Henne oder Ei

Eine oft gestellte Frage, die sich auch auf vieles andere übertragen lässt. Dabei habe ich den Eindruck, das nicht eine wirkliche Antwort erwartet wird, sondern eher, eine eigene Positionierung. Ein ähnlicher Sachverhalt ist:

5000 – 10000 Jahre vor Adam und Eva begann die Aufspaltung zwischen Jägern und Sammlern auf der einen Seite, und als Folge der Landwirtschaft die Sesshaftigkeit der Menschen auf der anderen Seite. Die Landwirtschaft war durch ihre größeren Erträge in der Lage, mehr Menschen zu ernähren. Und somit:

Wuchs nun die Bevölkerung, weil immer mehr Nahrung durch die Landwirtschaft vorhanden war, oder wuchs die Landwirtschaft, weil es immer mehr Menschen zu ernähren galt?

Der Autor Jared Diamond, der sich in seinem Buch „Arm und Reich“ u.a. auch mit dieser Frage beschäftigt, kommt zu dem Schluss, dass wohl beides zutrifft und es sich um eine gegenseitige Rückkopplung handelt. Diesen Vorgang bezeichnet er als „autokatalytisch“. Ein Prozess, der aus sich heraus an ständiger Eigendynamik zunimmt.

Dieser Mechanismus hat mich jetzt bei der Frage des „coaching“ beschäftigt, dem Trend, dem sich scheinbar immer mehr Menschen anschließen – vielfach, aus Gründen der beruflichen Karriere. Punktuell und zielgerichtet.

Dabei glaube ich, das „coaching“ nicht erst der Beginn einer solchen Entwicklung ist, sondern bereits ein Produkt des bereits eingesetzten Rückkopplungssystems. Auch wenn ich aufgrund meines Alters nicht mehr so sehr davon betroffen bin, so stellt sich mir doch die Frage, wohin dieser Weg führt? Der Einzelne mag das als persönlichen Vorteil nutzen wollen, aber wollen wir dies auch als Gesellschaft? Was gewinnen wir dabei, was verlieren wir dabei? Erzeugt das alles nicht noch mehr Leistungsdruck und vor allem: SELEKTION?

Ob ich jetzt schwarz male, weiß ich nicht, jedoch sehe ich in diesen Kettenreaktionen das große Problem, sie anzuhalten, wenn sich andere Erkenntnisse ergeben. Da kann, wie in Tschernobyl, das Ganze unter noch so viel Beton begraben werden, es frisst sich immer wieder durch.

Menachem Kategorie: Gesellschaft Montag, der 1. September 2008
Schon 9 Kommentare »
  1. soeren onez (Webseite)

    Könntest du mir als Laien erklären, was genau Coaching ist, damit ich deine interessanten Gedanken besser verstehen kann?

  2. Menachem (Webseite)

    Es handelt sich dabei um die Selbstoptimierung, (auch Defizitausgleich genannt) die du kurz in der Karrierebibel !!! nachlesen kannst:
    http://karrierebibel.de/traini...../#comments

  3. werner (Webseite)

    “Coaching” heißt bekanntlich “Kutschieren” und wird bei ernsthaftem Wortgebrauch im Sinne von “auf dem Weg voranhelfen” gebraucht. Beispiel für dieses pädagogische Coaching:
    http://www.coaching-kiste.de

  4. Thinkabout (Webseite)

    Vielleicht ist das Interessante an Ihren Überlegungen, was sie bei den Lesern auslösen: Wie verstehe ich Couching, so, wie Sie es verwenden?
    Irgendwie ist es neu, fordernd, in Anspruch zu nehmen, will man vorwärts kommen. Man braucht einen Coach, um den richtigen Schlag zu wählen, die richtigen Schritte zu unternehmen. Coaching hat so was Managersymbolhaftes, leistungsorientiertes, das den Brain auf Erfolg trimmen soll.
    DAS ist wohl das Komplexe daran, und diese Wechselwirkungen wären zu analysieren, mal abgesehen davon, dass alles zur Industrie wird, was einem Trend folgt.
    Es gab mal eine Zeit, da gab es Berufsberater oder so. Heute beginnt der Stress erst richtig, wenn Du einen Beruf gewählt hast. Da brauchst Du dann einen, der Dich immer daran erinnert, was das bedeutet, und der Dich auf die Ziele trimmt.
    Das Ziel ist alles, der Weg vorgezeichnet, normiert, strukturiert, industrialiseirt, wenn auch nur dienstleistungsmässig.
    Ziemlich verrückt, das alles. Interessant auch, wo Sie Adam und Eva ansiedeln…
    Und was wäre wohl passiert, Adam wäre besser gecoacht worden. Und von wem? Was hätte Gott gewonnen, wenn er den Adam in Sachen Beziehungskompetenz gecoacht hätte??? Nicht auszudenken, was alles (nicht) passiert wäre, Gott hätte diese Errungenschaft frühzeitig selbst angewandt.

  5. soeren onez (Webseite)

    Ich weiß nicht, ob ich jetzt vollkommen daneben liege, aber wenn ich mir die von euch verlinkten Seiten durchlese, dann scheint mir vor allem eines zu fehlen: Freunde oder Zeit für diese. Anders kann ich mir diesen Bedarf nicht vorstellen, oder ich habe dieses Coaching immer noch nicht verstanden. Nannte man das nicht mal Charakterbildung oder eben nur Bildung? Jetzt wird es eben mit Wörtern wie Leistung und Optimierung angereichert. Aber ist es wirklich etwas Neues, Anderes? Oder sind die Menschen, die solches in Anspruch nehmen anders motiviert? Kann es wirklich sein, dass es schon Leute gibt, vielleicht gab es die ja schon immer, die nicht mehr sich bilden wollen, sondern nur noch auf das Leistungsprofil ihres Jobs passen wollen? Was machen die Leute, wenn die Abends nach hause kommen?

  6. Menachem (Webseite)

    Ein interessanter Anstoß, Thinkabout, zu dem mir dazu einfällt, daß der Mensch an sich ja perfekt ist, geschaffen nach dem Ebenbild – und da glaube ich auch dran, allerdings, nur solange er allein wäre auf dieser Welt, so wie er, dort oben allein ist. Daraus ergäbe sich für mich eine andere Fragestellung, nämlich nicht, Wie und was ist der Mensch an sich, sondern, was wird aus ihm und wieso und warum verändert es sich so, kommt ein zweiter Mensch dazu. Die Fragen ergeben sich also nicht aus dem Mensch, sondern aus dem Wirken der Gemeinschaft.

    Soeren, ich habe dieselben Fragen wie du und irgendetwas in dem Thema coaching reibt mich innerlich auf. Ich kann einerseits einsehen, das Hilfestellung und Begleitung im persönlichen Wachstum natürlich was tolles ist, aber hier stimmt etwas nicht – und ich kann bisher nur drumherum schreiben, ich komme noch nicht richtig dran, es zu benennen.

  7. Michael Kostic (Webseite)

    Hallo,

    zum Thema “Coaching” sollte man auch einmal bedenken welcher wahre[tm] Mangel hierdurch ausgeglichen werden soll. Diesen Mangel kann man ganz leicht erkennen. Man nehme ein Blatt Papier (möglichst kariert) und versehe es an der linken Seite beginnend, mit einer horizontalen Zeit- und einer vertikalen Inhaltsachse. Beginn der Zeitachse das Jahr 1900. Beginn der Inhaltsachse ein Abitur aus dieser Zeit welches als 100% zu betrachten ist, versehen mit dem durchschnittlichen Alter der damaligen Abiturienten. Und nun arbeiten wir uns Jahr für Jahr in der Entwicklung der Menschheit voran. Tragen all die Inhalte ein, die im Lauf der Zeit hinzukamen. Und vermerken derweil wie viel Zeit wir unserem Nachwuchs zum erlernen dieser lassen.

    Das Ergebnis ist nicht nur sehr ernüchternd, es zeigt auch auf warum wir in jüngster Zeit immer mehr sog. “soziale Aussetzer” in den Führungsetagen bzw. bei leitenden Mitarbeitern beobachten können. Immerhin hat der Tag für jeden von uns nur 24 Std., auch wenn wir mitunter (siehe Ergebnis der o.g. Tabelle) rund 36 bis 48 Std. bräuchten.

    So gesehen holt Coaching lediglich das nach, was wir in der Jugend nicht erlernen konnten, weil die Inhalte im Lauf der Zeit viel zu umfangreich wurden. Problematisch ist dies nicht nur rein ökonomisch, weil hier ja eine Leistung teuer bezahlt werden muss, welche in früherer Zeit integraler Bestandteil der Erziehung war (ohne substanzielle -anerzogene- Allgemeinbildung, gab es z.B. in der Vergangenheit[tm] kaum eine Möglichkeit personalverantwortliche Führungspositionen zu erreichen). Schwierig wird der ganze Komplex vor allem in Hinsicht auf die Ergebnisse der modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse bezüglich des biologischen “Lernens” selbst. Auch ist gerade hier sehr wichtig ob die Lehrenden zu den Lernenden insofern passen, als das sie ja quasi die Versäumnisse der Vergangenheit kompensieren müssen. Ein hoch sensibles Thema, bei dem sicher noch lange nicht das sprichwörtliche “letzte” Wort gesprochen ist!

    Meiner persönlichen Meinung nach leiden jedoch auch die besten Coaches/Lehrkräfte an dem Problem, dass sie ihren Schülern nicht das Angeln beibringen, sondern ihnen Fische zu Essen geben um ihren Hunger zu stillen ;-)

    Gruß

  8. Cris (Webseite)

    Ich kann dazu nur sagen Coaching muss gelernt sein, gerade auch im Umgang mit Schülern.

  9. Coaching… « Gemeinsamleben Weblog (Webseite)

    [...] So sehe ich das [...]

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