Politik von (Vor)Gestern

Ein trauriges Theaterstück, ein Drama, dass sich Tag täglich auf fast allen Bühnen unserer Zeit abspielt. Zugegebenermaßen ist diese Sichtweise meine eigene Schuld, noch bin ich nicht Zyniker genug um mich zurückzulehnen und herzhaft darüber zu lachen. Neidvoll blicke ich auf diejenigen, die dieses Schauspiel müde belächeln, es Komödie nennen können. Ach, allein unsere Nachfahren könnten darüber lachen. Wer lacht nicht gern über Vergangenheit. Der bittere Nachgeschmack? Das Drama? Natürlich, meine Zeit. Instanz oder Komödie, wenn es um die Vergangenheit geht, Visionär für die Zukunft, die Gegenwart jedoch ist immer bitter.

Was muss ich in meiner Zeit mit ansehen, zwei räudige Hunde die sich beißen? Nein, leider nicht denn dann bestünde die Möglichkeit das die eine Hälfte des Problems zu Grunde geht. Eher zwei Grundschüler die sich schlagen, denen Kraft und die Skrupellosigkeit fehlt um wirklich verheerende Treffer beim Gegner zu landen.

Gibt es keine engagierten Lehrer mehr? Einen Lehrer und Gelehrten der die zwei Raufbolde auseinander hält und belehrt?

Nur ein bleicher Greis mit Krückstock, der ist zu bequem, der schafft es nicht sich zu erheben. Außerdem, schimpft ihr den einen Gelehrten? Das ist ein Leerer und Geleerter, verschluckt sich und ertrinkt an seinem eigenen Speichel, habt nur Geduld.

Schon zuviel Metaphorik?
Woher kommt denn der Lärm schon wieder?
Wer zieht einander an Haaren?
Ärger in unserer Schulhof Republik!

„Rechts“ und „Links“ heißen die Rabauken. Sind sich wieder einmal Feind.
Nun tun sie doch etwas Herr Leerer!

Zu spät, der ist tot, versteinert in Geist und Seele, ersoffen am eigenen Saft. Nein mein Herr sie waren kein Vorbild, sie waren keine Lösung, sie waren – Last.
Der Kampf „links“ gegen „rechts“ ist das öde Theater von Heute. Aufgeführt in einem Land dem jemand wie Brecht fehlt. Der Politik fehlen die Schauspieler, die Demagogen und Anheizer. Untote bewegen keine Massen….und Gestorbene auch nicht. Wo ist die Regie?

Freilich, ein Kampf von letzter Woche, es fehlt die Spannung, denn verloren haben beide, das ist bekannt.

Der Kampf „links“ gegen „rechts“ ist Farbfernsehen für Blinde. Zwei Boxer, in rotbraunen Hosen die müde die Fäuste schwingen und versuchen sich mit Totschlagargumenten K.O. zu prügeln.weiter… Der Ringrichter geht zu Boden, ihr Teufel, ihr habt ihn zu Tode gelangweilt. Das Geheimnis gewaltloser Machtübernahme: Langweilt das Volk zu Tode. Darum übernehmt euch besser nicht. Der Krampf „links“ gegen „rechts“ ist ein Kampf der ewig Gestrigen gegen die ewig Vorgestrigen. Ihr roten Freunde hört doch auf den braunen Schlucker dort zu würgen, der läuft ja schon grün an oder ist das rot? Ist euch das die Mühe wert? Mobil zumachen gegen die Gefahr am rechten Rand. Kinder, Schwachsinn war nie Gesellschaftsfähig, Bier hingegen schon, warum also die Aufregung?

Die kahlgeschorenen Alkoholiker sind keine Gefahr. Ihr fürchtet euch vor brauner Ideologie, dabei hat es die noch nicht einmal zum Dogma gebracht. Schon mal das NPD Parteiprogramm gelesen? Ja? Dann wisst ihr wovon ich spreche.

Ein Schauerspiel, ach, wäre es doch nur ein Märchen, das sich den politisch „Befreiten“ darbietet. Gestammelte Fragen die mit Phrasen aus der Mitte oder Gegenfragen von Links beantwortet werden. Ich habe übrigens doch noch eine Szene mit komödiantischer Einlage gefunden über die es sich zu lachen lohnt: Nach Landtagswahlen hat eine rechte Partei in einer östlichen Provinz Deutschlands ein paar Stimmen geholt, schon beschwören „saubere“ Demokraten das vierte Reich herauf. Übrigens: Man kann Menschen auch bis zur Stumpfsinnigkeit mit alten Ideen langweilen.

  1. Frage: Steht das vielleicht in irgendeinem Zusammenhang mit den Wahlergebnissen der NPD?
  2. Frage: Könnten Menschen mit Humor nicht anfangen NPD zu wählen wenn auf ein gutes Wahlergebnis dieser, ein solches Lachspektakel mit linken Komikern und christdemokratischen Sauertöpfen folgt?

 

Was heißt es eigentlich rechts zu sein? Konservativ? Nein, das sind die in der Mitte, der Sozial – und Christdemokratische dahin siechende Einheitsgreis. Rechts sein. Rechts extrem sein heißt arm sein, arm an Geist und Mitteln.

Warum ich nun aufhöre auf die „Rechten“ zu schimpfen? Weil dort kein Potenzial steckt, das Problem mit dem Rechtsextremismus ist kein politisches sondern eines der Sozialisation, der Gesellschaft, das soll mich nicht weiter beschäftigen, schließlich bin ich kein Soziologe. Rechts sein heißt halt- und hilflos auf der vergeblichen Suche nach Geborgenheit und Identität, einem Mythos von Vorgestern hinter her zu plärren.

Bei den Linken, da steckt, sofern es keine halb kahl rasierten Alkoholiker sind, Potenzial, vor allem verschwendetes Potenzial. Wobei dieses intellektuelle Potenzial zumeist der Einzige Unterschied zu den „Rechten“ ist. Obwohl, Halt und Orientierungslosigkeit kann der linken Masse nicht vorgeworfen werden, sie klammern sich doch so beharrlich an Dogmen und Ideen ihrer Eltern, den 68ern, wenn es schon ihre Großeltern sind umso schlimmer. Frage der Woche: Was ist Emanzipation? Irgendetwas wurde nämlich falsch verstanden. Emanzipation haben diese Rotwangigen Muttersöhnchen wohl vergessen? Sich von ihren Eltern, bzw. deren Postpubertären Idealen zulösen, zu befreien?

Ich würde keine „neue Linke“ fordern wollen sondern gar keine „Linke“, allenfalls eine überwundene „Linke“. Eine „Linke“ in der man Patriot sein darf, eine „Linke“ in der man die multikulturelle Gesellschaft nicht lobpreisen muss, dazu mehr an anderer Stelle. Eine „Linke“ in der man nicht tolerant gegen jeden sein muss, in der man sich seine Freunde aussuchen darf, nach Kriterien die man sich aussuchen darf, eine „Linke“ die nicht nur irgendwie links ist sondern die etwas schafft, die nicht zerkritisiert, sondern erbaut, eine „Linke“ der Kraft nicht eine des Verfalls, eine „Linke“ in der Hässlichkeit nicht absolut ist, eine Linke die sich nicht in Scharmützeln mit „rechten“ verrennt sondern diese Leute rechts liegen lässt, eine Linke in der man so genannten Feminismus hinter sich gelassen hat, eine Linke in der Tiefdruckgebiete wieder Frauennamen haben (das ist Feminismus) und das generische Maskulinum wiederentdeckt worden ist. Ich schreibe bewusst „so genannten“, denn man verwechselt Gleichmacherei und Geschlechterkonstruktivismus leider allzu oft mit Feminismus.

Noch füllt sich der Theatersaal mit Zuschauern, einige stehen jedoch mitten in eurer Vorstellung auf, andere halten bis zum Schluss durch. Es wird der Tag kommen, an dem die Sitze leer bleiben werden und eure Stimmen ohne von jemandem gehört zu werden zwischen Stuhlreihen und Ausgangstür verhallen. Ein wahrhaftig großer Tag für den neuen, für den emanzipierten Menschen.

Selbst dem schlecht gespielten Stück wird des Anstandes wegen ein kleiner Applaus geschenkt, eine kleine Aufmerksamkeit in Anerkennung der fruchtlosen Mühe, des „guten“ Willens.

Vor Jahrzehnten war euer Stück revolutionär, eure Dialoge genial und wortgewaltig, ihr vermochtet Massen zu fesseln, zu formen, zu gestalten, jedes Wort ein Bekenntnis, jeder Satz ein Manifest, durchdrungen von einer Vision, von einer Idee die euren Glauben zur Religion machte.

Alles hat seine Zeit, doch eure ist vorbei.
Geadelt sei derjenige der sein Ende kennt. Ihr habt eures verschlafen.

In der Blüte eurer Jugend bautet ihr euer Denkmal aus den Resten der Mauer die ihr im Begriff wart einzureißen. Ihr Erbauer des Größten! Ein neues Fundament hätte euer Geschenk an eure Kinder sein können und andächtig hätten eure Söhne und Töchter auf ihre heiligen Ahnen zurückgeblickt, sowie auf deren Werk und deren Denkmal. Sich seinen Mythos schaffen, meine Freunde, heißt sich aus seiner Höhe fortzureißen sobald man in seinem Zenit steht.

Ihr seid abgestürzt.
Ihr habt eure Höhe nicht verstanden.

Deshalb spielt ihr heute noch das alte Stück von damals, das alte Lied aus dem letzten Jahrtausend. Niemand wird sich an euch zurückerinnern wollen, euch wird man keinen Applaus schenken.

Zu viel gewollt, zu wenig geschafft. Ihr wolltet stets unbequem sein, moralische Instanzen, Vor– Frei– und Querdenker wolltet ihr sein. Ihr habt das Nachdenken vergessen.

Euer Denkmal, euer Fundament? Nur eine weitere Mauer!
Eure Idee? Verkauft, verraten und versteinert!
Euer Mythos? Ein Märchen!

Und ihr selbst – müsst vergessen werden.

Wowik Kategorie: Gesellschaft Sonntag, der 4. November 2007
Schon 3 Kommentare »
  1. soeren onez (Webseite)

    Nach langen Nachdenken und wiederholendem Lesen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich an dieser letzten Version des Textes nichts mehr zu meckern habe. Im Gegenteil! Der Text, jetzt mit theatralischem Ende ist in sich geschlossen und verteilt gerade die Hiebe so gezielt, weil wil um sich schlagend:) Dir ist ein sehr nettes Stück gelungen. Applaus.

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