Mittel zum Zweck, denn nicht nur das Schwert, die Rüstung, sondern auch die Idee trage ich bei mir. Die alten Kriege waren eine hässliche Sache, Blutvergießen ohne Zweck, ohne Ziel, Scharmützel ohne Schlacht, Kriege ohne Siege, all das soll der Vergangenheit angehören, denn ich werde einen neuen Krieg, einen guten Krieg erschaffen. Kein Soldat soll mehr umsonst sterben, kein Haus soll umsonst verbrannt werden, kein Volk soll umsonst versklavt werden. Denn stets ist mein Krieg nur Mittel zum Zweck, ich führe Krieg um Frieden zu schaffen, ich versklave Menschen um sie zu befreien, ich vergifte Brunnen um sie zu Reinigen, ich verbrenne Felder auf dass aus dieser Asche eine neue Ähre empor wachse und ein neuer, ein guter Mensch sich von ihr nähre. Ein Mensch, der empfänglich ist für meine Lehre. Und sind erst einmal die Feinde der Glückseligkeit getilgt, haben wir die Menschen und die Völker vereint, dann wird ewiger Frieden und ewiges Glück für den neuen Menschen heran brechen. So wir siegen wird man uns Denkmäler setzten, uns, die wir den guten Krieg ausgefochten haben. In einer Ruhmeshalle wird man unsere Büsten ausstellen um uns für alle Ewigkeiten zu konservieren, unsere Namen wird man in den Schulen dieser Welt lehren, unsere Taten werden heilig gesprochen und unsere Worte werden wie Weisheiten anmuten.“
Urd: „Es muss eine vortreffliche Idee sein, welches Ziel ist so gut dass es sich dafür lohnen würde zu morden und zu brandschatzen? Ein System? Eine Ordnung? Eine Religion? Oder alles in einem?
Tyr: „Das Ziel ist unwichtig! Wir brauchen das Ziel, aber der Inhalt des Ziels ist unwichtig. Das Ziel gibt uns das „Wofür“, mehr brauchen wir für einen guten Krieg nicht, die Beschaffenheit des Ziels ist irrelevant.
Allein der Sieg ist entscheidend, kein Kompromiss, nur Sieg, Sieg, Sieg, und wir werden Geschichte schreiben. Wir werden die Geschichte ändern, die Gegenwart beherrschen und die Zukunft vorhersehen. Kein Sieg gegen eine Armee, gegen eine Nation, gegen eine Rasse, sondern ein Sieg gegen den Menschen, für den Menschen, den neuen Menschen.
Ist unser Sieg vollkommen wird man kein verbranntes Haus und keine vergifteten Brunnen zählen, man wird nicht nach den Opfern fragen, denn wir werden alle Überlieferung beherrschen und steuern. Zeit ist unbeherrschbar, doch was ist Geschichte? Doch nur Überlieferung! Überlieferungen sind Worte, Worte können geändert werden, ausradiert werden. Dies wird unsere Macht sein, die Überlieferung vom finsteren Zeitalter der Vergangenheit, das wir bekämpften, dass wir besiegten. Wir werden bestimmen wer begonnen hat, wann wer begonnen hat, warum wer begonnen hat.
Man wird uns nicht zu Königen eines neuen Reiches krönen sondern zu Göttern einer neuen Schöpfung verklären.
Und wenn wir verlieren, dann verlieren wir unsere Geschichte, dann mögen unsere Feinde uns verdammen, uns verteufeln, uns vergessen. Unsere Helden werden Feiglinge, unsere Feldherren Verbrecher, unsere Götter Teufel und unser Paradies – die Hölle. Unser Schicksal wird ein Pantheon der Vergessenen, eine Burg der Teufel.
Läuterung und Reue ist den Verlierern vorbehalten, also singen wir, und all die anderen Verlierer und Verloren das Lied vom guten Krieg:
Ihr nennt es euer Leben
Ich nenn` es meinen Krieg
Und darin liegt mein Streben
Mein zuckersüßer Sieg
Drum ziehe ich ins Feld
Für Werte und Ideen
Ich werd´ mein eigner Held
Und meinen Kampf besteh`n
Ich schlage meine Schlachten
Erleide tiefe Schnitte
Den Feind will ich verachten
Das heiß ich meine Sitte
Leibhaftig steht er vor mir
Der Feind gar fürchterlich
schnauft wütend wie ein Untier
Herr Gott! Mein Feind bin ich
Ich gierte stets nach Siegen
Zog in des Feindes Land
Nun sehn´ ich mich nach Frieden
Und einer helfend` Hand
Vernichtet ist die Infanterie
Verstümmelt der Soldat
Entscheidungsschlachten gab es nie
Nur Früchte blut`ger Saat
Zerbrochen sind die Speere
Gefallen Pferd und Reiter
Zerstört sind all die Wehre
Der Krieg jedoch geht weiter
Verbogen sind die Säbel
Verrostet die Gewehre
Verflogen ist der Nebel
Zurück bleibt Menschenleere
Geschlagen ist die Schlacht
Zerschmettert sind die Heere
Ich hab mich umgebracht
Für Vaterland und Ehre
Zerschellt sind Bombenflieger
Es schweigen die Motoren
Mein Krieg kennt keine Sieger
Denn alles ist verloren
Zerrissen sind die Fahnen
Die Erde ist verbrannt
Dies soll mich ewig mahnen
Dass ich mich selbst verkannt`

[...] mich nehme ich aus diesen Gedanken und Wowiks “guten Krieg” mit, das nicht wichtig ist, wer und was in diesem Kampf siegt oder verliert, sondern, das ich das [...]