Foucaults Argument

Geschrieben am 8. April 2008 von Abc in Philosophie.
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 Einleitung und Fragestellung

Dieser Beitrag ist der erste Teil eines Artikels in drei Teilen.

In dieser kleinen Arbeit möchte ich mich mit der grundlegenden Frage, wie Foucault seinen Machtbegriff argumentativ einführt, beschäftigen. Um dies herauszufinden muss der Machtbegriff in zweierlei Hinsicht untersucht werden: Erstens hinsichtlich der Frage: Was bezeichnet er? Und zweitens hinsichtlich der Frage: Warum sollen wir das Subjekt mit Hilfe eben dieses Begriffes beschreiben? Die Antwort auf diese Frage werde ich in einer systematisch-methodischen Rekonstruktion von Foucaults Argument für seine Methode geben. Ich denke, Foucault hat grundsätzlich zwei wichtige Fragen gestellt. Er hat erstens gefragt was das Subjekt ist und zweitens wie man über diese Frage reden kann oder muss. Die letzte Frage bezieht sich auf die Methode mit der eine Antwort auf die erste Frage gefunden werden kann. Foucaults Antwort auf die methodische Frage ist, sehr verkürzt, dass wir das Subjekt historisch unter dem Begriff der Macht untersuchen müssen. Die Antwort auf die erste Frage nach dem Subjekt selbst ist entsprechend immer historisch und machtpraktisch ((„Historisch“ und „machtpraktisch“ ergeben zusammen eine genealogische Redeweise. „Historisch“ sage ich um nicht gleich in eine Foucaultsche Terminologie zu rutschen und mit „machtpraktisch“ meine ich die Untersuchungen von Techniken und Machtmechanismen, d.h. von verschiedenen Machtpraxen, die Subjektivierungen schaffen. Machttheoretisch könnte man die Begründung der machtpraktischen Redeweise nennen.)) bezogen. Da ich nach der Begründung des Machtbegriffes und seines Gebrauchs frage, werde ich mich mit der methodischen Frage beschäftigen und die konkrete historische und machtpraktische Antwort auf die Frage nach dem Subjekt nicht diskutieren. Mir geht es um Foucaults Argument für die historische und machtpraktische Redeweise, wenn man sagen will, was das Subjekt ist.

In der deutschen Sekundärliteratur zu Foucault (die ich nur sehr begrenzt kenne) scheint mir dieser Begründungsteil ein wenig übersehen zu werden ((Vgl. beispielsweise die Texte von Kneer und Lemke, die als Sekundärliteratur zu dieser Arbeit angeführt sind (Kneer, Georg: Die Analytik der Macht bei Michel Foucault, in: Imbusch, Peter (Hrsg.): Macht und Herrschaft. Sozialwissenschaftliche Konzeptionen und Theorien, Opladen 1998, S. 239 – 254. Lemke, Thomas: Die politische Theorie der Gouvernementalität. Michel Foucault, in: Brodocz, André / Schaal, Gary S. (Hrsg.): Politische Theorien der Gegenwart I, Opladen 2002, S. 471 – 501.) )). Man redet viel darüber was Foucault mit Macht meint, wie er die Transformationen des Subjekts beschreibt etc. Aber die Argumente für seine Arbeit und Arbeitsweise, d.h. warum wir so arbeiten müssen, werden nicht genannt. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass Foucault selbst zum Teil die Begründung seiner Methode im Dunkeln lässt oder eher dunkel darüber redet. Oder es liegt daran, dass man Angst vor der klassischen deutschen ((Man denke an Deleuzes und Guattaris herrliche Bauallegorie zur Beschreibung des Philosophierens der Franzosen, Engländer und Deutschen: „In the trinity Founding-Building-Inhabiting, the French build and the Germans lay foundations, but the English inhabit.“ Siehe Deleuze, Gilles & Guattari, Félix: What ist Philosophy? New York 1994, Seite 105.)) „Grundlegung“ hat, ein Wort das Foucault wahrscheinlich nicht gefallen hätte. Ich denke jedoch, dass eben eine solche „Grundlegung“ notwendig ist, um zu verstehen was Foucault eigentlich macht. Um seine Untersuchungen und Darstellungen zu begreifen genügt es nicht lediglich ihre Bedeutung erfasst zu haben, sondern auch die Argumente für dieselben muss man verstehen. Was hilft es zu wissen, dass Aristoteles meint, Einzeldinge bestehen aus Stoff und Form, wenn man seine Argumente für diese Beschreibung nicht kennt? Begriffe sind nicht nur Worte, sondern Konzepte mit denen etwas begriffen bzw. verstanden werden soll. Deshalb ist die Bedeutung eines Begriffs nicht lediglich mit der wörtlichen Bedeutung bzw. dem Gebrauch des Begriffs erklärt, sondern die Argumente, mit denen der Begriff eingeführt wird, müssen verstanden werden um den Gebrauch des Begriffs, d.h. die begriffliche Praxis, die „Wissenschaft“, zu verstehen. Foucaults begriffliche Praxis, d.h. seine wissenschaftliche Arbeit, muss deswegen in seinen Bedingungen und Argumenten dargelegt werden, damit eine Reflexion auf diese Praxis möglich wird – eine Reflexion, die wiederum eine Beurteilung dieser Praxis ermöglicht.

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