SPD – Lebendig!

Geschrieben am 17. März 2008 von 42! in Gesellschaft.
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Heute ist in dem Restaurant hinter der kleinen Kneipe in dem kleinen Ort geschlossene Gesellschaft. Es ist Jahreshauptversammlung eines Ortsvereins einer Partei in der Krise. Der SPD.Deutschlands älteste Partei ist auf einem historischen Tiefstand: 23% Zustimmung.
Das karge Zimmer ist geschmückt mit hellgelben Arrangements, in denen sich Ostereier aus hartem, rauem Plastik verstecken.

Die Männer, in etwa zehn an der Zahl sammeln sich an der Theke. Der Humor ist derbe, der Qualm ihrer Zigaretten vernebelt das Zimmer.

„So einen wie Hitler, den braucht die Partei derzeit.“; „Der hätte doch keine Chance bei den Medien heutzutage“; „Der hätte doch schon alle wichtigen Menschen an die Wand gestellt. Gleichschaltung nennt man das“. Das Pils wird geleert, die Versammlung beginnt.

Der Vorsitzende sieht durch die Reihen, beschließt die Tagesordnung. Die Männer sind alt, ihre Zähne die dritten, ihre Hände rau, die Fingernägel runzelig und gelb. Von billigem Tabak zumeist.

Am Revers tragen sei Ehrennadeln der SPD. Zehn, 15, 25, 40 (Eingetreten im turbulenten Jahr 1968) Jahre Mitgliedschaft. Es gibt Urkunden, unterzeichnet von ihrem ersten Vorsitzenden Kurt Beck.

„Wenn wir 2009 mit Beck in den Wahlkampf gehen, dann ist es aus mit uns“; „Wer soll es denn sonst machen! Der Steinmeier vielleicht?“; „Helmut Schmidt! Der lebt doch auch noch“, zischt jemand. „Der Vorstand schlägt sich doch gegenseitig die Köpfe ein. Jeder gegen jeden“. „Diese Pfeifen“.

Der Punkt „Aktuelles“ wird abgehakt, die Diskussion ausgebremst. Der Vorsitzende wahrt eisern die preußische Form. Schließlich sind 14 Themen zu behandeln. Das rot-rote Schisma. „Tagesordnungspunkt 8: Eine Mögliche Koalition…

„Hat jemand mal Feuer?“
„Raucherpause, bitte“
…auf Landesebene mit der Linken“.

Ein Mitglied des Landtags spielt den Einpeitscher. Das große Rad der Geschichte wird gedreht. Er faucht mit brennend rotem Schädel: „Die CDU wirft uns vor, wir holten die „PDS“ aus der politischen Schmuddelecke, wir würden uns mit einer Sippe aus Kommunisten, Trotzkisten und anderen Banditen abgeben. Reden wir doch mal über die CDU. Waren sie es nicht, die Leute wie Filbinger und Kiesinger in höchste politische Ämter verholfen haben?! Waren sie es nicht, die sich in Hamburg das Kainsmal von Schill…
„Dem Kokser!“
…auf die Stirn tätowieren haben lassen“.
Der Saal tobt. „Richtig!“, schallt es zurück.
„Die Linke braucht niemand, überflüssig sind die!“

Die SPD im solipsistischen Wahn.

Die Rede ist eine Ansammlung aus mühsam zusammengesuchten Wortfetzen anderer Politiker. Niemanden interessiert das.

TOP 14: „Verschönerung der Ortsdurchfahrt.“

Die Bedienung surrt um die Tische um die bierdurstigen Männer zufrieden zu stellen. Es soll eine Natursteinmauer gebaut werden. Man ist sich jedoch nicht über die technischen Details im Klaren. Das Fundament bereitet Probleme. Es müsste 90 Zentimeter tief sein. Dort, wo die Mauer entstehen soll, führen jedoch Stromleitungen unterirdisch. Das Fundament kann deshalb maximal 25 Zenitmeter tief sein. Und, kaum zu Glauben, diese Menschen können mit der gleichen Vehemenz, wie sie gegen die Linkspartei wettern, auch um die Tiefe dieses Fundamentes streiten.

„Dein Gesicht möchte ich sehen, wenn die Mauer mal einstürzt. Dann stecken wir ganz tief in der Scheiße!“
„So“, ruft jemand,
„Jetzt aber Schluss für heute. Ich muss zur Nachtschicht“.

2 Kommentare

  • Hübsch, euer neues Layout und auch der Beitrag. Erfrischend. Und es kann sein wie es will, ich mag den Beck nicht.

  • Gelobt sei die preußische Form.

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