Stallgeruch

Ein Randthema?

In der letzten GEO Nr. 43 steht dazu:

„Wie man sich oben bewegt, das lernt man nur, wenn man in diesem Milieu aufgewachsen ist und dessen Codes kennt. Da geht es um den richtigen Habitus, Souveränität und Selbstbewusstsein, den richtigen Dress- und Verhaltenscode“, so Eliteforscher Michael Hartmann. Und:

„ …dass man in Deutschland, um Spitzenmanager zu werden, vor allem eines braucht – die richtige Herkunft“

Das Rennen an die Spitze beginnt schon sehr früh:

„NORMALERWEISE müssen Arbeiterkinder deutlich bessere Leistungen erbringen als Akademikerkinder, um eine Gymnasialempfehlung zu bekommen“, weiter:

„Während bei Akademikerkinder schon 537 Punkte ausreichen, überzeugen Arbeiterkinder  ihre Lehrer erst bei 614 Punkten“

Ein Vergleich von M. Hartmann aus 6300 Promotionen ergibt:

„Der Sohn eines leitenden Angestellten mit einer Promotion in Jura, Ingenieur oder Wirtschaftswissenschaften hat eine ZEHNMAL so große Chance in die Führungsebene…“,

Noch deutlicher wird dies lt. M. Hartmann:

„ War der Vater selbst schon Vorstandsmitglied oder Gesellschafter eines großen Unternehmens, so hat dessen Sohn sogar eine 17-mal so große Chance…“

Zu konstatieren ist, dass seit dem angeprangerten Bildungsnotstand 1964 sich die Anzahl der Abiturienten von 10% auf 44% erhöht hat. Doch, und das ist meine Frage, ist das wirklich der Anfang einer Wende?

Ich glaube nicht und denke, das der Kreislauf der gesellschaftlichen Klasse und Stellung dort aufhört, wo er begonnen hat. Wenn tatsächlich Arbeiterkinder durch bessere Bildungschancen die nächste  gesellschaftliche Stufe erreichen, führt trotzdem der Weg der Kinder oder Kindeskinder wieder in die Arbeiterklasse zurück.

Ein sehr komplexes Thema, das sich hier nur ansatzweise anreißen lässt.

Schaue sich doch jeder Mal selbst in seinen Bekannten- und Verwandtenkreis um. Wo stehen die heute 30-jährigen? Wo stehen ihre Eltern? Wo standen die Großeltern? Wieviel % werden die Klasse dauerhaft wechseln können?

In den guten wirtschaftlichen Nachkriegsjahren war es für die Arbeiterkinder nicht sonderlich schwer, infolge von Arbeitskräftemangel und relativ guter Ausbildung Stufe um Stufe in der Gesellschaft aufzusteigen. Heute reicht eine „relativ gute“ Ausbildung für den Klassenerhalt nicht mehr aus. Das sehen scheinbar auch die Eltern so, die ihre Kinder schon im Kindergarten chinesisch lernen lassen, und ihr halbes Monatseinkommen in die Privatschulen ihrer Kinder investieren. Ein eigenes Thema, aber doch mit vielen Überschneidungen zu diesem hier.

Eine andere Behauptung von mir, über Funktion und Scheitern des falschen und richtigen Stalls und Stallgeruchs:

Im dritten Reich scharrte Hitler Männer um sich, die seinem Stall und Geruch entstammten und somit erst die Schaffung des Regimes ermöglichten. Die Codes sind in jeder Klasse anders, aber dem Klassenangehörigen vertraut, zu dem eine Herkunftsbindung besteht, ein Verbundensein, Vertrautheit. Männer aus diesem Stall, kaum fähig zur eigenen Reflektion, zutiefst Lebensunsicher und an den Lippen hängend charismatischen und lauten Worten folgen, die jede eigene Verantwortung durch Befehlsgehorsam ersetzen, u.s.w. stellten das Gewaltsystem.

15 Jahre lang, davon gefühlte 1500 Jahre zu lang. Gescheitert, wie die meisten Änderungsversuche der gesellschaftlichen Systeme. Flower Power, RAF oder Kommunismus. Heute herrscht wieder der Adel, mit den geneideten Emporkömmlingen, dessen Fall man geduldig in der Herde des eigenen Stalles abwartet

Was ist das hier? Ein Phänomen, eine Vermutung, eine Regel oder ein Gesetz mit nur scheinbaren Ausnahmen?

Und im Sinne dieses Beitrages ergibt sich doch eine ganz besondere Bedeutung für die Fragen:

„Wo komme ich her“ – „ Wo gehe ich hin“

Menachem 8 Kommentare Kategorie: Blog Samstag, der 29. August 2009

Nichtigkeiten I

Damit mal wieder etwas Leben in die Bude hier kommt gibt es im Folgenden eine Kurzgeschichte aus der Reihe “Nichtigkeiten” zu lesen. Zerstörerische und erbauliche Kritiken sind gleichermaßen willkommen. Kleine Rechtschreibfehler dürften sich finden lassen.

Nichtigkeiten – Die Kerze

Die Kerzenflamme zuckte ein wenig, als ob jemand von der Seite mit zu schwachem Atem dagegen gepustet hätte, jedoch befand sich niemand in der Nähe dessen Lungen diesen Luftstoß hätten hervorbringen können, sodass man, aus einem Mangel an anderen, ersichtlichen Ursachen, die augenblickliche Unruhe der Flamme, auf undichte Fenster, eine offene Tür oder – was am wahrscheinlichsten schien – auf eine zufällige Verwirbelung der Raumluft zurückführen musste, welche nur einen Moment lang, die ruhige Gleichmäßigkeit, mit der die Flamme ihren feurigen Tanz aufzuführen pflegte, gestört hat; der mysteriöse Windzug verschwand ebenso plötzlich wie er aus der Tiefe des Zimmers herbei gestürmt war.

Weiterlesen: Nichtigkeiten I

Wowik 5 Kommentare Kategorie: Blog, Kultur Freitag, der 14. August 2009

Freiheit statt Angst

Raphael 2 Kommentare Kategorie: Politik Samstag, der 18. Juli 2009

Vertrauen als Basis des Politischen?

Man liest immer wieder von Politikern jeder Coleur die in inhaltslosen Interviews oder redebeiträgen fordern, die Politik müsse die Akzeptanz des Politischen bei Bürger festigen und Vertrauen schaffen. Messbarometer dieser Akzeptanz und Vertrauens bzw. fehlendem Vertrauens ist die Politikverdrossenheit ausgedrückt in der Wahlbeteiligung. Da in nahezu allen diesen Äußerungen Akzeptanz und Vertrauen in einem Atemzug mit Wählermobilisierung und zielgruppenorientierten Wahlkampf fällt, können die großen Worte der Wortnehmer des Politischen getrost nicht ernst genommen werden. Aber den allein zweckorientierten Parteisöldnern steht das Heer der Verdrossenen in nicht nach. Der kleine Mann, der sich permanent und zu jeder Zeit als Opfer der da oben sieht, kann Politik auch kaum denken ohne an Steuern und seinen Geldbeutel zu denken.

Meine Überspitzung weist auf ein Problem hin, dass momentan als Zyklus dieses Denken durchbricht: Rechte und Pflichten werden sich gerne gegenseitig in einem ungleichen Verhältnis zugeschoben und das Verhältnis dieser beiden staatstragenden Grundfesten werden dabei wenig reflektiert.

Doch ab und an kommen die Grundfesten, die Grundrechte und die Verantwortung von Politik, Gesellschaft und System in den Blick. Dies geschieht im Moment, auch wenn Opel und der Geldbeutel sich schon wieder positionieren, um diese unangenehme Diskussion zu verdrängen. Gemeint ist die Diskussion um Bürgerrechte und Zensur, den ich enorm verärgert schon im letzten Beitrag thematisiert habe.

Ich habe so reagiert, wie derjenige, der seinem Geldbeutel zu verteidigen sucht, ohne nachzudenken. Denn die Vorstöße unserer Regierung in einen Bereich, in dem sie auf diese Art meiner Meinung nach nichts zu suchen hat, können auch anders betrachtet werden. Positiv und als staats- und demokratiefördernde Strukturen, die das Vertrauen schaffen und nicht untergraben. Man muss sich als Bürger nicht verraten fühlen und darauf schimpfen,d ass Deutschland immer mehr zur Diktatur verkommt, sich nicht von China unterscheidet und der Bürger immer weiter entmündigt wird.

Unser Staat ist nämlich ein entschieden stabileres System verschiedener Mach- und Kontrollinstanzen, als eine solch negative Darstellung suggeriert.  People in motion hat darauf schon in der Diskussion um Onlinedurchsuchungen hingewiesen und eine differenzierte Darstellung und Diskussion eingefordert. Dies möchte ich im Folgenden auch ind er Diskussion um die Zensur im Internet tun. Weiterlesen: Vertrauen als Basis des Politischen?

Raphael 3 Kommentare Kategorie: Gesellschaft, Politik Donnerstag, der 16. Juli 2009

Jetzt kann man einfach nicht mehr die Fresse halten

Ich werde es kurz gestalten und lieber auf die verlinken, die die Ruhe bewahren können trotz dieses Angriffs auf die Grundfesten unserer Demokratie. Alles, was ich zu sagen hätte würde nur unflätiges Beschimpfen der Ignoranz derer sein, die gestern Abend für ein Gesetz gestimmt haben, was eklatant gegen das Grundgesetz verstößt. Das allein ist aber nicht Auslöser meiner exorbitant geschwollenen Halsschlagader, sondern die Kette von Ereignissen, die dazu geführt haben, dass mein glaube an diese Politik so am Boden liegt, dass ich nicht mehr gewillt bin, nichts zu tun und darauf zu vertrauen, dass die Gründungsväter dieser verfassung eine solche Stabilität gegeben haben, dass selbst die miesesten Verfassungsfeinde dieser nichts anhaben können. Aber “das Gesetz markiert nicht nur ein Versagen, es markiert einen gefährlichen Trend”, schreibt selbst die Zeit.

zensursula_erst_wenn_via_pantoffelpunk

Es geht um Zensur des Internets und es ist verdammt nochmal wichtig, selbst für diejenigen, die lieber ein gutes Buch lesen, als sich in den Weiten des Netzes zu verirren.  Lest bitte folgende Beiträge, auch wenn euch Politik nicht interessiert, lest sie auch wenn ihr gerade etwas Besseres vorhabt, lest sie weil sie den Anfang einer Opposition darstellt, die wir selbst sein müssen, weil sie im Bundestag nicht mehr existiert. Wie hat Frank richtig gesagt: “Mittlerweile würde ich sogar die Rentner- oder Tierschützerpartei wählen, bevor ich diese Regierung unterstütze.” Wir müssen etwas tun, denn für uns wird nichts mehr getan. Politische Lethargie kann jetzt nicht mehr sein, sich darauf zurückzuziehen, dass man eh nichts ändern kann, auch nicht. Es muss wenigstens Öffentlichkeit erzeugt werden, um zur Bundestagswahl ein Zeichen zu setzen, dass deutlicher ist, als das ignorierte der Europawahl: “So geht es nicht mehr weiter. Nicht mit uns!

Der Tenor ist überall derselbe. Diese Republik wird nicht untergehen und einige Politiker ohne Verständnis und Anstand werden diese Republik nicht kaputt machen. Aber wir müssen etwas tun. Natürlich werden in den nächsten Tagen auch viele die Demokratie beerdigen, aber das kann nicht die Folge daraus sein. Resignation bedeutet in diesen Tagen Niederlage. Es gibt noch den Bundesrat, den Bundespräsidenten und sollten diese Instanzen auch kein Gehör und Verstand haben, dann kommt noch das Bundesverfassungsgericht, die ersten Klagen werden ganz sicher in den nächsten Tagen auf den Weg gebracht.

Aber es kann nichts ein, dass wir Leute wählen und an der Spitze unseres Staates tolerieren, die sobald sie die Möglichkeit sehen in regelmäßigen Abständen versuchen unsere Grundrechte auszuhölen. Da muss angesetzt werden.

Die Tage vielleicht etwas strukturiertere Gedanken zum Thema, ich gebe Montag meine Bachelorarbeit ab. Jetzt noch die Worte von herrn Tauss:

Raphael 12 Kommentare Kategorie: Politik Freitag, der 19. Juni 2009
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