Wissen
Einst blies ein Wind über die Erde und deren Bewohner.
Da erwachte ein Mensch aus seinem Schlaf und hatte Durst, also sprach er zum Wind:
„Warum so windig, warum so zärtlich, warum streichelst du so ruhig und beruhigend über die Wiesen und Baumwipfel hinweg, warum schleichst du dich hinterhältig durch undichte Türen und durch Ritzen, warum gleitest du gemächlich über den Ozean und lässt ihn kleine Wellen schlagen, warum lässt du bunte Blätter auf deinem Rücken tanzen und trägst sie von Ort zu Ort? Nun sag, warum singst du deine Lieder heimlich?
Kleinlichkeit, Bescheidenheit, ach, du Narr, du Tiefstapler und Hinterwäldler, schöpfe doch aus deinem Potenzial, begehe deine Wege und werde in der Möglichkeit. Und dürstet es dich nicht? Dürstet es dich nicht aus dir zu trinken und dir ein Glas aus dieser Welt einzuschenken? Lüstet es dich nicht nach – mehr. Ist dein Ruhen nicht Eitelkeit?
Sieh! Deine Anlage!
Sieh! Deine Vorsehung!
Sieh! Deine Überwindung!
Nun, brich aus deinem Zweifel heraus, schreite über deine Bescheidenheit und erschließe dir neue Höhen.
Ist Wind nicht deine Ohnmacht und Briese dein Symptom? Ist Wind nicht ein Laster wenn man Sturm sein kann? Du, Wind, sollst Sturm werden, dein Durst nach Sturm soll gestillt werden, dein Symptom soll zu deinem Charakter werden, die Briese soll in Böe sich verwandeln.
Und willst du nicht die Brunnen vergiften aus denen du trankst? Willst du nicht die leeren Becher hinwegfegen!
Willst du nicht stören, zerstören und mit deiner unbändigen Kraft betören?
Nie mehr sollst du dich durch Schlüssellöcher zwängen, nie mehr sollst du durch offene Fenster schlüpfen müssen. Du hast die Kraft!
Die Türen aus den Angeln heben und das Fensterglas zerschmettern!
Nie mehr sollst du deine Lieder für dich murmeln, nie mehr Blätter auf deinem Rücken tanzen lassen. Du hast die Kraft!
Lieder brüllen und Bäume fällen!“
Wind: „Ei, soll ich noch Sturm werden und dir den Wind aus den Segeln nehmen? Bist du nicht schon stürmisch genug um meiner zu bedürfen, du Windbeutel? Willst du denn nicht lieber, statt großen Wellen, Wurzeln schlagen? Und vermagst du mein Potenzial auch auszuloten, meine Möglichkeiten zu erkennen, scheinst du meine Kraft auch zu verehren, weißt du meinen Durst auch zu stillen, was bringt`s? Kennst du dein eigenes Potenzial? Bist du selbst deiner Stärke mächtig? Weißt du deinen Durst denn zu stillen, ja, bist du dir deines Durstes überhaupt sicher?
Deine Vergötterung meines Daseins ist die Konservierung deiner Möglichkeit als bloße Möglichkeit. Deine Prophezeiung meines Werdens ist die Entschuldigung für dein Sein. Meine Gewordenheit ist dein Werden.
Früher oder später puste ich mich selbst aus, meine Lungen werden leer und ich ersticke auf dem Höhepunkt meines Orkans an mir selbst, dies ist alle übervollen Schicksal.
Liegt auch im Sturme meine Zukunft, worin liegt deine?“
Mensch: „Erhebung über den Besten, Überwindung des Nächsten, wie Dynamit werde ich die Mauer aus Wünschen und Hoffnung sprengen. Instinkt? Nichts! Gefühl? Nichts! Glauben? Nichts! Nichts! Nichts! Dies alles ist nichts. Moral und Werte will ich ab- und einreißen, denn diese sind nichts.
Wissen, Wissen ist alles. Wissen ist meine Stärke, Wissen ist meine Möglichkeit, meine Größe, und ich werde sein wie Gott. Ich werde wie ein Wirbelsturm im Bewusstsein meiner Spezies toben, niemand wird aus meinem Schatten treten können, niemand wird das Licht sehen welches ich sehe. Ich werde auf sie wie auf Gewürm nieder blicken, die die stets ein Nichts schaffen und selbst dies nicht fertig stellen, die die ihre Fragen noch selbst beantworten müssen, die die niemals etwas denken und dabei glauben sie könnten wissen. Ich allein kann wissen, ich weiß.
Mein Wort ist Wahrheit, mein Gedanke ist Tatsache und ich bin – Welt.“
Wind: „Wohlan, ich sehe deine Sonne aufgehen und ich sehe sie verglühen. Ich sehe einen Menschen der kein Mensch mehr ist, ich sehe dich, mein Freund.
Ich sehe dich, der du alles weißt und nichts verstanden hast, ich sehe dich, der du alles gelernt aber nichts kennen gelernt hast, ich sehe dich, der du alles enträtselt doch nie etwas erforscht hast. Nach allem hast du gegriffen und nichts davon hast du begriffen. Ich sehe dich, wie du mit leeren Händen vor deinen Abgründen, vor deiner Leere stehst, du hast nichts in die Welt gelegt, darum ist alles aus dir genommen. Was? Hast du dir denn die Welt erklärt? Oder nur deine Begrenztheit? Was ist dein Wissen anderes als eine Religion der Wahrheit? Kannst du denn etwas wissen, obwohl du selbst dir nie deiner selbst gewiss warst, obwohl du nie an deine Fülle hast glauben können? Zogst du hinaus um dich zu füllen?
Wo nichts war, kann nichts sein, wo nichts erwächst, kann nichts gedeihen.
Du bist Gott, du bist Welt, du bist – nichts.
Ja, diesen Menschen sehe ich, meine Träne ist sein Blut, meine Erde ist seine Hölle denn meine Ahnung – ist sein Wissen.“


metalyst
(Instinkt? Nichts! Gefühl? Nichts! Glauben? Nichts! Nichts! Nichts!)
(Ich allein kann wissen, ich weiß.)
- ist das selbst zugesprochene wissen nicht soetwas wie eine äußerung des instinktes des menschen, also eine eigenart dieser spezies ?
(…denn meine Ahnung – ist sein Wissen.“)
hatte “er” die ahnung dass der mensch so werden wird ?
(…Ich allein kann wissen, ich weiß.
Mein Wort ist Wahrheit, mein Gedanke ist Tatsache und ich bin – Welt.“)
- auch wenn er alles weiß heißt das nicht dass er auch so handelt. etwas besser zu wissen und nicht danach zu handeln ist tägliches beispiel in unserer gesellschaft, auf unserem planeten.
oder kann er sich etwa auch etwas zu essen erdenken wenn ihn sein wissen nicht davor bewahren konnte zu hungern ?