Der methodische Zweifel bei Descartes und seine Überwindung
I. Einleitung
In dieser Arbeit möchte ich mich mit dem Versuch Réne Descartes`, die ersten Ursachen und Prinzipien von denen sich gesichertes und unbezweifelbares Wissen ableiten lässt, zu finden, beschäftigen.
Die Wahl der richtigen Methode ist für den wissenschaftlichen Erfolg dieser Suche von außerordentlicher Wichtigkeit. Die von Descartes für angemessen erachtete Methode, welche im „Bericht über die Methode“ („Discours de la méthode“) ausführlich beschrieben und in den „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“ schließlich zur Anwendung kommt, ist die des methodischen Zweifels.
Da Descartes zu der Einsicht gelangt ist, dass die Wissenschaften, besonders die Philosophie mit oftmals recht zweifelhaftem Wissen arbeiten, ist eben die richtige Anwendung dieser Methode der Weg zu einer Reformation des Denkens und der Wissenschaft. Descartes hofft einen festen Punkt, wie ihn einst Archimedes verlangte, für die Philosophie zu finden, auf dem sich dann das gesamte Wissen aufbauen kann, „….so darf auch ich auf Großes hoffen, wenn ich nur das geringste finde, das sicher und unerschütterlich ist.“ (Med. I, 1) ((Descartes, Rene: Meditationen über die Grundlagen der Philosophie. Übersetzung von Artur Buchenau. Herausgegeben von Lüder Gäbe. Hamburg. Felix Meiner Verlag: 1993.))
Zur Durchführung seiner Methode muss alles als falsch angesehen werden, was den geringsten Zweifel zulässt. Es handelt sich also um einen absoluten Zweifel, das heißt ein konsequentes Bezweifeln des nicht ganz Unbezweifelbaren, mit dessen Hilfe Descartes auf irgendetwas Gewisses und somit völlig Unbezweifelbares stoßen will. Man könnte sagen, Descartes drückt die geistige Reset-Taste, mit der er das als sicher angenommene Wissen zunächst zurückstellt, um erkennen zu können, was letztlich übrig bleibt.
Der methodische Zweifel, die Methode des Zweifelns, ist hier der Zweck zur Erlangung einer Gewissheit. Doch was ist Mittel, was ist Mittel zum Zweck? Einzig der geschulte Verstand.
Im „Bericht über die Methode“ werden vier Regeln zur Anwendung des methodischen Zweifels angegeben, wobei die erste Regel besagt, dass nichts anerkannt wird; was nicht bewiesenermaßen als wahr erkannt wurde. Die zweite Regel besagt, dass Probleme zur besseren Untersuchung in so viele Teile wie möglich zerlegt werden müssen, die dritte Regel besagt, dass die Gedanken, mit den leichtesten beginnend, geordnet werden müssen und die vierte und letzte Regel besagt schließlich, nichts aus – oder wegzulassen (Disc. II 7-10) ((Descartes, Rene: Bericht über die Methode. Übersetzt und herausgegeben von Holger Ostwald. Stuttgart. Reclam: 2001.))
Die Gewissheit, die Descartes sucht, findet er schließlich in der Existenz des Ichs, die er aus dem Zweifeln bzw. Denken herleitet. Diese Lösung ist keineswegs neu. Descartes stellt in seinen „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“ fest, wenn er zweifelt, müsse es jemanden geben, der zweifelt, einen Zweifler. Augustinus von Hippo hat eine ähnliche Erkenntnis über tausend Jahre zuvor gewonnen. In seinem Werk „Vom Gottesstaat“ heißt es: „Denn wer nicht ist, kann sich auch nicht täuschen; also bin ich, wenn ich mich täusche. Da ich demnach bin, wenn ich mich täusche, kann es keine Täuschung sein, dass ich bin.“ (Vom Gottesstaat XI, 26) ((Augustinus, Aurelius: Vom Gottesstaat. Herausgegeben von Karl Hoenn. Zürich. Artemis Verlag: 1955.))
Ich werde in den hierauf folgenden Kapiteln des zweiten Teils meiner Hausarbeit die Anwendung der oben genannten Methode des Zweifelns anhand der „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“, vornehmlich in der ersten und zweiten Meditation, erläutern, sowie auf einige Ungereimtheiten, die ich gefunden zu haben glaube, hinweisen.
Im dritten Teil werde ich die Gründe für das Scheitern des methodischen Zweifels was dessen Ziel, das Finden einer unbezweifelbaren Gewissheit betrifft, aufzeigen und eine Möglichkeit entwickeln, zu dieser Gewissheit auf anderem Wege zu gelangen als mit dem methodischen Zweifel Descartes’.
Der vierte Teil wird mit einem zusammenfassenden Schlusswort diese Arbeit beenden.

Ich freu mich schon jetzt auf deine weiteren Beiträge.
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